Prozess
Mit Unimog und Anhänger auf Einbruchstour

Mit diesem Unimog war der vermeintliche Einbrecher unterwegs, als ihn die Polizei stoppte. Auf dem als gestohlen gemeldeten Anhänger befand sich Beute, die aus einem Einbruch stammte. Bild: hfz
Vermischtes
Schwandorf
06.04.2016
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Er kam bei Schwarzach über die Grenze. Am 9. Juni 2015 um 2.33 Uhr stoppten ihn Oberviechtacher Polizeibeamte und entdeckten da einen Kriminalfall stattlicher Größe. Denn der am Steuer eines Unimogs sitzende Mann (40) soll über drei Jahre hinweg als Einbrecher unterwegs gewesen sein.

Amberg/Schwandorf. Heizöl bei der Baywa nachts um halb drei? Zu dieser Zeit läuft nichts aus der dem Zapfhahn. Eine dumme Ausrede also, die Funkstreifenbeamte von einem Mann hörten, den sie nach einem Zeugenanruf am 9. Juni letzten Jahres kurz vor Schönsee mit einem Unimog gestoppt hatten. An die Zugmaschine war ein Hänger gekoppelt. Er galt als im Kreis Schwandorf gestohlen. Auf der Ladefläche befanden sich Werkzeuge. Sie stammten aus einem kurz zuvor bei Muggenthal verübten Containeraufbruch.

Erstaunte Eigentümer


Der Beifahrer, 22 Jahre alt, kam als mutmaßlicher Mitläufer schon nach kurzer Zeit frei. Doch den 40-jährigen Fahrer behielten die Behörden in Haft. Die Amberger Kripo übernahm den Fall, und sie wusste sehr bald: Der Mann aus einem kleinen Dorf nahe der tschechischen Kleinstadt Stod trieb offenbar einen schwunghaften Handel mit Fahrzeugen, Maschinen und Geräten auf dem Gelände eines ihm gehörenden Sägewerks. Interessant dabei: Männer aus dem Raum Oberviechtach waren dorthin gefahren und hatten auf Diebesgut geblickt, das ihnen gehörte. Das führte zu einer Mitteilung an die Kriminalpolizei. Die gemeinsame Durchsuchungsaktion von Beamten aus Amberg und Fahndern aus Domazlice brachte die Bestätigung: Rings um das Sägewerk standen "Verkaufsangebote" in großer Zahl. Beutestücke, die bei Einbrüchen und Diebstählen zwischen 2012 und 2015 entlang der Grenze abhanden gekommen waren.

17 Delikte wirft Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier nun dem vor der Ersten Strafkammer des Amberger Landgerichts sitzenden Angeklagten vor. Er mag keinerlei Angaben machen und hört sich an, was Zeugen zu sagen haben. In der Anklageschrift stehen auch etliche Diebstähle, die sich im Landkreis Schwandorf zutrugen. In Schönsee kamen in der Nacht zum 1. Februar 2013 aus einem Viehstall ein Hochdruckreiniger und ein Schweißgerät abhanden. In Wildstein bei Teunz verschwand in der Nacht zum 2. Oktober 2013 ein fahrbarer Rasenmäher aus einer Feldscheune. Auch in Oberviechtach wurde Beute gemacht. Ab 4. Oktober 2013 fehlte dort aus einem Stadel ein Holzspalter.

Suizidversuch in Haft


In einer zwischen Weiding und Stadlern stehenden Scheune stieß er am 27. Oktober 2014 auf einen Anhänger. Er nahm auch eine sogenannte Rückezange mit, lud ein Frontkreiselmäher und drei Zapfwellen auf. Die Beute hatte einen Wert von 24 000 Euro. Monate später kam er wieder. Diesmal im Juni 2015 zu einer Feldscheune bei Wildstein. Die Beute dort: Ein Güllefass und eine Förderpumpe. Auf der Verlustliste standen ferner ein im Mai 2015 entwendetes Motorrad und ein Traktor mit Frontlader. Sie wurden aus einem Stadel bei Weiding entwendet.

Kurz nach seiner Festnahme, so wurde zum Prozessauftakt bekannt, wollte sich der 40-Jährige in einer Arrestzelle das Leben nehmen. Seltsamerweise aber drückte er gleichzeitig den Notrufknopf. Der von ihm angerichtete Diebstahlsschaden wird auf rund 220 000 Euro geschätzt. Der Prozess wird heute fortgesetzt.
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