Prozess nach Übergriff in einem Gartenhaus - Keine Beweise: Freispruch
Sohn folgt dem Vater vor Gericht

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Schwandorf
22.07.2016
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Amberg/Schwandorf. Recht und Gerechtigkeit dürfen keinen Preis haben. Auch dann, wenn es nach erheblichem Ermittlungs- und Prozessaufwand zu einem Freispruch mit Zähneknirschen kommt. Genauer: Das Landgericht hatte keine Beweise gegen einen mutmaßlichen Gewalttäter.

Der mit blutigen Folgen einhergehende Übergriff, geschehen in einem Wackersdorfer Gartenhaus, war schon einmal vor der Ersten Strafkammer erörtert worden. Damals aber mit einem anderen Angeklagten. Vor zwei Jahren saß der Vater (48) des jetzigen Beschuldigten vor den Richtern, nahm zumindest eine Teilschuld auf sich und verließ mit acht Monaten zur Bewährung den Sitzungssaal.

Ermittelt, aber...


Sein Sohn hatte sich nach Serbien abgesetzt. Von daher war er nicht greifbar. Doch heuer im Frühjahr kam der jetzt 26-Jährige nach Deutschland zurück. Nicht lange darauf nahm ihn die Polizei fest und brachte den Mann hinter Gitter. Nun verhandelte die Strafkammer auch gegen ihn. Mit von Beginn an denkbar schlechten Aussichten in Richtung eines Schuldspruchs.

Worum ging es? Der Mann hatte im Mai 2012 zusammen mit seinem Vater, der mit seiner Tätigkeit Behandlungskosten abarbeitete, umfangreiche Renovierungsmaßnahmen an den Liegenschaften eines Schwandorfer Mediziners ausgeführt. Dazu war aus Rumänien ein damals 37-Jähriger angereist, der quasi in den Diensten der als Unternehmer Angemeldeten galt. Der Rumäne, mit den Leuten weitschichtig verwandt, malochte für sechs Euro in der Stunde.

Zeuge nicht verfügbar


Irgendwann streikte er. Über 300 Stundenlöhne standen offen, mit lediglich 1000 Euro hatte man ihn bis dahin abgespeist. Was dann im Juli 2012 geschah, wertete die Staatsanwaltschaft später als einen maßregelnden Feldzug gegen den 37-Jährigen, der seinerzeit in einem Wackersdorfer Gartenhaus untergebracht war. Spätabends fuhren mehrere Männer in einem Transporter vor, drangen gewaltsam in die Behausung ein und schlugen den Rumänen brutal zusammen. Nicht lange danach sagte er vor der Schwandorfer Polizei, zwei der Täter seien sein Arbeitgeber und dessen Sohn gewesen.

Es kam zu gravierenden Ermittlungspannen. Die Staatsanwaltschaft wurde von der Landespolizei nicht verständigt, auch eine Beiziehung der Kripo und die Sicherung möglicher DNA-Spuren unterblieb. Kam hinzu - doch das stellte sich erst jetzt im zweiten Prozess heraus: Eine Lichtbildvorlage der beiden mutmaßlichen Täter entsprach keinen üblichen Normen. Ihm waren nur die Fotos der beiden Amtsbekannten gezeigt worden. Es hätten aber auch andere Konterfeis dabei sein müssen. Interessant allerdings: Als man ihm die Bilder vorhielt, nickte der Rumäne zustimmend. Doch auch das konnte nicht als Beweis verwertet werden.

Zwei Tage später war der Rumäne in sein Heimatland abgereist. Er kam seither nie wieder. Auch jetzt, als man ihn erneut dringend als Belastungszeugen gebraucht hätte, blieb er in Bukarest. "Unsere Möglichkeiten reichen eben nur bis an die deutschen Grenzen", bedauerte die Kammervorsitzende Roswitha Stöber.

Der 26-Jährige, zweifacher Vater und zweifach geschieden, erzählte in perfektem Deutsch nur seinen Lebenslauf. Dann aber, als es um den gewaltsamen Übergriff in dem Gartenhaus ging, schwieg er. Die Kammer hätte ihm eine Beteiligung nachweisen müssen. Doch sie konnte es nicht.

Nicht verwertbar


Allein schon von daher, weil seine vor der Polizei gemachte Anschuldigung im Hinblick auf den jetzigen Angeklagten und auch gegen dessen 48-jährigen Vater nach der Strafprozessordnung nicht verwertet werden konnte. Darin hatte der Rumäne die beiden Männer als Täter identifiziert. Aber er hätte - so will es deutsches Gesetz - vor Gericht seine Angaben wiederholen müssen.

Was blieb, war Zähneknirschen und ein Freispruch. Sehr zur Freude des fröhlich und erheitert den Gerichtssaal verlassenden Beschuldigten geschah das.
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