Nach dem Sturm
Inhaber eines forstwirtschaftlichen Unternehmens angeklagt

Vermischtes
Schwandorf
18.02.2016
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Vom Staatsanwalt wird verlangt, dass er sich mit allen Unzulänglichkeiten menschlichen Lebens ebenso auskennt wie mit der Beschaffenheit von Orten. Eher selten ist da der Wald. Doch auch forstliche Baumbestände tauchen bisweilen als Schauplatz möglicher Straftaten in den Akten auf.

Der Waldspaziergang dauerte, wenn man so wollte, nur eine knappe halbe Stunde. Dann war vor der Schwandorfer Amtsrichterin Petra Froschauer geklärt, dass eine restlose Aufhellung der Betrugsanklage ungeheure Anstrengungen bedeutet hätte. Und das alles wegen 241 Euro und ein paar Cent. Diese eher bescheidene Summe war nach umfangreichen Ermittlungen übrig geblieben. Als Staatsanwalt Jan Prokoph die Anzeige einer Privatwaldbesitzerin aus dem Raum Wernberg-Köblitz auf den Tisch bekam, drehte sich zunächst alles um rund 3000 Euro. Die sollte der Inhaber eines forstwirtschaftlichen Unternehmens aus dem Raum Amberg für sich behalten haben, als seine Firma von der Waldeigentümerin mit Arbeiten beauftragt worden war. Ein Sturm hatte in dem Gehölz der Frau arge Schäden angerichtet.

Nicht in den Rechnungen


Die Ermittlungsbehörde begann, wegen Betrugsverdachts gegen den Unternehmer nachzuforschen. Zum Schluss blieben 241 Euro, die der Waldbesitzerin offenbar nicht ausbezahlt wurden. Dennoch drängte Staatsanwalt Jan Prokoph auf eine mündliche Verhandlung. Denn nur so, ließ er jetzt vor der Schwandorfer Amtsrichterin Petra Froschauer anklingen, könne aufgehellt werden, ob es tatsächlich zu Unregelmäßigkeiten bei den Abrechnungen gekommen sei. So saß nun der Inhaber eines Forstbetriebs auf der Anklagebank. Es ging um 15 Festmeter Holz und um die Frage, weshalb er diese Menge in den Rechnungen nicht berücksichtigte. Was folgte, war eine Art fachliche Schilderung, die so recht von Laien nicht einzuordnen war. Der 36-Jährige schilderte, dass ein sogenannter Sub-Unternehmer von ihm eingeschaltet worden sei, da er sich seinerzeit terminlich nicht in der Lage gesehen habe, die Windbrucharbeiten auszuführen. Von Abmessungen der Holzmengen durch einen Lkw-Fahrer war die Rede und auch davon, dass manche Stücke 2,70 Meter lang gewesen seien, obgleich sie nur als 2,40 Meter lange Stämme an das Sägewerk weitergegeben wurden.

Eine für die Justiz eher verwirrende Sachlage, die zu Überlegungen führte. Musste man wirklich alles haarklein klären angesichts eines angenommenen Schadens von 241 Euro? Draußen standen vier Zeugen. Doch ihre Vernehmung erübrigte sich. "Ich wäre mit einer Verfahrenseinstellung gegen Geldauflage einverstanden", signalisierte der Staatsanwalt. Der Unternehmer besprach sich mit seinem Anwalt Josef Simbeck und stimmte zu. Jetzt zahlt er 500 Euro an den Verein für krebskranke Kinder.
Ich wäre mit einer Verfahrenseinstellung gegen Geldauflage einverstanden.Staatsanwalt Jan Prokoph
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