Prozess gegen „Schloss-Stecher“

Symbolbild (Foto: dpa)
Vermischtes
Schwandorf
21.09.2016
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Die Diebe kamen aus der böhmisch-mährischen Stadt Vlasim, sie hatten moderne Technik dabei und stahlen Fahrzeuge im Landkreis Schwandorf. Nun sitzen die drei Männer als Angeklagte vor dem Amberger Landgericht. Zumindest zwei von ihnen werden voraussichtlich längere Zeit hinter Gitter wandern.

Amberg/Schwandorf. Die Serie begann kurz vor Weihnachten letzten Jahres, und sie endete in der Nacht zum 5. Januar mit Festnahmen vier Kilometer vor der tschechischen Grenze. Die Polizei lag auf der Lauer. Sie wusste: Im Raum Schwandorf war eine Bande unterwegs, die sich auf den Diebstahl von Autos der Marke VW spezialisiert hatte. Aber auch Motorräder, eine Estrichmaschine und ein Quad waren geklaut worden.

Auf der Anklagebank sitzen nun drei Männer. Zwei von ihnen sind 29 Jahre alt, der dritte 30 Jahre. Nach einem von ihren Verteidigern angeregten sogenannten Rechtsgespräch legten sie umfassende Geständnisse ab. Dafür sicherte die Erste Strafkammer unter Vorsitz von LG-Vizepräsidentin Roswitha Stöber den beiden Haupttätern Freiheitsstrafen zwischen vier und viereinhalb Jahren zu. Ihr Mitangeklagter kann mit einer Bewährungsstrafe zwischen eindreiviertel und zwei Jahren rechnen. Er hatte offenbar nur bei einer der nächtlichen Diebesfahrten seine Finger im Spiel.

Was sich vor und nach Weihnachten vollzog, listete Staatsanwalt Holger Vogl in einer langen Anklageschrift auf. Die Männer brachen erstmals in der Nacht zum 14. Dezember letzten Jahres mit einem in Tschechien geliehenen Wagen auf, machten Beute in Schwandorf und im benachbarten Stadtteil Krondorf. Dort fielen ihnen ein VW Passat und ein Motorrad in die Hände. Am 27. und am 28. Dezember erschienen sie wieder. Dabei kam in Schwandorf ein VW Passat abhanden, wurde in Wackersdorf ein VW Golf geklaut, geriet in Pfreimd ein vierrädriges Quad in die Hände der Tschechen.

Am 5. Januar ging die Serie weiter. In Schwandorf klauten die Diebe ein Motorrad und einen VW Sharan, in Schwarzenfeld wurde ein VW Golf mitgenommen. Auf der Rückfahrt wartete die Polizei und griff zu.

Software zum Start dabei


Wie sich bei den dann anlaufenden Ermittlungen ergab, wurden die erbeuteten Personenwagen, meist im Wert zwischen 1000 und 5000 Euro, durch sogenanntes "Schloss-Stechen" aufgebrochen. Danach trat einer der Angeklagten mit seinem Laptop in Aktion. Darauf hatte der Kfz-Mechaniker die Diagnose-Software für Autos der Marke VW gespeichert und konnte die Fahrzeuge damit starten. Die fahrbare Estrichmaschine, so stellte sich heraus, war bereits im November 2015 in der Stadt Pfreimd entwendet worden. Sie hatte einen Wert von 40 000 Euro. Einige der Fahrzeuge wurden in Tschechien verkauft, andere in Einzelteile zerlegt. Sehr offen schilderten die Männer, wie sie erst Tatorte auskundschafteten und dann die meist an Straßenrändern geparkten Fahrzeuge mitnahmen. Pech für sie: Einer von ihnen sah am Morgen des 5. Januar die Polizei an der Autobahn A6 stehen. Daraufhin sprang er aus seinem geklauten VW Sharan, türmte und wurde dennoch verhaftet. Seine Komplizen waren zu dieser Zeit bereits in Tschechien. Sie kehrten um, fuhren langsam wieder auf deutsches Gebiet und gingen den Fahndern ebenfalls ins Netz. Noch am gleichen Tag kamen sie in U-Haft. Allem Anschein nach war noch ein Vierter an den Touren beteiligt. Seine Identität wollen die jetzt auf der Anklagebank sitzenden Männer nicht preisgeben.

Der Prozess ist vorläufig auf vier Tage angesetzt. Angesichts der umfassend abgelegten Geständnisse könnten aber die Urteile weitaus früher gesprochen werden.
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