Prozess nach Bombenbau

Symbolbild (Foto: dpa)
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Schwandorf
04.08.2016
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War es tatsächlich ein Mordversuch? Fünf Tage lang wird sich das Amberger Schwurgericht im Oktober mit diese Frage beschäftigen und die Hintergründe um den Bau einer Rohrbombe in Steinberg klären müssen. Auf der Anklagebank sitzt dann ein 68-Jähriger.

Amberg/Schwandorf. Der Vorfall ist spektakulär, es hat bisher keinen vergleichbaren in der Amberger Justizgeschichte gegeben. Nach Monaten der Ermittlungen, Zeugenvernehmungen und des Wartens auf ein Sachverständigengutachten aus dem Landeskriminalamt (LKA) erhob der Leitende Oberstaatsanwalt Joachim Diesch jetzt Anklage wegen versuchten Mordes zum Schwurgericht. Dessen Vorsitzende, Landgerichtsvizepräsidentin Roswitha Stöber, hat zwischenzeitlich das sogenannte Hauptverfahren eröffnet und den Prozessbeginn auf Montag, 10. Oktober, festgesetzt. Ab dann soll fünf Tage lang verhandelt werden.

Glimpflich, zum Glück


Am 14. Januar dieses Jahres war die Polizei spätabends nach Steinberg gerufen worden. Im Obergeschoss eines Hauses, im dem zwei Familien leben, hatte es ein explosionsartiges Geschehen in einem angeheizten Schwedenofen gegeben. Eine Stichflamme schoss heraus, Trümmer und Glassplitter flogen durch das Zimmer. Der Sohn und die Schwiegertochter des Hausbesitzers hielten sich laut Ermittlungen der Anklagebehörde etwa 2,30 Meter entfernt von dem Ofen auf. Sie blieben weitgehend unverletzt. Doch sie hätten, so meint die Staatsanwaltschaft nun, erheblich verletzt oder gar getötet werden können.

Bei ersten Nachforschungen fanden Uniformierte ein Metallrohr. Daraufhin kam die Kripo. Denn ab dann bestand der Verdacht auf ein Vorsatzdelikt, ausgelöst womöglich durch in dem Rohr verdämmten Sprengstoff. Nicht lange darauf wurde ein 68-Jähriger festgenommen und in U-Haft gebracht. Monate später kam ein zweiter Mann hinter Gitter. Er galt für die Behörden als Mittäter. Unterdessen hat er sich in der Justizvollzugsanstalt das Leben genommen.

Wut und Rachsucht?


Was im Vorfeld der Explosion geschah, erfüllt nach Ansicht des Leitenden Oberstaatsanwalts Joachim Diesch den Tatbestand des versuchten Mordes. Der 68-Jährige hatte sich angeblich über Gerüchte geärgert, die über ihn kursierten. Er schrieb sie wohl den Bewohnern des Hauses zu, das später zum Tatort wurde. Im Herbst 2015 soll der Mann von seinem Bekannten, der jetzt nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden kann, ein Rohrstück und eine gewisse Menge Cellulosenitratpulver erhalten haben. Er bastelte laut Anklageschrift aus einem Holzscheit eine Rohrbombe, die gleichsam auch zur Zeitbombe wurde. Denn keiner wusste, wann das Holz zum Verbrennen in den Ofen gelangen würde. Das geschah erst Monate später: Am 14. Januar 2016 gegen 23.40 Uhr im Obergeschoss des Anwesens. Die Staatsanwaltschaft wirft dem mutmaßlichen Täter nun Wut und Rachsucht vor. Er habe ein Exempel statuieren wollen, ist sie überzeugt. Verletzungen oder gar tödliche Folgen habe er billigend in Kauf genommen.

Zu dem Prozess, der am 28. Oktober enden soll, hat das Schwurgericht zahlreiche Zeugen und Sachverständige geladen. Die Anklage vertritt Leitender Oberstaatsanwalt Joachim Diesch. Der Schwandorfer Anwalt Dr. Gunther Haberl verteidigt den Angeklagten. (Seite 3)
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