Sägewerk als Umschlagplatz für Diebesgut

Vermischtes
Schwandorf
08.04.2016
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Er trägt Handschellen und kurze Hosen. Zu den ihm vorgeworfenen nächtlichen Diebestouren mag der Mann aus Tschechien nichts sagen. Seine Strategie: Man soll ihm nachweisen, dass er drei Jahre lang über die Grenze kam und gestohlene Fahrzeuge in seine Heimat transportierte.

Amberg/Schwandorf. Die Erste Strafkammer des Landgerichts Amberg hat sich auf einen längeren prozessualen Weg begeben. Sie muss etliche Zeugen vernehmen und sie befragen, was denn im Rahmen von Diebstählen und Einbrüchen bei ihnen genau abhanden kam. 17 solcher Vorfälle stehen zur Debatte (wir berichteten). Die meisten davon geschahen in den Landkreisen Schwandorf und Cham. Dabei ist die Staatsanwaltschaft überzeugt davon, dass es sich nur um einen Bruchteil dessen handelt, was tatsächlich zwischen 2012 und 2015 in der Oberpfalz und im niederbayerischen Raum geschah.

Von Eigentümer erkannt


Einiges deutet darauf hin, dass der 40-Jährige aus dem Dorf Lisov, ein Ort nahe der tschechischen Kleinstadt Stod, federführend an den mutmaßlich über Schleichwege herüber auf deutsches Territorium führenden kriminellen Beschaffungstouren beteiligt war. Unweit von Schönsee (Kreis Schwandorf) hatte man ihn im Sommer letzten Jahres festgenommen. Der an seinen im Kreis Regen gestohlenen Unimog gekuppelte Hänger war ebenfalls geklaut. Er stammte aus dem Raum Oberviechtach. Später wurde im grenznahen Bereich ein VW-Bus gefunden. In ihm lag Diebesgut. Das Fahrzeug war auf den jetzigen Angeklagten zugelassen.

Fest steht: Auf dem Gelände eines dem 40-Jährigen in Lisov gehörenden Sägewerks standen zahlreiche Fahrzeuge, Maschinen und Geräte, als deutsche und tschechische Kripofahnder zur Durchsuchung anrückten. Sie stammten aus Diebstählen, hatten keine Identifikationsnummern mehr, waren teilweise umlackiert. So wie der Dampfstrahler eines Bauern aus Schönsee. Ihm war aus seinem Stall auch ein Schweißgerät abhanden gekommen. Das aber tauchte, wie der Mann am zweiten Prozesstag schilderte, nie mehr auf.

30 Kilometer weiter östlich ging es beim Einbruch in eine Lagerhalle heftig zu. Der Täter verschaffte sich über verriegelte Fenster Zugang, startete einen Radlader und durchbrach mit ihm das Hallentor. "Ein Bild der Verwüstung", sagte nun der Geschädigte als Zeuge und erzählte den Richtern, dass er sein 20 000 Euro kostendes Fahrzeug später wieder erhielt. Umlackiert und in reparaturbedürftigem Zustand. Auch der Radlader wurde bei der grenzübergreifenden Polizeiaktion in Lisov gefunden. Die Fahrgestellnummer war abgeschliffen worden.

Nur Anwalt beteiligt sich


Der tschechische Sägewerksbesitzer hört sich das alles an und schweigt. Ihn interessiert auch nicht, wenn sich Richter und alle anderen Prozessbeteiligten Bilder aus Lisov und andere Unterlagen ansehen. Für ihn nimmt sein Anwalt Dr. Jan Bockemühl (Regensburg) an den Besichtigungen teil. Der Prozess wird fortgesetzt. Gewiss ist bisher allerdings eines: Die Ermittlungsbehörden dies- und jenseits der Grenze arbeiteten im engen Schulterschluss zusammen. Vor der Strafkammer schilderte ein Amberger Kripofahnder, dass es da keinerlei Probleme gab, als sich im Juni 2015 verdeutlichte, dass in Lisov offenbar ein schwunghafter Handel mit Diebesgut stattfand.
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