Reinheitsgebot wird 500 Jahre alt
Enzyme mit Lieblingstemperatur

Braumeister Eric Kulzer gewährte einen Einblick in die Arbeit bei der Brauerei Naabeck.
Vermischtes
Schwandorf
23.03.2016
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Einst lagerte der Gerstensaft in den Schwandorfer Felsenkellern. Heutzutage nimmt der Braumeister einen Laptop mit nach Hause, wenn er Bereitschaft hat. 500 Jahre Reinheitsgebot sind Grund genug, den Blick auf die Bierstadt Schwandorf zu richten.

Seit 1620 gibt es die Schlossbrauerei Naabeck - ihr großes Jubiläum steht also in vier Jahren an. "Wir sind stolz, dass wir zu der Gruppe gehören, die nach wie vor nach dem Reinheitsgebot braut", sagt Braumeister Eric Kulzer (42).

Wie viel Naabeck produziert, will Kulzer nicht verraten - Betriebsgeheimnis. Nur so viel: "Was Heineken in 20 Minuten herstellt, schaffen wir in einem Jahr." Man kann das Schwandorfer Unternehmen getrost als mittelständische Brauerei bezeichnen. 13 Brauer arbeiten dort.

Es kommt auf Nuancen an

Das ReinheitsgebotDas vom Herzog Wilhelm IV. im April 1516 erlassene Reinheitsgebot für Bier hat folgenden Wortlaut:

"Wie das Bier im Sommer und Winter auf dem Land ausgeschenkt und gebraut werden soll: Wir verordnen, setzen und wollen mit dem Rat unserer Landschaft, dass forthin überall im Fürstentum Bayern sowohl auf dem lande wie auch in unseren Städten und Märkten, die kein besondere Ordnung dafür haben, von Michaeli bis Georgi ein Maß (bayerische = 1,069 Liter) oder ein Kopf (halbkugelförmiges Geschirr für Flüssigkeiten = nicht ganz eine Maß) Bier für nicht mehr als einen Pfennig Münchener Währung und von Georgi bis Michaeli die Maß für nicht mehr als zwei Pfennig derselben Währung, der Kopf für nicht mehr als drei Heller (Heller = gewöhnlich ein halber Pfennig) bei Androhung unten angeführter Strafe gegeben und ausgeschenkt werden soll. Wo aber einer nicht Märzen-, sondern anderes Bier brauen oder sonstwie haben würde, soll er es keineswegs höher als um einen Pfennig die Maß ausschenken und verkaufen. Ganz besonders wollen wir, dass forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen."

Weiter heißt es: "Wer diese unsere Anordnung wissentlich übertritt und nicht einhält, dem soll von seiner Gerichtsobrigkeit zur Strafe dieses Fass Bier, so oft es vorkommt, unnachsichtlich weggenommen werden. Wo jedoch ein Gauwirt von einem Bierbräu in unseren Städten, Märkten oder auf dem Lande einen, zwei oder drei Eimer (= enthält 60 Maß) Bier kauft und wieder ausschenkt an das gemeine Bauernvolk, soll ihm allein und sonst niemandem erlaubt und unverboten sein, die Maß oder den Kopf Bier um einen Heller teurer als oben vorgeschrieben ist, zu geben und auszuschenken." (Quelle: www.brauer-bund.de) (doz)


Kulzer, seit sieben Jahren bei Naabeck, verbindet Tradition und Moderne. Einerseits nutzt er im Betrieb viel Technik. Unter anderem einen Laptop, um von zu Hause aus einzugreifen, wenn etwas ausfällt. Andererseits liebt der 42-Jährige seine alte Trockenschrotmühle: "Der Techniker sagt immer, dass es nur noch zwei davon gebe; eine bei uns und eine im Museum." Eintauschen würde er das Modell nicht, da es super laufe.

