"Schatzi-Mausi" muss blechen

Vermischtes
Schwandorf
22.02.2016
64
0

Es ging zu wie auf dem Basar in Istanbul. Türkische und deutsche Wortfetzen schwirrten durch den Sitzungssaal. Bis die Richterin in breiter oberpfälzischer Mundart befahl: "Etz is a Rouh!" Erst dann verstummten die sich heftig anfeindenden Kontrahenten.

(hwo) "Immer bin ich schuld", barmte der als Beschuldigter vor die Justiz zitierte Mann vom Bosporus. "Weil ich eben Türke bin", schickte er hinterher. Doch die Amtsrichterin Petra Froschauer verwies solche Argumente in den Bereich der Fabel. "Hier gilt", klärte sie den 45-Jährigen auf, "was die Beweisführung erbringt."

Der Lagerarbeiter wohnt in Regensburg. Seit Jahren kennt er eine Frau aus Schwandorf. Dabei gilt offenbar: Liebe und Hiebe wechseln sich in dieser Beziehung ab. Eine seltsame Freundschaft, die schon einmal dazu geführt hatte, dass die eben aus einem Bus in Regensburg aussteigende 41-Jährige samt ihrem damaligen Begleiter unversehens heftige Schläge von dem wartenden Türken erhielt.

Frau reißt sich los


Während dieser Vorgang längst bei den Akten ruht, musste nun eine erneute Begebenheit verhandelt werden. Die Schwandorferin hatte ihren Galan per Telefonanruf zu sich bestellt. Der Mann kam dann auch, nachdem er vorher noch als "Schatzi-Mausi" zum Besuch ermutigt worden war. Also erschien "Schatzi-Mausi" an einem Augustabend letzten Jahres. Angespornt zur Visite hatte ihn zusätzlich auch noch eine per Handy abgesetzte SMS. Darin wurde verdeutlicht: "Ich liebe dich so sehr. Bussi!"

Nach Schwandorf angereist, musste der Türke jäh von einer vermeintlich bevorstehenden amourösen Nacht Abschied nehmen. Denn seine Angebetete war nicht da. Also wartete er in der Nähe des Wendelinplatzes und sah sie spätabends mit zwei anderen Männern auf der Wackersdorfer Straße flanieren. Da schwollen ihm die Zornesadern. "Schlampe", entfuhr es dem 45-Jährigen. Er eilte herbei, griff die Frau an den Handgelenken, wollte sie mit sich ziehen.

Das war's dann. Die 41-Jährige riss sich los und wurde erst später gewahr, dass der Zugriff eine Art Hämatom am Unterarm hinterlassen hatte. Also erstattete sie Anzeige. Die Polizei ermittelte wegen Beleidigung und Körperverletzung. Doch irgendwie kam es später trotzdem wieder zur Versöhnung von "Schatzi-Mausi" und der Dame.

Im Gerichtssaal wurde nun das zwischenzeitlich von Tisch und Bett getrennte Paar recht laustark im Austausch von Argumenten. "Du geben mir meine Sachen zurück", radebrechte der Türke. "Ich habe nichts zurück zu geben", hörte er von seiner Ex-Geliebten. Außer vielleicht einem ihr überreichten Gürtel und einem Ring Wurst, der seinerzeit im Abfalleimer gelandet sei. Nach ein paar Minuten war Schluss der Debatte. Die Richterin gebot sofortige Einstellung des babylonischen Stimmengewirrs und hörte danach den Strafantrag von Staatsanwältin Daniela Spies. Sie hielt eine Körperverletzung samt Beleidigung nach sehr klaren Zeugenangaben für erwiesen, wollte zwei Monate mit Bewährung für den etliche Male vorgeahndeten Türken und verlangte außerdem 300 Euro Geldauflage. Die Richterin zeigte Milde und verhängte lediglich eine Ahndung von 450 Euro.

Bereits einmal in Haft


Keine Haft also. Die kannte der 45-Jährige bereits aus der Vergangenheit. Doch das glimpfliche Davonkommen wollte er so nicht stehen lassen. "Schatzi-Mausi" mochte nicht gehen und verlangte, dass man ihm eine schriftlich überreichte Belehrung im Hinblick auf die Berufungsinstanz schleunigst übersetze. "Mache ich nicht", sagte die Richterin. "Sie verstehen schon seit 1997 gut die deutsche Sprache."
Weitere Beiträge zu den Themen: Gericht (561)Körperverletzung (88)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.