Spargelhof Scharl startet in neue Saison
Stichhaltiges Gewerbe

17 Saisonarbeiter arbeiten jedes Jahr auf den Feldern der Familie Scharl aus Dachelhofen. Bild: Götz
Vermischtes
Schwandorf
18.04.2016
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Frühling ist Spargelsaison. Langsam füllen sich Supermärkte und Verkaufsstände mit den weißen und grünen Stangen – die Nachfrage ist trotz steigender Preise ungebrochen. Doch der Mindestlohn zwingt Spargelbauer zu „harten Kalkulationen“. Für Saisonarbeiter bedeutet die Erntezeit trotz höherer Löhne körperliche Schwerstarbeit.

Die weißen Planen, die den Spargel vor Witterung schützen, schimmern in der aufsteigenden Morgensonne. Noch ist die Luft kühl – das wird sich in den kommenden Stunden ändern. Vorsichtig entfernen die rumänischen Saisonarbeiter, die auf dem weitläufigen Feld nur schemenhaft zu erkennen sind, die Holzblöcke, mit denen die Abdeckungen im Boden verankert sind. Jeder von ihnen hat einen eisernen Korb dabei, den er Meter für Meter neben sich durch die Erde zieht.

Einer von ihnen ist Marthi Kalmann. Der 41-jährige schmächtige Mann umklammert sein eisernes, längliches und mit Erde verschmutztes Stechmesser während er erklärt, warum er seit 14 Jahren auf den Spargelfeldern der Familie Scharl arbeitet: Geld. Zwei bis drei Monate pro Jahr erntet er die weißen und grünen Stängel in Schwandorf. Eine Entscheidung, die ihm nicht leicht fällt. „Ich habe zwei Töchter, 10 und 16 Jahre alt. Während ich hier bin, passt ihre Oma auf sie auf“, erzählt er, während er sich mit seiner Hand, über die ein gelb-schwarzer Handschuh gestülpt ist, den Schweiß von der Stirn wischt und sich die ausgeblichene, rote Kappe zurecht rückt, die ihn vor der Sonne schützt.

Wichtiger Zuverdienst in Deutschland


Einen kurzen Moment hält er inne, dann lächelt er. „Wir sprechen aber jeden Tag über Skype miteinander. So sehen wir uns wenigstens in der Zeit, in der ich nicht bei ihnen bin.“ Der Zuverdienst in Deutschland ist wichtig für ihn. Er sichert Marthi und seiner Familie den Lebensunterhalt in dem kleinen rumänischen Dorf Sinzieni am Rande der Karpaten. Vor Kurzem baute er ein neues Haus für sich und seine Kinder. „Das kostet natürlich. Deshalb brache ich das Geld gerade besonders.“ Harte, landwirtschaftliche Arbeit ist er gewöhnt. Zuhause betreibt Marthi eine Landwirtschaft mit Weizen- und Kartoffelanbau sowie eine kleine Lackiererei, erzählt er, sichtlich stolz darauf, was er sich selbst erarbeitet hat.

„Die Arbeit hier ist anstrengend“, sagt er und beugt sich nach vorne, um an die Reihen mit Spargel zu gelangen. „Noch habe ich keine Beschwerden, das kommt dann, wenn ich 50 bin“, sagt er und lacht. Vorsichtig schlägt er die weiße Folie vom Spargelbeet zurück, wodurch in unregelmäßigen Abständen weiße Köpfe aus der dunkelbraunen, glattgestrichenen Erde blitzen. „Jede Stange muss von Hand freigelegt werden“, erklärt der 41-Jährige, während er die Erde behutsam weg schaufelt, um den Spargel freizulegen. Dann nimmt er das Stech-Messer und lässt es unter den Spargel gleiten – eine Aufgabe, die Geschick und Gespür erfordert, weiß Josef Scharl, Begründer des Spargelhofs.

Nachdem Marthi die beliebte Delikatesse aus dem Boden gezogen hat, schüttet er die Erde sorgfältig wieder auf und streicht sie mit einer silbernen Kelle zurecht. „Nur so sieht man, wenn der nächste Spargel bereit ist.“ Ein Vorgang, den der 41-Jährige Hunderte Male Tag für Tag wiederholt. Auch die 16 anderen Saisonarbeiter, zwei Frauen und 14 Männer, die seit drei Wochen – Beginn der Spargel-Saison – auf den Feldern arbeiten, stammen aus dem beschaulichen Dorf am Rande der Karpaten – Verwandte und Bekannte von Marthi Kalmann.

„Einer organisiert dort alles, plant die Saisonarbeit, und das klappt hervorragend. Ich kann mich absolut auf sie verlassen. Das ist auch wichtig, denn der Spargel muss bei jeder Witterung und jeden Tag gestochen werden“, betont Josef Scharl. Stolz blickt er auf das etwa fünf Hektar große Feld, auf dem die 260 Meter langen Spargelbeete akkurat nebeneinander abgesteckt sind. Bäume und grüne Wiesen umgeben das Feld. In unregelmäßigen Abständen durchbrechen vorbeifahrende Autos auf der angrenzenden Schnellstraße diese Idylle. „Vor 28 Jahren haben wir mit einem halben Hektar angefangen – mittlerweile sind es zwölf.“

Gute Voraussetzungen


1988 gab es einen einfachen Grund, warum sich Josef Scharl und seine Frau Ingrid für den Spargelanbau entschieden haben. „Die Voraussetzungen waren gegeben – leichter Sandboden und ein mildes Kleinklima im Naabtal.“ Von dem Erfolg war er anfangs nicht überzeugt, „es war eben ein Versuch“. Die Nachfrage nach der länglichen Delikatesse stieg schnell, wodurch die Familie ihre Schweine- und Bullenmast aufgeben musste, um genug Zeit für das Spargel-Geschäft zu haben.

