Später Start in die schöne Jahreszeit
Sommer mit Anlaufproblemen

Die vergangenen Monate hatten - entgegen manch subjektiver Einschätzung - viele Sommertage zu bieten, an denen die Menschen Abkühlung in den Freibädern der Region suchten. Bilder: Götz (2)
Vermischtes
Schwandorf
01.09.2016
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Auch das war der Sommer 2016: Punktuell kam es immer wieder zu schweren Niederschlägen und Unwettern - wie hier beim Seefest in Schönsee.

Es war wohl irgendwann im Mittelalter, als der Apostel Petrus vom Volk auserkoren wurde, künftig für das Wetter verantwortlich zu sein. Seither wird der Hüter der Himmelspforte selten gelobt, dafür aber umso mehr geschimpft. Für diesen Sommer bekäme er eine 3 im Zeugnis. Durchschnitt. In einem "Fach" hätte er aber eine glatte 6 verdient.

Mit den Sommerbilanzen ist das immer so eine Sache: Dem einen zu heiß, dem anderen zu nass, wieder anderen zu kalt - das Jeden zufriedenstellende Wetter zu finden, ist in etwa so wahrscheinlich wie die olympische Goldmedaille für eine eislaufende Kuh. Einer, der aber mit Zahlen eine gute objektive Einschätzung der vergangenen Monate geben kann, ist NT-Wetterexperte Andy Neumaier. Er hat sich die Daten der Station in Schwandorf angeschaut und kommt - entgegen mancher subjektiver Einschätzung - zu dem Resümee, dass der Sommer mit seinem gefühlten dauernden Auf und Ab gar nicht so schlecht war, sondern ziemlich genau im Mittelwert der vergangenen Jahre liegt. "Klimawandelbereinigt war der Sommer eher durchschnittlich", beschreibt der Wetterexperte die vergangenen Monate (grüner Kasten).

Viele Unwetter


In einem Punkt sticht der Sommer 2016 negativ heraus: Unwetter. "Es kam hauptsächlich zu punktuellen Gewittern und Schauern, großflächige Regenfronten gab es eher wenig", schildert Neumaier. So ist es auch zu erklären, dass zum Beispiel Schwandorf im Juni mit 79,5 Litern Niederschlag pro Quadratmeter ziemlich genau im Soll liegt, während es östlich der A 93 im Bereich von Altendorf vereinzelt über 200 Liter pro Quadratmeter geregnet hat. Im Juli - genau am 26. - traf es dann die Große Kreisstadt: Bei einem schweren Unwetter fielen alleine an diesem Tag fast zwei Drittel dessen an Regen, was normalerweise im gesamten Monat herunterkommt.

Zwar zählt der Mai meteorologisch noch nicht zum Sommer, allerdings hatte auch der Wonnemonat in diesem Jahr schon einige schöne Tage zu bieten. So kletterte die Quecksilbersäule zum Beispiel am 22. erstmals im Jahr 2016 über die 30-Grad-Marke. An fünf weiteren Tagen wurde es immerhin über 25 Grad Celsius warm. Zu trocken war es außerdem: Nur 60 Prozent des normalen Niederschlages fielen. Zwölf Tage mit warmen 25 Grad oder mehr bot der Juni. Darunter war zwar auch der bis dato heißeste Tag des Jahres: Am 24. Juni schwitzte die Region bei 34,9 Grad Celsius. Aber: Der Monat hatte - neben bereits erwähntem Unwetter - auch 19 Regentage im Gepäck, was beim ein oder anderen vielleicht den Eindruck eines verregneten und schlechten Juni manifestierte.

Viel zu trockener August


Neumaiers Blick in die Wetteraufzeichnungen vom Juli verrät: 20 Tage mit Temperaturen über 25 Grad, an dreien davon wurde es über 30 Grad heiß. "Die zweite Monatshälfte war sehr warm und schwül, die erste Hälfte eher durchwachsen", erläutert Neumaier in einem Gespräch mit dem NT, dass der Sommer in diesem Jahr wohl eher ein Spätstarter war und zunächst schwer in die Gänge kam. Warm auch der August: 18 Sommertage mit mehr als 25 Grad verzeichnete die Wetterstation in Schwandorf. Außerdem war der Monat viel zu trocken: Nur die Hälfte des normalen Niederschlags fiel rund um Schwandorf. Südlich von Burglengenfeld war es noch viel weniger.

Während mit dem August der meteorologische Sommer eigentlich endete, ist ein Abschied der derzeit herrschenden spätsommerlichen Wetterlage nicht abzusehen. Laut Wetterexperte Neumaier wird die Region auch in den kommenden Tagen mit Wärme und Sonnenschein verwöhnt. (Seite 30/Hintergrund)

Klimawandelbereinigt war der Sommer eher durchschnittlich.NT-Wetterexperte Andy Neumaier


Das "langjährige Mittel"Das vielzitierte "langjährige Mittel" ist als Vergleichswert für das durchschnittliche Wetter im Raum Schwandorf nur noch bedingt aussagekräftig. Der Grund: Es bezieht sich hier auf den Zeitraum von 1961 bis 1990. In den vergangenen 26 Jahren hat sich das Wetter aber durchaus geändert. Stichwort: Klimawandel. Das ist ein Grund, warum Abweichungen vom "langjährigen Mittel" oftmals signifikanter ausfallen, als sie im Vergleich mit den vergangenen Jahren wären. Um wieder verlässlichere Vergleichswerte zu haben, wird ein neuer Durchschnittswert - er geht von 1981 bis 2010 - sukzessive eingeführt. Für Schwandorf gibt es aber derzeit nur die alten Werte. (tib)
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