Oberpfälzer Dialekt
Kernige Sprichwörter

Es geht der Reihe nach und der Schnellste ist der Erste. Unser Fotomodell hat das kapiert: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Bild: Hartl
Vermischtes
Schwandorf
02.04.2016
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Von den Reichen das Sparen lernen

"Die Weisheit auf der Gasse" hat der berühmte Theologe und Volksschriftsteller Johann Michael Sailer seine Sammlung deutscher Sprichwörter genannt, die 1810 erschien. Ganz im romantischen Sinn vertraute der spätere Bischof von Regensburg dabei auf die Weisheit des Volkes und der "Volkspoesie". Tatsächlich enthalten Sprichwörter und sprichwörtliche Redensarten viel von der Lebenserfahrung des einfachen Volkes, doch sie stehen auch in einer literarischen Tradition.

In knappen Sprichwörtern und Redenarten vermittelten einst Lehrer mündlich ihr Wissen den Schülern und Studenten. Der Schwandorfer Benediktiner Odilo Schreger hat in seinem "Studiosus jovialis" (Erstauflage 1749) eine ganze Reihe "juridischen Axiomata" zusammengestellt. Sie galten ganz konkret im Rechtsfall, fanden aber auch im übertragenen Sinn Verwendung. "Wer zuerst kommt, der mahlt zuerst", hieß es in der Mühle. "Erst die Arbeit, dann der Lohn" hieß es, wenn jemand um Vorschuss bat. Weiters galt: "Niemand ist ohne G'satz (Gesetz)" oder kein sei Richter in eigener Sache. Es handelt sich um Bestimmungen des römischen Rechts, die heute meist noch Gültigkeit besitzen.

Die Abhängigkeit von der Witterung in einer überwiegend landwirtschaftlich geprägten Umgebung belegen zahlreiche andere Sprichwörter, die auf bestimmte Lostage verweisen und sich meist auf Heiligenfeste beziehen, wie etwa das Fest das Apostels Matthias (24. Februar): "Matheis bricht's Eis; hat er kein's, so bringt er ein's" oder: Kunigund (3. März), bringt d' Wärm von unt."

Diese Daten deuten also das Ende des Winters an und beruhen auf langjähriger Wetterbeobachtung. Zudem werden zwischen den Wetterverhältnissen und anderen Erfahrungen des täglichen Lebens Beziehungen hergestellt, wie etwa die Ansicht, dass gerade in milden Wintern viele alte Leute sterben würden auf den Spruch "Offene Winter, offene Gräber" reduziert wird. Ob diese Tatsache auch statistisch zu belegen ist?

Eine allgemeine Gültigkeit haben jedoch Lebensregeln in Sprichworten und sprichwörtlichen Redensarten, die auf der Erfahrung von Generationen beruhen: "Vo de Raicha konnst as Spoan lerna und von de Oama 's Kocha". Oder:: "Waou as Göld is, daou schaist der Daifl no ãn Hàffa dràf". "Waou ã Göld is, is der Daifl", heißt es, aber "waou koins is, is er zwoamal." Jeder weiß, dass "Göld alloi niad raich macht" aber ohne Geld "siast ãn Noan glaich". Geld ist rund, damit es rollt. Und wie es dem einen "zin Fenstar einifleygt" so "fleygts an anern zin Fentzar aßi", schreibt schon Franz Xaver von Schönwerth in seiner Spruchsammlung. Aber wer Glück hat, dem "kölwert der Stieflgneechd". Schließlich haben vor allem "die Dumma" das Glück und je größer der "Strick" (= Schelm), umso größer "des Glick".

Der Oberpfälzer verlässt sich aber nicht auf das Glück, sondern spart. Den Jungen gab man mit auf den Weg: "Gungs Bloud, spoa dei Goud! Oamad im Alter wäi doud!" Schließlich schien es besser, das Geld "zon Schouster" zu tragen, als "zon Abbadeecher".

Man wusste aber auch, dass jede Arbeit "sãn Lou werd" is und "wer niad oawad, sull à niad ässn". Denn wer will, der findet "allawàl ãn Oawad". Wurde es hart, dann war Ausdauer gefragt, denn "niad naougemm, näit (zwingt) alles" und "ã gouder Wülln" braucht schließlich "koi Brülln." Der Oberpfälzer ist tolerant, denn "des Menschn Wülln is sã Himmlraich", und wen es freut, der kann sich ja "z` Nirmberch" an "Oasch blau fàm laoun".

Weitere Beiträge der Serie unter:

www.onetz.de/themen/dialekt
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