Sexualstraftäter muss lange hinter Gitter

Vermischtes
Schwandorf
30.03.2016
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Der Mann aus Schwandorf ging heimtückisch vor. Er suchte Damenbekanntschaften, versetzte die Frauen mit einem Beruhigungsmittel in den Tiefschlaf und missbrauchte sie sexuell. Jetzt steht in letzter Instanz fest: Er muss als Quittung dafür eine knapp neun Jahre lange Haftstrafe verbüßen.

Amberg/Schwandorf. Der Fall beschäftigte Ermittlungsbehörden und Justiz über drei Jahre lang. Als die Sexualverbrechen 2012 aktenkundig wurden, gelangten sie auf den Tisch der Staatsanwältin Michaela Frauendorfer. Sie schrieb später eine Anklage zum Landgericht Amberg und saß selbst mit im Sitzungssaal, als im Frühjahr 2014 vor einer Strafkammer der Prozess gegen den heute 36-jährigen Schwandorfer begann.

Über mehrere Tage hinweg wurde verhandelt (wir berichteten). Dabei ging es um Frauen, die offenbar mit hohen Dosierungen des Beruhigungsmittels Diazepam in einen der Bewusstlosigkeit gleichenden Schlaf versetzt und dann missbraucht wurden. Dazu gab es auch Videos, aufgenommen vom Täter mit seinem Handy. Sie zeigten eine männliche Hand, die über entkleidete Körper strichen, sie betasteten und begrapschten. Ganz offenkundig waren die Opfer willenlos.

Milde in erster Instanz


Die Richter kamen zu der Auffassung, dass durch die Anwendung des Beruhigungsmittels zwar gefährliche Körperverletzungen vorlagen. Sie hielten aber die damit offenbar einhergehenden sexuellen Missbrauchshandlungen für letztlich nicht nachweisbar. Deshalb kam der Schwandorfer in dieser Instanz mit drei Jahren Haft davon.

Das zog eine Revisionsschrift der ermittelnden Staatsanwältin zum Bundesgerichtshof (BGH) nach sich. Auch der Verurteilte ging in die Revision. Während sein Einspruch als unbegründet zurückgewiesen wurde, stellten sich die Karlsruher Richter an die Seite von Staatsanwältin Michaela Frauendorfer. Sie rügten Rechtsfehler im Urteil und verwiesen den Fall zu einer neuen Verhandlung an das Amberger Landgericht zurück.

Verschärfung in zweiter Runde


Im Juni letzten Jahres gab es einen zweiten Prozess. Diesmal vor einer Strafkammer, die in anderer personeller Besetzung tagte. Sie rollte die Geschehnisse ein weiteres Mal auf und erweiterten sie um einen zusätzlichen Fall. Denn zu dieser Verhandlung erschien eine junge Frau aus dem Raum Regensburg, die in ihrer Wohnung Diazepam bekommen hatte und missbraucht worden war. Ihre Identität war im ersten Prozess noch unklar gewesen. Es gab nur ein Video ihres Körpers, auf dem das Gesicht nicht zu sehen war.

Auch das zweite Verfahren zog sich tagelang hin. Dann war die Strafkammer unter Führung des Richters Dr. Stefan Täschner überzeugt davon, dass in allen drei zur Debatte stehenden Verbrechen - zwei davon waren in der Schwandorfer Wohnung des 36-jährigen IT-Fachmanns abgelaufen - sowohl gefährliche Körperverletzung als auch sexueller Missbrauch der teilweise schwer traumatisierten Opfer vorlag.

Das Urteil traf den Mann, der seine Verbrechen auch in zweiter Instanz heruntergespielt und verharmlost hatte, wie ein Keulenschlag. Er bekam acht Jahre und neun Monate Gefängnis. Ein gänzlich anderes Urteil also, gegen das er unverzüglich zusammen mit seinem Verteidiger Michael Haizmann (Regensburg) Revision zum Bundesgerichtshof einlegte.

Bestätigung in letzter Instanz


In Karlsruhe entschied nun in den letzten Tagen der damit befasste Erste Strafsenat: "Die Revision wird als unbegründet zurückgewiesen." Damit hat die Entscheidung Rechtskraft, sie kann nicht mehr angefochten werden. Das bedeutet: Der bisher wegen des nicht abgeschlossenen Verfahrens in U-Haft sitzende Schwandorfer muss nun sein Quartier wechseln und gilt ab sofort als Strafgefangener.
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