Opfer hätte auf Strafe verzichtet
Fausthieb kostet 4800 Euro

Vermischtes
Schwandorf
29.06.2016
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Er sagte laut "Ausländer geh' weg aus meinem Land" und schlug zu. Der Hieb traf einen Mann aus Tunesien mitten ins Gesicht und führte nun zu einem Prozess vor dem Schwandorfer Amtsgericht. Dabei sagte das Opfer: "Ich möchte eigentlich nicht, dass der Täter bestraft wird."

Vor einer Discothek im südlichen Landkreis gibt es regelmäßig Schlägereien. "Wir sind jedes Wochenende dort", klagte ein als Zeuge vernommener Polizeibeamter. Auch ausländerfeindliche Motive kamen dabei schon in die Akten. Jetzt wurde ein weiterer Fall solcher Art vor der Richterin Petra Froschauer aufgerollt. Er geschah im November vergangenen Jahres kurz nach 4 Uhr morgens.

Ansatzlos zugeschlagen


Ein 33-Jähriger hatte das Lokal besucht, sich mit mit einem wie er stark angetrunkenen jungen Mann unterhalten. Anfangs recht friedlich und freundschaftlich. Draußen auf dem Vorplatz aber kam es später zu einer kurzen und sehr heftigen Auseinandersetzung. "Ausländer geh' weg aus meinem Land", rief der 33-Jährige.

Dann zog er aus und schlug seinem völlig verdutzten Kontrahenten, einem 25 Jahre alten Tunesier, mit der Faust ins Gesicht. Der ansatzlose Hieb verursachte kurzzeitige Schmerzen, er führte zu einem polizeilichen Ermittlungsverfahren. Schon im Verlauf dieser Nachforschungen hatte der Tunesier eine Entschuldigung seines Peinigers akzeptiert und zu Protokoll gegeben, dass er eigentlich keinen Wert auf eine Bestrafung des Täters lege. Das wiederholte er nun als Zeuge vor der Richterin.

Mehrfach vorbestraft


Der Angeklagte gab den Vorfall unumwunden zu. Dabei ließ er erkennen: "Ich bin nicht ausländerfeindlich." Im Urteil schrieb ihm Richterin Froschauer später allerdings zu, dass es bei ihm durchaus gewisse fremdenfeindliche Tendenzen gebe. "Ansonsten", argumentierte sie, "sagt man so etwas nicht." Der vor etlichen Jahren mehrfach wegen Körperverletzung geahndete 33-Jährige unterstrich, dass er sein Alkoholproblem zwischenzeitlich im Griff habe, bedauerte die Attacke und sprach erneut Worte der Entschuldigung. Staatsanwältin Daniela Spies beantragte gegen ihn eine Geldstrafe von 6000 Euro.

Das hielt Verteidigerin Ursula Glatzl (Burglengenfeld) für überzogen. Die Richterin verhängte 4800 Euro und begründete ihre Entscheidung so: "Es gab keinen rechtfertigenden Grund."

Der Mann aus Tunesien hatte während der Verhandlung auch auf ein Schmerzensgeld verzichtet. Er hatte seinen Kontrahenten vor dem Discobesuch nie gesehen.
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