Schwandorfer Bahnhof erstrahlt vor 120 Jahren im hellen Licht der neuen Elektrolampen

Der Schwandorfer Bahnhof wurde am 12. Dezember 1859 von der AG der Bayerischen Ostbahnen mit der Eröffnung der Bahnstrecke Nürnberg-Schwandorf-Regensburg in Betrieb genommen. Am 1. Januar 1896 um Mitternacht erstrahlte der Bahnhof zum ersten Mal im hellen Licht der neuen Elektrolampen. Bild: hfz
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Schwandorf
02.01.2016
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Das Gebäude des E-Werks in Schwandorf-Ettmannsdorf mit Einlauf. Bild: Wickles
 
Der Münchner Oskar von Miller (1855 bis 1934) wurde als Wasserkraftpionier und Begründer des Deutschen Museums bekannt. Bild: Wickles

Der Schwandorfer Bahnhof erstrahlte bereits vor 120 Jahren im hellen Licht der neuen Elektrolampen. Man war froh, dass man die aufwendigen Petroleumlampen nicht mehr benötigte. Verantwortlich für den Fortschritt war ein Technikgenie.

Die königlich bayerische Staatsbahn beanstandete im ausgehenden 19. Jahrhundert, dass der große Schwandorfer Bahnhof ohne ausreichende Beleuchtung sei. Oskar von Miller wurde damit beauftragt, nach einer Lösung zu suchen. Durch den Kauf zweier Mühlen, der Hahn- und der Schwarzmühle in Ettmannsdorf, und die Zusicherung über einen Konzessionvertrag mit der Stadt Schwandorf und dazu einen Stromlieferungsvertrag mit der bayerischen Staatsbahn waren die Voraussetzungen für den Baubeginn geschaffen.

Am 14. Januar 1895 wurde das E-Werk Schwandorf gegründet. Die Investoren waren die Fa. AEG in Berlin, die Bayerische Vereinsbank München und selbst Oskar von Miller beteiligte sich mit etwa zehn Prozent an den Baukosten. Der erste Betriebsleiter war Emanuel Schweiger aus Schwandorf.

Oskar von Miller ließ in Schwandorf an der Ettmannsdorfer Straße 40 ein Kohlekraftwerk mit einer Leistung von 100 Kilowatt und einer Spannung von 2100 Volt errichten. Vier Jahre später wurde das Kraftwerk mit einer baugleichen Anlage erweitert. Die Dampfzentrale bestand nun aus zwei Steinmüller-Kesselanlagen mit je 123 Kubikmeter Heizfläche: Die MAN-Dampfmaschinen trieben zwei Generatoren der Fa. AEG mit je 100 Kilowatt. Die Kohle hierfür wurde aus der Böhmen angeliefert die Tonne zu 22 Pfennig, es kam auch Kohle aus der Matthias Zeche zur Verbrennung. Der Probebetrieb wurde im Dezember 1895 aufgenommen.

Stichtag 1. Januar 1896


Am 1. Januar 1896 um Mitternacht erfolgte der gesicherte Betrieb, es erstrahlte der Bahnhof Schwandorf im hellen Licht und die Presse war voll des Lobes über diese neue Errungenschaft. Man war froh, dass man die aufwendigen Petroleumlampen nicht mehr benötigte. Dieses Kohlekraftwerk wurde bis zum 4. Mai 1928 betrieben und anschließend stillgelegt.

Die im Schwandorfer Ortsteil Ettmannsdorf erworbene Hahn'sche Kunstmühle wurde umgebaut und ab dem 1. April 1896 nur noch zur Stromerzeugung genutzt. Die beiden hier eingebauten Jonvalturbinen trieben über einen Lederriemen einen Wechselstromgenerator mit einer Leistung von 100 Kilowatt und einer Spannung von 2100 Volt. 1910 wurde die Anlage mit einer dritten Turbine und einen zusätzlichen Generator erweitert. Nun war es möglich 200 Kilowatt Wechselstrom zu erzeugen. Im Jahr 1913 wurde nach baulichen Veränderungen ein Notdiesel zur Stromversorgung, für die Behinderung durch Eis oder bei Niedrigwasser installiert. Der riesige Notdieselblock wurde mit Hilfe von Druckluft gestartet. In der kalten Jahreszeit musste dieser aufgrund seiner enormen Masse vorgewärmt werden. Der Dieselmotor hierzu war vermutlich ein Produkt der Fa. Lanz, der Generator ein Erzeugnis der Fa. Sachsenwerk; er hatte eine Leistung von 220 Kilowatt.

