Prozess am Amtsgericht Schwandorf wegen Körperverletzung
Aus Indien in den Zeugenstand?

Symbolbild: dpa
Vermischtes
Schwandorf
12.10.2016
197
0

Die Sache ist eigentlich eher alltäglich: eine Auseinandersetzung zwischen zwei Männern, die mit Armbruch bei einem der Kontrahenten endet, danach Polizeieinsatz, Ermittlungen und Verfahren durch die Staatsanwaltschaft. Nun aber steht die Justiz vor der Frage: Muss zum Prozess tatsächlich eine Zeugin aus Indien anreisen?

Gesetzlich ist verfügt, dass Zeugen persönlich vor Gericht auszusagen haben. Allerdings gibt es Ausnahmen bei besonderen Umständen. Dann aber müssten alle Prozessbeteiligten einer Verlesung der schriftlich vor Ermittlungsbehörden abgefassten Vernehmung zustimmen. In aller Regel funktioniert eine solche Verfahrensweise, wenn sich größerer Aufwand im Hinblick auf das Erscheinen des Zeugen andeutet. Diesmal nicht. Hintergrund: Vor einer Discothek im Raum Schwandorf stand nachts eine Grillstation. Dort spielte sich zwischen einem Mann, der am Grill arbeitete, und einem 18-Jährigen, der als Gast kam, eine Auseinandersetzung ab. Der 18-Jährige trug einen Armbruch davon und schilderte jetzt vor der Amtsrichterin Petra Froschauer den Ablauf der Dinge völlig anders als der Angeklagte, den man der Körperverletzung beschuldigt.

Auf Frau verlassen


Am Ort des Geschehens hielten sich mehrere Personen auf. Nicht alle von ihnen wurden wohl, wie sich jetzt im Prozess ergab, von den alarmierten Ordnungshütern ermittelt. Womöglich auch schon deswegen: Es gab eine junge Frau, die offenbar genau schilderte, was sich zugetragen hatte. Wie exakt allerdings, blieb für Beobachter der Verhandlung unklar. Denn ihre schriftlich gemachte Aussage blieb unverlesen, weil es der Angeschuldigte nicht wollte.

Das Problem ist nun: Die Zeugin hält sich in Indien auf und wird erst nächstes Jahr in ihre oberpfälzische Heimat zurückkehren. Das erfuhr die Richterin bei einer Rücksprache mit Verwandten. Was also tun? Die Vorsitzende brach den Prozess an dieser Stelle ab, schickte den Fall zurück an die Schwandorfer Polizei und ordnete Nachermittlungen an, bei denen womöglich doch noch Personen gefunden werden, die den Hergang vor der Discothek so schildern können, dass sich ein Urteil bilden lässt.

Es könnte leicht sein, dass diese von Amts wegen gestarteten Nachforschungen im Sand verlaufen. Dann allerdings, so stellte die Richterin in Aussicht, müsste die junge Frau aus Indien anreisen. "Ginge das nicht auch per Skype?", wurde sie postwendend gefragt. Die Vorsitzende verneinte. Eine Befragung übers Internet lasse das Gesetz nicht zu.

Justiz reist nicht


Noch eine Möglichkeit böte sich an. Sie lautet: Richterin, Staatsanwältin, Verteidiger und ein Protokollführer reisen nach Indien, um dort die Zeugin zu befragen. Dies allerdings stünde angesichts des dem Prozess zugrunde liegenden Sachverhalts nicht dafür, befand die Vorsitzende. In Weiden hatte es eine solche Reise vor nahezu zwei Jahren gegeben. Von dort aus waren Richter und Verfahrensbeteiligte nach New York aufgebrochen, um FBI-Beamte und andere Leute zu hören. Allerdings: In dem Verfahren ging es um einen zweistelligen Millionenschaden durch Betrug und, wie sich später zeigte, um elf Jahre Haft für den Angeklagten.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.