Nach Brandstiftung in Mehrfamilienhaus: 54-Jährige muss dauerhaft in psychiatrische Einrichtung
Wahn führt zu menschlicher Tragödie

Symbolbild: dpa
Vermischtes
Schwandorf
29.07.2016
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Amberg/Schwandorf. Den Richtern blieb keine andere Wahl. Um die Öffentlichkeit zu schützen, musste eine 54-Jährige dauerhaft in die Psychiatrie eingewiesen werden. Die Frau hatte unter Einwirkung schwerer schizophrener Wahnvorstellungen ihre Wohnung in Brand gesetzt. Die Unterbringung in der Forensik ist eine Entscheidung, die nur vom Landgericht getroffen werden kann. Dazu sind in der Regel umfangreiche Prüfungen notwendig. In diesem Fall aber erübrigten sie sich. Die Beschuldigte benahm sich von der ersten Minute an auffällig. Sie giftete ihren Verteidiger an, wollte sofort den Gerichtssaal verlassen, wurde hoch aggressiv.

Der Kammervorsitzenden Roswitha Stöber gelang es, die 54-Jährige zu besänftigen und ihr Angaben darüber zu entlocken, warum sie heuer im Januar ihre Wohnung im östlichen Kreis Schwandorf in Brand setzte, sich in den verqualmten Räumen verbarrikadierte und dann unter ein Bett kroch. Dabei wurde endgültig deutlich, wie sehr die Frau unter Wahnvorstellungen leidet. Ihre Hauskatze habe das Kommando zur Brandlegung gegeben, erfuhren die Richter von der Beschuldigten.

Ohne Schuldspruch


Was folgten, waren drei fast unerträgliche Stunden im Sitzungssaal. Die 54-Jährige empfand das damalige Vordringen der Feuerwehr als eine Art Hausfriedensbruch, beschrieb drohende Übergriffe durch anonyme Sexualtäter, gab bellende Laute von sich und begann schließlich, eine Melodie zu summen. Dabei wusste die Strafkammer: In ihrer Wohnung hatte die Frau vor der Brandstiftung schon für eine schadensträchtige Überflutung gesorgt. Die Reparaturkosten gingen in die Zehntausende.

Eine menschliche Tragödie, hervorgerufen durch immer mehr um sich greifende Wahnvorstellungen. Ein psychiatrischer Gutachter riet dringend dazu, die 54-Jährige in der Forensik unterzubringen. Dieser Ansicht schlossen sich Staatsanwältin Dr. Barbara Tutsch und Anwalt Heinz Ettl an. In seinem Schlussvortrag sagte Ettl sinngemäß, vielleicht gebe es ja irgendwann ein Medikament, das die Geisteskrankheit stoppen könne.

Die Erste Strafkammer hatte angesichts des Zustands der Frau keine andere Wahl: Sie ordnete die dauerhafte Einweisung an. Für die Brandstiftung, so hieß es in der Entscheidung, könne die 54-Jährige strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden. Die Beschuldigte nahm es zürnend zur Kenntnis, spuckte um sich und musste mit sanfter Gewalt zu einem Polizeifahrzeug gebracht werden, das sie zurück in eine oberbayerische Psychiatrie brachte. Nach der Brandlegung war sie per richterlichem Beschluss dorthin eingewiesen worden.

Der Folgen nicht bewusst


Der in einem Mehrfamilienhaus entfachte Brand hätte schlimm enden können. Als Rauchschwaden durch das Gebäude zogen, waren mehrere Mieter, darunter auch drei Kinder, in Gefahr geraten. Nur dem raschen Zugreifen der Feuerwehr war es zu danken, dass größeres Unheil vermieden wurde. "Ich bin kein Feuerteufel", hatte die 54-Jährige während des Sicherungsverfahrens mitgeteilt. Doch als Tatsache konnte gelten: Die Flammen hatte sie gezielt an mehrere mit Plastikteilen gefüllte Müllsäcke gelegt. Ohne zu wissen, wie ihr die Richter nun attestierten, was sie tat.
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