Nachdem das E-Werk einen Anschluss an die OBAG erhalten hatte, wurde die Notdiesel-Anlage im Jahr 1923 nach Siebenbürgen in Rumänien verkauft. Mit dem Ausbau Mitte der zwanziger Jahre kamen zwei Francis-Turbinen zum Einsatz mit je 202 PS und dazu ein Drehstromgenerator mit einer Leistung von 300 Kilowatt bei einer Spannung von 6,3 Kilovolt.

Der Zahnkranz mit dem die Kraft übertragen wurde hatte einen Durchmesser von rund 2,5 Meter. Bestückt waren die 125 Reihen mit je fünf Zähnen in einer Reihe, diese wurden in einer Schwalbenschwanzführung eingebracht und miteinander verschraubt. Diese Kammräder aus Weißbuchenholz mussten alle acht Tage, mit einem Gemisch aus Bienenwachs, Graphit, Öl und Talg geschmiert werden.

1954 wurde ein neuer Notdiesel installiert mit einer Leistung von 260 Kilowatt (zur Deckung der Spitzenlast-Mittagsspitze). 1959 ist der geschätzte Wert der Wasserkraftanlage ohne Einbauten ca. 900 000 DM. Im Jahr 1963 wurde das Stauwehr saniert, die Kosten hierfür betrugen 193 323 DM.

Mitte 1980 wurden zwei neue Notdieselaggregate mit einer Leistung von je 1000 Kilowatt eingebaut, dazu zwei kellergeschweißte Tanks, mit zusammen 50 000Liter Dieseltreibstoff zur Versorgung der Motoren. Diese Dieselaggregate mit je einem 16 Zylinder V-Motor liefen bis zur Übernahme des Energieversorgers Eon. Danach wurden diese an einen privaten Betreiber verpachtet. Nach einem technischen Defekt wurden diese ausgebaut. Der defekte Motor wurde verschrottet, der andere fand in einem Museum ein neues Zuhause.

Der dritte Ausbau erfolgte 1990/91. Die beiden Francis-Turbinen wurden dabei generalüberholt und mit einer elektro-hydraulischen Drehzahlregelung ausgerüstet. Zwei Stirnradgetriebe mit vertikalen Wellen treiben zwei Asynchrongeneratoren von je 200 Kilovoltampere mit 400 Volt bei 750 Umdrehungen pro Minute an. Die Gesamtleistung entspricht nun 320 Kilowatt. Ab diesem Zeitpunkt können jährlich 2,1 Millionen Kilowatt erzeugt werden. (Hintergrund)

Elektropionier Oskar von Miller

Schwandorf. Elektrifizierung war seine Lebensaufgabe, seine Kompetenz unantastbar: Oskar von Miller, Ingenieur und Techniker, war es, der in Schwandorf die Kraftwerks-Tradition verankert hat. 1895 ersteigerte er im heutigen Schwandorfer Stadtteil Ettmannsdorf das Hammerwerk und richtete dort das allererste Braunkohlekraftwerk als Elektrizitätswerk ein. Da in Schwandorf eine Versorgung mit Stadtgas fehlte, konnte er hier auch einen weltweit bedeutenden Versuch starten - ab März 1927 begannen wagemutige Hausfrauen einen Großversuch im elektrischen Kochen. Schwandorf war auch die erste Stadt in der Oberpfalz, die mit seiner Hilfe mit Strom versorgt wurde.

Auf sein Konto geht überdies das Projekt "Bayernwerk", unter dessen Regie 1929 das Dampfkraftwerk Schwandorf an der Naab gebaut wurde. Das Dampfkraftwerk war eines von zahlreichen Projekten, die von Millers Träume einer umfassenden Elektrifizierung realisieren sollten. "Die Kraftquellen des Landes in rationellster Weise aufzunehmen und zusammenzufassen", war sein Ziel. Der Beschluss zum Bau des Kraftwerks fiel 1928, ein Jahr später war Grundsteinlegung unter Regie von Landesbaurat Dr. Menge. Ungewöhnlich rasch wurde das Kraftwerk mit Hilfe von insgesamt 236 Unternehmen bis März 1930 fertiggestellt.

Seit 1991 trägt das Berufliche Schulzentrum Schwandorf den Beinamen "Oskar-von-Miller-Schule"
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