Nach räuberischem Diebstahl: Täter soll noch eine Chance bekommen
Vor Gericht der letzte Warnschuss

Vermischtes
Schwandorf
28.07.2016
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Amberg/Schwandorf. Er musste um seine Zukunft bangen. Doch es gab eine Lösung. Das Amberger Landgericht schickte einen 27-Jährigen zwar in die psychiatrische Unterbringung, setzte diese Entscheidung aber zur Bewährung aus. Allerdings muss sich der Gewalttäter in eine betreuende Einrichtung begeben.

Was im November letzten Jahres in Schwandorf geschah, beschäftigte die Erste Strafkammer des Amberger Landgerichts bei einem zweitägigen Sicherungsverfahren intensiv. Ein 27-Jähriger betrat damals einen Supermarkt auf dem ehemaligen Tonwarenfabrikgelände, klaute eine Tube Zahnpasta, ging damit durch die Kasse und putzte sich draußen vor dem Gebäude mit einer mitgebrachten Bürste die Zähne. Als Spülung diente eine ebenfalls geklaute Flasche Mineralwasser. Eine seltsame Begebenheit. Sie wurde gleich darauf noch bemerkenswerter.

Festnahme am Boden


Als der Marktleiter den Ladendieb verfolgte, erhielt er auf der Pesserlstraße einen heftigen Stoß. Augenblicke später trafen zwei Polizisten ein (wir berichteten). Einer von ihnen stieg aus, verfolgte den 27-Jährigen bis zum Bahnhof und rannte auch hinter ihm her, als der Mann in ein Gebäude lief. Dort bekam er von dem Beamten, der ihn mehrfach zum Stehenbleiben aufgefordert hatte, eine Ladung Pfefferspray. Das, monierte nun Verteidiger Helmut Mörtl (Regensburg) in seinem Plädoyer, "ist angesichts der Situation völlig überzogen gewesen."

Der Ladendieb spurtete weiter, gelangte in einen Sozialraum, wollte sich an einem Waschbecken die Augen vom Pfefferspray säubern, wurde von dem Beamten festgehalten. Beide kamen zu Fall. Der Polizist geriet in Rückenlage. Der 27-Jährige setzte sich auf ihn und würgte seinen Widersacher. "Ich hatte Todesangst", unterstrich der Beamte vor dem Landgericht. In seiner Not feuerte der ebenfalls 27-Jährige einen Warnschuss aus seiner Dienstwaffe ab. Danach ließ sich der Ladendieb von weiteren eintreffenden Polizisten festnehmen.

Die Ausgangslage stellte sich für das Gericht so dar: Es hatte einen jungen Mann vor sich, der seit über einem Jahr an einer beginnenden Schizophrenie leidet. Die Frage lautete nun, ob man ihn nach dem Übergriff am Schwandorfer Bahnhof in eine dauerhafte psychiatrische Unterbringung hätte einweisen müssen. So weit sei es noch nicht, argumentierten Staatsanwalt Oliver Wagner und Anwalt Helmut Mörtl in ihren Plädoyers. Zumal, wie Mörtl unterstrich, der 27-Jährige aktiv an seiner Behandlung mitarbeite.

Auflage streng erfüllen


Zum Schluss der zweitägigen Verhandlung gab es eine Lösung, die akzeptabel erschien. Die Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt wurde zwar angeordnet, gleichzeitig aber - dies gestattet der Gesetzgeber in besonderen Fällen - zur Bewährung ausgesetzt. Im Gegenzug musste sich der 27-Jährige verpflichten, ab sofort für längere Zeit und sicher für fünf Jahre in eine betreuende Einrichtung zu gehen und seine Medikamente regelmäßig zu nehmen. Außerdem muss er sich nervenärztlich weiter behandeln lassen.

Verstößt er gegen diese Weisungen, wird die Bewährung widerrufen. Damit würde der psychisch kranke junge Mann auf Dauer in die Forensik eingewiesen. "Das", sagte die Kammervorsitzende Roswitha Stöber in der Urteilsbegründung, "muss Ihnen klar sein."
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