Nächster Stopp Gefängnis

Vermischtes
Schwandorf
24.06.2016
105
0

Man sieht es ihm nicht an, aber der gepflegte Mann, der mit Anzug und Krawatte erschien, ist vor Gericht und im Gefängnis Dauergast. Drei Jahre und neun Monate hat er schon hinter schwedischen Gardinen verbracht. Jetzt werden es sechs Monate mehr. Da half alles Toben nichts.

Die neuerliche Packung verabreichte dem angehenden Sechziger das Schwandorfer Amtsgericht. Dort wurde ein Fall verhandelt, der offenbar das Mitwirken des Amtsgerichtsdirektors und des Leiters der Staatsanwaltschaft nötig machte. Warum, das war nicht gleich klar. Denn der Tatvorwurf der Nötigung gegen den Mann aus einem kleinen Ort im Landkreis Schwandorf schien zunächst nicht so spektakulär.

Als Querulant bekannt


Aber es zeigte sich schnell, dass der Angeklagte ein ganz besonderer Fall ist. Der zwangspensionierte Lehrer hält seit Jahrzehnten Polizei und Justiz auf Trab. Er scheint der Prototyp eines Querulanten und Besserwissers zu sein, der auch während der Verhandlung vor dem Amtsgericht - nicht seine erste und vermutlich auch nicht seine letzte - oft lauthals und ungehalten Richter Ewald Ebensperger und Staatsanwalt Joachim Diesch maßregelte, wenn sie seiner Meinung nach im Irrtum waren. Und das waren sie eigentlich andauernd.

Worum ging es? Der Mann, nicht unbegütert, vermietete eine Wohnung in seinem Haus an ein jüngeres Pärchen. Nach ein paar Monaten wollte er die beiden wieder los werden, kündigte ihnen nach einem unbedeutendem Geplänkel fristlos und drehte in der Folge Heizung und Wasser der Wohnung ab. Obwohl Winter war. Also erhielt er eine Anzeige, die ihn nun in Schwandorf vor den Strafrichter brachte.

Sechs Monate "ohne"


Dort wollte sich der Angeklagte mit einem Urteil des Bundesgerichtshofs aus der Affaire ziehen, das er aus dem Internet kopiert hatte. Sein Pech: Der dort abgeurteilte Fall hatte mit seinem eigenen Vorgehen nichts zu tun, obwohl er dies in langen Einlassungen immer wieder behauptete.

Bei Richter und Staatsanwalt biss der Angeklagte mit seinen Tiraden auf Beton. Wobei er froh sein konnte, dass die beiden wohl ein relativ dickes Fell besitzen - sonst hätten sie ihm die eine oder andere Bemerkung unter der Gürtellinie nicht durchgehen lassen. Auch der Verteidiger hatte nicht viel zu melden, wenn sich sein Mandant erst einmal in Rage geredet hatte. "Ich bitte um eine maßvolle und gerechte Entscheidung", legte Dr. Gunter Haberl dem Strafrichter trotzdem ans Herz.

Bei seinem Urteil erwähnte Richter Ebensperger, dass der Angeklagte erst kurze Zeit vor der Auseinandersetzung mit seinen Mietern zum letzten Mal aus der Haft entlassen wurde. "Ihre Tat war verwerflich, Sie durften die Räumung nicht in die eigene Hand nehmen", betonte der Richter. Und schickte den Angeklagten wieder einmal ins Kittchen - für neuerliche sechs Monate. Ohne Bewährung.
Weitere Beiträge zu den Themen: Gericht (561)Amtsgericht (25)Nötigung (6)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.