Polizei nimmt Raser ins Visier

Polizeihauptkommissar Jürgen Wagner lenkt den Blick auf die Grünwald-Kreuzung, eine potenzielle Unfallstelle. Beim Blitz-Marathon schnappten sich er und seine Kollegen Fahrer, die zu schnell unterwegs waren. Wie viel es im Landkreis Schwandorf genau waren, wird am Freitag offiziell bekanntgegeben. Bild: Steinbacher
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Schwandorf
21.04.2016
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Dass die Radarfalle auf dem Weg ins Wellnesshotel nach Kötzting zuschnappte, nahmen drei Damen aus Heidelberg ausgesprochen locker. Bei ihrer Reise war die Fahrerin des BMW auf der B 85 mit 20 Sachen zu schnell unterwegs. Die Frauen waren sich unisono einig, wie sie die 30 Euro Strafe refinanzieren: "Wir trinken einen weniger."

So locker sich die Damen gaben, so einsichtig zeigten sie sich. Ja, vom bundesweiten Blitzmarathon hätten sie im Radio gehört - auch wenn sich ihr Heimat-Bundesland Baden-Württemberg nicht daran beteiligt. Und an und für sich sei die ganze Sache eine sinnvolle Aktion. Solch verständnisvolle Verkehrsteilnehmer wünscht sich Friedrich Böhm, Leiter der Verkehrspolizeiinspektion Amberg.

Denn den Hintergrund des Blitzmarathons formuliert er unmissverständlich: "Geschwindigkeitsüberschreitungen töten Menschen." Vergangenes Jahr starben im Bereich des Polizeipräsidiums Oberpfalz 83 Personen bei Verkehrsunfällen; zwölf mehr als noch 2014. Vier Fünftel kommen dabei laut Böhm außerhalb geschlossener Ortschaften ums Leben. Klare Ursache sind zu hohe Geschwindigkeiten.Böhm setzt deshalb vor allem auf Nachhaltigkeit. Nur Prävention und Präsenz brächten Erfolg. Aus diesem Grund rücken die Verkehrskontrollen bei den immer wiederkehrenden Blitzmarathons regelmäßig in den Fokus - die Presse ist dabei ausdrücklich erwünscht. "Wir wollen die Öffentlichkeit sensibilisieren", sagt Böhm. Oder, um es deutlicher auszudrücken: "Wir erzeugen Verunsicherung, und das ist auch so gewollt." Denn die Triebfeder, weshalb jemand langsamer fahre, sei sicherlich der drohende Führerscheinentzug. "Es bringt nichts, wenn wir Verbote aussprechen und keine Sanktionen folgen."

Kontinuierliche Präsenz


Polizeihauptkommissar Jürgen Wagner formuliert es ähnlich. Er ist sich sicher, dass ein Umdenken bei Verkehrsteilnehmern nur einen bestimmten Zeitrahmen überlebt. Für den langfristigen Erfolg - im Jahr 2006 gab es in der Oberpfalz 1642 Unfälle wegen überhöhter Geschwindigkeit, 2015 nur noch exakt 1000 - nennt er zwei Gründe. Zum einen sorge die sich ständig weiterentwickelte Technik für mehr Sicherheit. Zum anderen gibt es heute mehr Kontrollen. Jede Polizeiinspektion hat nach Aussage von Wagner Zugriff auf ein Messgerät. Das nutzen die Schwandorfer. Beamte werden laut Wagner auch in den kommenden Tagen unterwegs sein und kontrollieren. Ohne Ankündigung, ohne Presse. Nur kontinuierliche Präsenz erziele Nachhaltigkeit.
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