Rohe Gewalt an der Partnerin

Vermischtes
Schwandorf
12.08.2016
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Die Frau wollte im Beisein ihres Ex-Freundes nicht aussagen. Als man ihn hinaus schickte, wurde rasch deutlich: Sie hatte ein Martyrium durchgemacht, war geschlagen und getreten worden. Ein Fall von besonders brutaler häuslicher Gewalt landete vor Gericht.

Drei Verhandlungstage und ein erst 23 Jahre alter Angeklagter, der alles herab spielte und verharmloste: Es ging um ein geplatztes Geschäft mit Ecstasy-Tabletten, um Beleidigungen und gewaltsame Übergriffe auf eine Frau, die in Schwandorf zum Spielball blindwütiger Aggressionen wurde.

Neun Anklagepunkte hatte Staatsanwalt Oliver Wagner aufgelistet. Als sie beim Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Ewald Ebensperger verhandelt wurden, musste der Angeklagte zumindest teilweise aus dem Sitzungssaal verwiesen werden - eine ungewöhnliche Maßnahme. Doch sie ist vom Gesetzgeber her dann gestattet, wenn jemand als Zeuge Angst hat vor dem Beschuldigten und mit diesem auch keinerlei Kontakt wünscht.

Immer "Speed" da


Das traf auf die 27-Jährige zu, die heute nicht mehr in Schwandorf lebt und nach ihren Schilderungen in der später abgebrochenen häuslichen Gemeinschaft mit ihrem damaligen Freund schlimme Stunden durchmachte.

Im Beisein ihrer Anwältin gab die junge Frau zu, dass sowohl sie als auch ihr seinerzeitiger Freund Drogen konsumierten. "Drei Gramm Crystal Speed in der Woche", wie das Schöffengericht erfuhr und weiter hörte, dass "eigentlich immer zwischen zehn und fünfzig Gramm in der Wohnung waren." Teilweise zum Eigenverbrauch gedacht, zu einem überwiegenden Teil aber auch zum Weiterverkauf, wie die 27-Jährige wissen ließ.

In jähem Zorn wurde der mehrfach vorbestrafte und dafür auch schon hinter Gitter gebrachte 23-Jährige aggressiv. Er rastete aus, traktierte seine Freundin auf übelste Weise. Die Frau bekam Schläge, sie wurde getreten. Einer der Hiebe brach ihr das Nasenbein an zwei Stellen. "Ich traue ihm alles zu", unterstrich die Zeugin und berichtete von Schmerzen, die sich über Monate hinzogen.

Sie schilderte ferner eine akute Bedrohungssituation vor dem Prozess. Doch diese angeblich vom Beschuldigten veranlasste Lage konnte später nicht stichhaltig nachgewiesen werden, da sie wohl nicht von ihm selbst, sondern von anderen Personen per SMS übermittelt worden war. Das Schöffengericht verhängte drei Jahre und vier Monate Haft. In diesem Urteil enthalten war eine längere Freiheitsstrafe, die der junge Schwandorfer wegen eines Körperverletzungsdelikts in Regensburg erhalten hatte. Die Richter schickten den 23-Jährigen außerdem in eine längerfristige Drogenentzugsmaßnahme. Dafür hatte sich im Verlauf des Prozesses der Amberger Landgerichtsarzt Dr. Reiner Miedel ausgesprochen.

In einem Schutzprogramm


Die Ex-Lebensgefährtin des Mannes lebt heute an einem anderen Ort im Bundesgebiet. Sie musste ihre Wohnanschrift vor Gericht nicht nennen. Ihre Ärzte hatten attestiert: "Sie ist schwer traumatisiert und würde bei einer Begegnung mit dem Angeklagten weitere Rückschläge erleiden." Dieses Risiko wollte das Schöffengericht per Zeugenschutzprogramm ganz bewusst vermeiden. Es schloss den 23-Jährigen während der Vernehmungsdauer aus und gab ihm einen Justizbeamten zur Bewachung mit.
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