Nur 0,36 Gramm, aber: Gericht hält Angeklagten für einen "klassischen Dealer"
Kokainbeschaffer für einen 16-Jährigen

(Foto: dpa)
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Schwandorf
05.10.2016
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Amberg/Schwandorf. Wer Drogen an Minderjährige verkauft, hat von der Justiz keinerlei Milde zu erwarten. Ein Schwandorfer wandert jetzt für längere Zeit hinter Gitter, weil er an einen 16-Jährigen Kokain verhökerte. Insgesamt muss der Mann fast dreieinhalb Jahre absitzen.

Vor dem Schöffengericht in Amberg ging es um die eher geringe Menge von 0,36 Gramm Kokain. Das hätte bei einem Rauschgiftgeschäft unter Erwachsenen mit einem Strafbefehl geendet. In diesem Fall aber hielt Staatsanwalt Tobias Kinzler einen Verbrechenstatbestand für erfüllt. Gleicher Ansicht waren die Richter.

Vor nahezu genau einem Jahr verkaufte ein selbst drogenabhängiger Schwandorfer das Kokain an einen jungen Mann, der damals gerade erst 16 Jahre alt geworden war. Beide glaubten, es handele sich um Amphetamin. Doch eine später beim Landeskriminalamt vorgenommene Untersuchung ergab: Was sich in dem Tütchen befand, war - wie es im Fachjargon heißt - hochwertiges "Koks".

Schnell erledigt


Als der 30 Jahre alte Dealer nun in Handschellen von Polizeibeamten aus seiner Zelle in der Amberger Justizvollzugsanstalt vorgeführt wurde, legte er sofort ein Geständnis ab. Dabei offenbarte sich: Er hatte das für Amphetamin gehaltene Kokain für 30 Euro erworben und für 60 Euro an den Jugendlichen verhökert. "Hundert Prozent Gewinn, sehr stattlich", kommentierte Richter Markus Sand. Nicht lange darauf war der 16-Jährige in Schwandorf von Polizeibeamten kontrolliert worden. Sie fanden das Kokain und erhielten auch Hinweise auf den Verkäufer.

Das Geständnis sorgte für einen kurzen Prozess. Dabei musste das Schöffengericht zwei Vorahndungen, die wegen ähnlicher Delikte in Regensburg und Amberg verhängt worden waren, in seine Entscheidung einbeziehen. Es kam schließlich zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren und drei Monaten Haft. Hinzu addieren sich weitere zwölf Monate, die nicht mit einbezogen werden konnten. Unter dem Strich also drei Jahre und drei Monate.

Therapie empfohlen


"Wir haben hier keinen minderschweren Fall", unterstrich Richter Sand. Auch wenn es sich "nur" um 0,36 Gramm gehandelt habe, sei der 30-Jährige "als klassischer Dealer aufgetreten". Dabei habe er das jugendliche Alter des Käufers klar erkannt. Dem Angeklagten riet der Vorsitzende dringend dazu, in eine Therapie zu gehen, um seine Sucht zu überwinden. Auch der 16-jährige Kokain-Käufer war, so ließ sich dem Verhandlungsverlauf entnehmen, bereits süchtig.
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