Prozessauftakt am Landgericht
Mutmaßlicher Vergewaltiger schweigt

Vermischtes
Schwandorf
22.06.2016
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Amberg/Schwandorf. Sie wollte nach eigenen Angaben "nett sein" und einem Fremden den Weg zum Schwandorfer Marktplatz zeigen. Am Rand des Stadtparks soll er die 21-Jährige jedoch in ein Gebüsch gezogen und ein Sexualverbrechen an ihr begangen haben.

Landespolizei und Kripo ermittelten zunächst erfolglos nach dem Täter. Doch als das Opfer Monate nach dem Verbrechen nach Regensburg fuhr, kam es zu einer überraschenden Begegnung am Bahnhof: Die junge Frau erkannte ihren Peiniger wieder, holte Bundespolizeibeamte und sorgte so dafür, dass der Mann festgenommen wurde. Jetzt sitzt der 39-Jährige vor der Ersten Strafkammer des Amberger Landgerichts. Auf Anraten seines Verteidigers Dominic Kriegel (Weiden) schweigt er bisher. Doch der verheiratete Mann hatte im Verlauf erster Ermittlungen einen anderen Anwalt. Von dem gibt es eine schriftliche Erklärung, die den Richtern offenbar schon vor längerer Zeit zuging.

Darin gibt er zumindest eine Teilschuld zu. Er ließ aber über den Juristen betonen, dass die Geschehnisse irgendwie mit Zustimmung der jungen Frau vonstatten gingen. Sie soll angeblich auch einen eher minimalen Geldbetrag von ihm verlangt haben und später mit dem Mann zu einer Bank gegangen sein, wo er Bares abheben sollte. Doch der Automat gab angeblich nichts aus, weil sich auf dem Konto nichts befand. Die 21-Jährige aus Schwandorf wurde nahezu zwei Stunden lang von der Strafkammer vernommen. Dabei offenbarte sich: Sie wurde am 15. Juni letzten Jahres am Busbahnhof der Großen Kreisstadt von einem ihr völlig fremden Mann angesprochen und nach dem Weg zum Marktplatz gefragt. "Ich wollte nett sein", erzählte die Frau und schilderte dann, was weiter geschah.

Ins Gebüsch gezogen


Der Weg, den beide einschlugen, führte an der Feuerwache vorbei und direkt weiter zur Naabuferstraße. "Dort hat er mich in ein Gebüsch gezogen", hörten die Richter. "Und was geschah anschließend?", fragte die Vorsitzende Roswitha Stöber. An ihr, so erfuhr sie vom Opfer, seien sexuelle Handlungen durch einen Griff in die Hose vorgenommen worden. Sie kamen dem Gesetz nach einer Vergewaltigung gleich. "Obwohl es", wie die Richterin später in einem grundsätzlichen Sachvortrag für alle Prozessteilnehmer erklärte, "nicht das war, was sich der Bürger unter einer Vergewaltigung vorstellt."

Die 21-Jährige wurde gefragt, ob sie denn freiwillig mit in das an die Naab und den Stadtpark grenzende Gebüsch gegangen sei, ob sie womöglich mitgemacht und Geld verlangt habe? Sie verneinte das entschieden. Nach ihren Angaben leidet sie bis heute unter den Folgen des sexuellen Übergriffs. Deutlich wurde bei der Befragung auch, dass die 21-Jährige drogenabhängig ist und von daher regelmäßig zu einem Mediziner nach Regensburg fährt, wo sie sogenannte Substitutionsmittel bekommt.

Fortsetzung am Mittwoch


Der Angeklagte muss täglich aus dem Landkreis Schwandorf nach Regensburg zur Arbeit und nutzt dazu den Zug. So kam es dann, dass ihn die junge Schwandorferin im Oktober letzten Jahres vom Zugabteil aus auf dem Bahnhof erkannte. Doch er verschwand aus ihrem Blickfeld. Eine Woche später sah sie den Mann wieder auf dem Regensburger Bahnhof. Kurz später klickten die Handschellen. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.
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