Nachspielzeit beim Amtsgericht
Watschen für den Schiedsrichter: 42-Jähriger angeklagt

Symbolbild: dpa
Vermischtes
Schwandorf
10.03.2016
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Es gab zwar keine Rote Karte, dafür aber rote Ohren. Eine Schiedsrichter-Entscheidung brachte einen Zuschauer bei einem Fußballturnier derart in Rage, dass er dem Unparteiischen nicht nur verbal die Meinung geigte, sondern auch handgreiflich wurde. Folge waren besagte rote Ohren beim Referee und eine Nachspielzeit beim Amtsgericht.

Was genau sich am 10. Juli vergangenen Jahres bei einem Fußball-Jugendturnier im Landkreis Schwandorf zugetragen hat, versuchte Richterin Petra Froschauer in einer vierstündigen Verhandlung herauszufinden. An deren Ende war allerdings nur eines völlig klar: Es geht in die Verlängerung. Zusätzliche Zeugen sollen noch mehr Licht in die Vorgänge bringen.

Unmut über Entscheidung


Der 42-jährige Angeklagte Christian F. (Name geändert) war als Zuschauer bei dem Fußballturnier. Er räumte ein, mit einer Entscheidung des Unparteiischen, der im selben Verein wie er ist, nicht einverstanden gewesen zu sein. Im Anschluss an das Spiel trafen beide am Rande des Sportplatzes aufeinander. Nach einer kurzen Diskussion habe er dann seinem Unmut mit einem - so sagte er - "Wischer über den Hinterkopf" auch körperlich Luft gemacht. Der 26 Jahre alte Unparteiische schilderte zwar auch eher einen "Wischer" mit der Handfläche von unten nach oben als eine gezielte Ohrfeige, gab aber zu Protokoll, zweimal derart gezüchtigt worden zu sein. Darüberhinaus habe es noch zwei Schubser gegeben und einen Schlag gegen den rechten Oberarm, der einen heftigen blauen Fleck nach sich gezogen habe.

Watsch'n oder "Wischer"?


Während andere Zeugen ebenfalls eher die bereits geschilderten Handbewegungen des Angeklagten gegen den Schiedsrichter wahrgenommen hatten, bestand ein weiterer darauf, das gesehen zu haben, was er als "Handfläche auf die Backe ... a Fotz'n halt" charakterisierte. Und zwar zwei derartige, dass es "geschnalzt" habe. Komisch daran: Bei der polizeilichen Vernehmung hatte der Zeuge - ebenfalls Schiedsrichter - nur von einem derartigen körperlichen Übergriff erzählt, dem Gericht berichtete er nun von zwei schnalzenden Watschen, die der 26-Jährige erhalten habe.

Ein großes Problem in diesem Verfahren liegt aber nicht nur in der Rekonstruktion dieser Ereignisse, sondern auch in den Geschehnissen am Rande. So ist zum Beispiel die Herkunft des blauen Flecks am schiedsrichterlichen Oberarm keineswegs geklärt. Außer dem Unparteiischen hatte kein Zeuge einen Schlag von Christian F. geschildert. Der Angeklagte sagte außerdem, dass er das Opfer bei einer Aussprache gefragt habe, warum er ihm den blauen Fleck auch noch andichte. Die Antwort sei gewesen: "Lass uns nicht darüber sprechen, das war eine dumme Idee von mir". Diesen Vorgang bestätigte die Ehefrau des Angeklagten bei ihrer Vernehmung, der 26-Jährige stritt das ab.

Keine Absprache


Dass sich die beiden Schiedsrichterkollegen bezüglich ihrer Aussage abgesprochen haben, bestritten sie vehement. Auf Nachfrage von Richterin Petra Froschauer schilderte der 26-Jährige aber eine Situation in der Umkleidekabine kurz nach dem Vorfall. Dabei habe sein Kollege, der als Zeuge nun die beiden Watschen schilderte, gesagt: "Das lassen wir uns als Schiedsrichter nicht bieten. Den zeigen wir an". Darüberhinaus räumte der Unparteiische ein, eine E-Mail an einen anderen Zeugen geschrieben zu haben. Darin habe er gefragt, was dieser von dem Vorfall mitbekommen habe.

Auf der anderen Seite berichtete der Schiedsrichterkollege des 26-Jährigen von Nachrichten des Angeklagten auf sein Handy, mit denen er unter Druck gesetzt worden sei. Zum Beispiel habe Christian F. geschrieben, dass er (der Zeuge; d. Red.) bei der Polizei seine falsche Aussage zurücknehmen solle, andernfalls werde Christian F. ihn anzeigen. Außerdem habe er auf seine drei Vorstrafen angespielt, berichtete der 24 Jahre alte Zeuge. Ähnliches sei in einem Telefonat geschehen. "Ich hatte Angst davor, dass er mir etwas antut", schilderte der 24-Jährige. Um den Angeklagten zu beruhigen, habe er geantwortet, dass er von dem Vorfall nichts wahrgenommen habe. Seine polizeiliche Aussage habe er aber dennoch nicht mehr geändert.

Das Vorgehen von Christian F. wiederum klassifizierte Staatsanwalt Stefan Schneider als versuchte Nötigung und kündigte ein weiteres Ermittlungsverfahren an.

Übrigens: Wenn es nach den beiden Beteiligten gegangen wäre, hätte es überhaupt kein Strafverfahren mehr gegeben. Auf Vermittlung des Vereinsvorsitzenden gab es ein Gespräch. Dabei entschuldigte sich der 42-Jährige, und der Schiedsrichter zog daraufhin seinen Strafantrag zurück. Die Staatsanwaltschaft hielt aber wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung fest.
Handfläche auf die Backe ... a Fotz'n halt.Ein Zeuge schildert den Übergriff auf den Schiedsrichter aus seiner Sicht


Fortsetzung folgtDer Prozess wird am Donnerstag, 17. März, um 13.30 Uhr fortgesetzt. Dann werden weitere Zeugen vernommen, bevor wahrscheinlich ein Urteil gesprochen werden kann.
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