Bei der Bierherstellung kommt es auf Nuancen an. Jedes Enzym hat laut Kulzer eine Lieblingstemperatur. Deshalb sind verschiedene Temperatur-Schritte notwendig. Die Maische wird auf 62 bis 72 Grad aufgeheizt. Je wärmer allerdings das Bier, desto schlechter für die Hefe - letztlich handelt es sich bei Hefe um Kleinstlebewesen. Die Gärung braucht eine Woche, das Bier muss vier bis sechs Wochen gelagert werden. Schließlich, dass wissen alle, die schon mal im Kino waren, wird reinstes Felsquellwasser verwendet. Alles in allem: Brauen ist eine Wissenschaft für sich.

Bierlager und Konzertstätte


Und hat eine lange Tradition. Davon zeugen die berühmten Felsenkeller. Dort lagerte einst Bier. Dort herrschten für den Gärprozess optimale Temperaturen. Die Entstehung der Keller wird etwa auf das Jahr 1500 geschätzt. Heute gibt es an dem Ort zahlreiche Führungen, die detailliert auf die Geschichte eingehen. Außerdem finden dort beeindruckende Konzerte statt. Die außergewöhnliche Kulisse zieht viele Musiker an.



Wir sind stolz, dass wir zu der Gruppe gehören, die nach wie vor nach dem Reinheitsgebot braut.Braumeister Eric Kulzer


Termine und Touren500 Jahre Reinheitsgebot

22. bis 24. Juli: Im Brauereihof Fuchsberg wird neben 500 Jahren auch 250 Jahre Jakobikirche, 30 Jahre Sudhaus und Einweihung der neuen Füllerei gefeiert

Von Ende April bis Mitte Mai wird der weltgrößte Bierkrug, der ganzjährig in Lukahammer bei Oberviechtach steht, bei der Landesausstellung "Bier in Bayern" ausgestellt.

Sehenswürdigkeiten

Schwandorfer Felsenkeller: Sie sind Bayerns größtes Felsenkeller-Labyrinth und teils bis zu 500 Jahre alt, wurden zur Gärung und Lagerung von Bier errichtet. Es gibt regelmäßig Führungen.

Größter Bierkrug der Welt, Lukahammer, Oberviechtach: 2001/2002 ehrenamtlich von der Dorfgemeinschaft Eigelsberg gefertigter Holz-Maßkrug. Mit 3,80 Meter Höhe und einem Fassungsvermögen von 4718 Litern ist diese Sehenswürdigkeit auch im Guinness-Buch der Rekorde zu finden.

Sage von den Bierpanschern auf der Burg Stockenfels: Auf dieser sagenumwobenen Burg müssen der Legende nach all die Bierpanscher durch harte Arbeit büßen, was sie zu Lebzeiten verschuldet haben. Jährlicher Spielort des dritten Aktes der Geisterwanderung

Touren

Goldene Bier-Wanderung: Wanderpauschale; Wandern ohne Gepäck auf den Qualitätswegen Goldsteig und Nurtschweg, sowie auf dem Jakobsweg und Venezianersteig. Rund ums Oberviechtacher Land führt diese Rundtour und bietet neben kulturellen und landschaftlichen Höhepunkten an den drei Wander-Tagen auch die Gelegenheit, drei verschiedene regionale Biere zu probieren.

Radeln auf der Biertour: Mittelalterliche Städtchen, herrliche Flussradwege und Biergärten der Oberpfalz bietet diese zweitägige Rundtour zwischen Burglengenfeld, Schwandorf, Neunburg und Bodenwöhr.

Radeln auf der kultigen Biertour: viertägige Rundtour für Genießer - quer durch die idyllischen Flusstäler von Naab, Pfreimd, Schwarzach und Murach. Für kulinarische Höhepunkte sorgen die regionaltypischen Menüs der Halbpension.

Kleine Bierwanderung: Diese Tour führt auf zwölf Kilometer von Wiefelsdorf über Büchelkühn nach Naabeck und wieder zurück nach Wiefelsdorf. Auf der Strecke gibt es verschiedene Biergärten und Gasthöfe, die zur Einkehr einladen.

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