Prominente Hilfe für Bündnis
Roth gegen Mastanlage

Claudia Roth unterstützt den Bürgerentscheid gegen eine geplante Hähnchenmastanlage am Kapflhof, die auf der Fläche im Hintergrund entstehen soll. Bild: Hartl
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Schwandorf
19.07.2016
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Prominentere Hilfe geht fast nicht. Ein Aktionsbündnis kämpft gegen eine geplante Hähnchenmastanlage am Kapflhof. Es erwirkte bereits einen Bürgerentscheid. Nun kam die kampferprobte Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth, um das Engagement zu unterstützen.

Für die Politikerin, die sich am Montag vor Ort am Kapflhof ein Bild machte, ist die Sache eindeutig: "So etwas kann man sich einfach nicht bieten lassen." Dabei zielte sie mit ihrer Aussage vor allem auf den Schwandorfer Stadtrat ab. Im Planungsausschuss hatte eine klare Mehrheit die Ausweisung eines Sondergebietes auf den Weg gebracht. Auf dem Kapflhof ist eine Hähnchenmastanlage vorgesehen, die zwei 200 Meter lange Hallen mit einer Kapazität von 300 000 Tieren umfasst.

"Sehr, sehr hohe" Chancen


Das Aktionsbündnis "Kein Hähnchenmastbetrieb am Kapflhof" um die Schwandorfer Stadträtin Marion Juniec-Möller (Grüne) hat daraufhin ein Bürgerbegehren ins Leben gerufen, das erfolgreich war, und nun einen Bürgerentscheid nach sich zieht. Vor diesem Hintergrund sagte Roth: "Ich glaube, dass die Politiker die mal ratzfatz so eine Sondergenehmigung erteilen, gar nicht so auf dem Stand sind." Die Bürger seien dagegen viel weiter.

Roth schätzt die Chancen, dass der Bürgerentscheid aus Sicht der Grünen positiv verläuft, als "sehr, sehr hoch" ein. Sie verwies dabei auf die breite Unterstützung, die es in Schwandorf gebe. Außerdem gebe es gerade in Bayern ein hohes Bewusstsein dafür, was die Stärken einer bäuerlichen Landwirtschaft und der Wert eines Produkts seien.

Roth, die sich beim Pressetermin auch über den Putsch in der Türkei äußerte (Seite 2 ), erklärte: "Für mich ist das in hohem Maße auch eine ethische Frage." Sie fragte, wo da noch der christliche Glaube sei, wenn es nur noch ums Geld und nicht mehr um die Tiere gehe. Roth warnte zudem, dass eine Anlage, wie sie geplant ist, erhebliche ökologische Auswirkungen habe, es zu einer Mobilitätsbelastung komme ("Es müssen riesige Straßen gebaut werden, damit die Hühner her und wieder weggebracht werden können") und die "Landschaft versaut" werde. Den Mitgliedern des Aktionsbündnisses riet sie bei ihrem Besuch, den niedersächsischen Landwirtschaftsminister Christian Meyer einzuladen, in dessen Bundesland es "unglaubliche Großmastbetriebe" gebe.

Hoch-subventionierte Reste


Die ehemalige Bundesvorsitzende der Grünen kritisierte außerdem den Umgang mit den Überresten, die beispielsweise bei einem solchen Hähnchenmastbetrieb entstehen. Diese würden "hoch-subventioniert und für billigstes Geld" auf die Märkte gebracht - etwa nach Ghana. Das wiederum mache die Landwirtschaft vor Ort kaputt. "Und dann wundern wir uns, dass sich Leute zu uns auf den Weg machen."

BürgerentscheidDer Bürgerentscheid geht am Sonntag, 18. September, über die Bühne. Damit der Hähnchenmastbetrieb am Kapflhof verhindert werden kann, muss eine Mehrheit von mindestens 20 Prozent der wahlberechtigten Gemeindebürger für das Anliegen stimmen. Die Fragestellung lautet: "Sind Sie dafür, dass die Stadt Schwandorf alle Möglichkeiten ergreift, damit auf dem Gebiet Kapflhof keine Geflügelmastanlage errichtet wird, und dass deshalb die damit verbundenen Beschlüsse zur Änderung des Flächennutzungsplans und der Ausweisung eines Sondergebiets aufgehoben werden?" (doz)
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