Im März werden die Setzlinge maschinell gepflanzt – zwischen 20.000 und 50.000 Stück. „Der Spargel braucht zwei Jahre, bis er geerntet werden kann, das ist etwas langwierig“, erzählt Scharl. „Deshalb haben wir verschiedene Anlagen, die abwechselnd geerntet werden können.“ Ist ein Beet neu bepflanzt, kann davon acht bis neun Mal geerntet werden, bis neue Setzlinge gesteckt werden müssen. „Bei der ersten Ernte muss man aber vorsichtig sein. Wir können nicht gleich darauf los gehen, sonst schaden wir dem Boden nachhaltig.“

Die Haupternte beginne jedes Jahr um den 10. April. „Früher, bevor ich mit Abdeck-Folien gearbeitet habe, konnten wir damit erst im Mai anfangen.“ Doch auch der Klimawandel und die daraus resultierenden milden Temperaturen würden die frühere Ernte begünstigen. Scharl arbeitet mit einem ausgeklügelten Drei-Folien-Management, um die Qualität seines Spargels zu beeinflussen. „Wenn es kühl ist, drehe ich die schwarze Seite nach oben, wenn es heiß ist, die weiße – so verbrennen die Köpfe nicht. Das ist wichtig, um das Wachstum anzuregen“, erklärt er und rückt die Folie, die über ein Beet gespannt ist, zurecht.

Gastronomen und Großhändler


Rund 30 Doppelzentner gewinne er pro Hektar und Jahr. „Das ist aber nur die Rohware, die Verkaufsware ist etwa ein Drittel weniger“, erklärt Scharl, während er einen frisch aus der Erde gestochenen Stängel in der Hand hält und auf das Ende zeigt. „Unten wird er abgeschnitten – immer auf 22 Zentimeter. So erhöhen wir die Qualität.“ Vermarktet wird der Spargel hauptsächlich im Hofladen der Familie Scharl, nachdem die Stangen gewaschen, sortiert und auf zwei Grad abgekühlt wurden. Hinter einer Glastheke, in der das weiße und grüne Gemüse nach Länge und Stärke sortiert in durchsichtigen Tüten verpackt liegt, steht Ingrid Scharl. Auf einer silbernen Waage mit großem Ziffernblatt wiegt sie die Stängel ab, bevor sie sie portioniert verpackt. „Wir betreiben auch Stände vor Geschäften, unter anderem in Amberg, Nabburg, Schwarzenfeld und Teublitz“, erklärt Josef Scharl. Zudem gehören einige regionale Gastronomen und Großhändler zu ihren Abnehmern.

Das Kilo Spargel kostet auf dem Hof zwischen fünf und zehn Euro. Ein Preis der nicht leicht zu halten ist, vor allem der 2015 eingeführte Mindestlohn erschwere die Preis-Kalkulation. „Ich war von Anfang an dafür. Es ist gerecht, dass die Leute für ihre harte Arbeit entsprechend bezahlt werden. Dadurch wird der Spargel etwas teuerer, aber ich hoffe, das verstehen die Kunden.“ Mit gemischten Gefühlen blickt er der Lohnerhöhung von nun 8,50 Euro auf 9,10 Euro im Jahr 2018 entgegen. „Ich gönne es meinen Angestellten, aber des wird happig. Wir können unsere Preise nicht zu stark erhöhen, sonst verschrecken wir unsere Kunden. Das wird schwierig.“

Deutsche Spargelstecher seien kaum zu finden. „Ich denke, ihnen ist die Arbeit zu schwer. Außerdem ist es keine ganzjährige Beschäftigung.“ Umso glücklicher sei er deshalb mit seinen rumänischen Saisonarbeitern, zu denen er im Laufe der Jahre eine freundschaftliche Beziehung entwickelte. Ein bis zwei Mal pro Saison lasse er deshalb einen Partyservice kommen, um sie in dem rustikal umgebauten, ehemaligen Stall, in dem sie wohnen, reichlich zu bewirten und ihnen seine Wertschätzung auszudrücken.

Tipps für den SpargelkaufBeim Spargelkauf sollten Kunden immer auf die Frische achten, erklärt Josef Scharl vom gleichnamigen Spargelhof. Diese sei vor allem an den Schnitt-Enden zu erkennen.
„Wenn sie verdeckt sind, sollten Spargel-Liebhaber besser die Finger davon lassen, da die Qualität nur schwer einzuschätzen ist.“ Sehen die Enden „saftig“ aus, könnten Kunden kaum etwas falsch machen. Vor allem Spargel aus der Region garantiere Frische – und bringe noch einen Vorteil mit sich. „Es ist gut für die Umwelt, da weite Transportwege wegfallen.“
Ist sich der Verbraucher dennoch unsicher, ob Spargel wirklich frisch ist, gibt es einen einfachen Test: „Man reibt zwei Stangen aneinander. Wenn es quietscht, ist er frisch“, betont Josef Scharl.
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