Oberpfälzer Dialekt
Viele Begriffe sind Franzosen

Ob alt oder neu, die Schäslong ist zum Hinfläzen gemacht. Bild: Hartl
Vermischtes
Schwandorf
18.03.2016
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Ein herrliches Wort: Botschãmperl. Es durfte früher in keinem Schlafzimmer fehlen. Bild: Götz
Im Zeitalter der Globalisierung, in der das Englische die dominierende internationale Verkehrssprache darstellt, sind Wörter französischen Ursprungs im Deutschen vielen Menschen kaum mehr oder allenfalls nur mehr passiv ein Begriff. Dabei handelt sich bei nicht wenigen von ihnen um äußerst originelle, und zwar vor allem auch unter dem Aspekt der Anpassung an den Dialekt. So etwa Böfflamott bzw. Bifflamott (eine Art Sauerbraten), das aus dem französischen boeuf à la mode (Rindfleisch nach der Mode) entstanden ist. Oder Schäslong (Sofa), das auf chaise longue (langer Stuhl) zurückgeht, und Botschãmperl (Nachttopf), das seine Wurzeln in pot de chambre hat.

Noch urbayerischer muten die folgenden Beispiele an: duschur (immer; von toujours), Sàckradi (Fluch; von sacre Dieu), Schãne bzw. Schãnde (Polizist; von gendarme), Schàwer (Umbindschürze; von chaperon), Schmieserl (Fliege; von chemisette), Stãmperl (kleines Glas Schnaps; von estaminet) und wisàwi (gegenüber; von vis-à-vis). Nicht selten gibt das Ursprungswort eines ins Deutsche bzw. ins Bairische übernommenen Ausdrucks große Rätsel auf.

Dies ist in ausgeprägter Form der Fall bei der Anweisung "Mach koi Fisimatentn!", was soviel bedeutet wie "Lass deinen Unsinn!". Während eine Theorie (von mehreren) die entsprechende etymologische Grundlage in der französischen Aufforderung "Visitez ma tente." (Besuchen Sie mein Zelt!) zu sehen glaubt, lautet eine andere, plausiblere folgendermaßen: Das Wort "Fisimatentn" ist eine Verschmelzung von lateinisch "visae patentes" als Bezeichnung für eine behördliche Urkunde und "fisiment" (überflüssiger Zierrat). Wie es beim Dialekt mit seiner oft sehr "rustikalen" Ausdrucksweise nicht anders zu erwarten ist, finden sich unter den Wörtern französischer Herkunft recht derbe, zum Beispiel, wenn von einer alten Schedsn die Rede ist. Damit ist nicht nur ein in die Jahre gekommenes Fahrzeug gemeint, wodurch das französische Bedeutungsfeld erhalten bleibt (chaise = Kutsche), sondern auch sehr despektierlich eine weibliche Person im Sinne von "alte Schachtel" tituliert.

Wie diffus der Dialektwortschatz französischer Provenienz heutzutage mitunter in den Köpfen der Menschen vorhanden ist, zeigte eine Umfrage, die der Verfasser dieses Beitrags 1998 als Schulprojekt machte. Da wurde zum Beispiel hinter Botschãmperl ein Abendkleid, ein Schemel, ein Badeschaum oder gar ein Tollpatsch vermutet. Und in Bifflamott wurden "Bett" und "Topfdeckel" hineininterpretiert. Bei Schãne wiederum lauteten die Erklärungsversuche: Frauenliebling, zweifelhafte Frau, Schande, scheinen und Schöne.

Es ist ganz offensichtlich, dass hier entweder Vermutungen oder die jeweilige Wortform zu entsprechenden Assoziationen Anlass gaben. Man mag es bedauern oder nüchtern-sachlich zur Kenntnis nehmen - Fakt ist, dass der Stellenwert des Französischen im Zeitalter der Globalisierung abgenommen hat und sich damit auch seine lexikalischen Zeugnisse in den bayerischen Mundarten auf dem Rückzug befinden. Während Barbara Meier aus Amberg noch vor wenigen Jahrzehnten wohl als "Mannequin" Bekanntheit erlangt hätte ist sie heute als Siegerin von "Germany's Next Topmodel" ein Begriff.

"Tempora mutantur" (Die Zeiten ändern sich), würde der Lateiner sagen, aber da wären wir bei einem weiteren interessanten Thema, nämlich dem Einfluss des Lateinischen auf das Deutsche und das Bairische.
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