Sprichwörter im Dialekt
Ratschläge zum Alter

Vermischtes
Schwandorf
21.05.2016
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Das Alter im Oberpfälzer SprichwortLapidare Lebensweisheiten

Schwandorf. (hw) Unser Sozialversicherungssystem ist eine Errungenschaft aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Das Alter ohne finanzielle Absicherung bedeutete bis dahin für viele Menschen ein Leben am Existenzminimum, und sie waren der Barmherzigkeit ihrer Mitmenschen ausgeliefert. Es galt überwiegend der Spruch: zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel.

Das Gleiche galt auch für den Bauern, der seinen Hof übergab, wenn er in Austrag gegangen war: Nun hieß der Spruch: Iwergemm - nimmer lem. Das wusste jeder, der vor der gleichen Situation stand. Der Bauer versuchte daher, möglichst lange die Zügel auf dem Hof in der Hand zu halten und zu "regieren". Hoferbe wurde daher in der Regel der jüngste Sohn und nicht der älteste.

Die Übergabeverträge regelten bis ins Detail, was den "Alten" zustand, bis aufs letzte Ei und jeden Schluck Bier. In Schönau bei Schwarzhofen hatte sich ein Austrägler sogar das Sitzen auf der Ofenbank vom Notar "schreiben lassen". Er wusste wohl warum. Auch wenn es im Oberpfälzer Sprichwort heißt: "S' Alter mouma ern", so sah die Realität oft ganz anders aus.

Schließlich hieß es ja auch: "Alte Laid und alte Hejtt sann 's Flicka niad werd". "S' Alter is niad z' nain ", das weiß bzw. wusste sowieso jeder. Eine sprichwörtlich Redensart beschrieb diese problematische Situation noch bildhafter: "Alte Laid und Schounegl kumma in oin Degl". Wer aber nicht alt werden wolle, der müsse sich halt "jung henken", hieß der simple Rat und "Wos amal old is, des wird nimmer jung" lautete eine andere lapidare Lebensweisheit.

Etwas positiver betrachtete die Lebensleistung eines alten Menschen folgendes Sprichwort: "Is der Mensch old, is sei Haud zold." Doch der Umgang mit alten Leuten und deren Lebenserfahrung und Altersmilde konnte natürlich auch sein Gutes haben, wie folgender Spruch weiß: "Bai de Altn is ma guad kaltn."

Nicht ganz ernst gemeint war wohl der Rat, man müsse nur lange genug "Krautbroi hinterm Ofen ässn", dann würde man mit Sicherheit ein "alts Mandl". Dies ist natürlich völliger Humbug, denn Krautbrühe hat natürlich keinen großen Nährwert und wird in der Regel auch nicht gegessen. Bei Verstopfung dagegen ist Krautsaft sehr zu empfehlen. Er räumt durch. In die gleiche Kerbe schlug auch der folgende Spruch: "Wer lang Suppm isst, der läpt lang." Neugierigen Menschen beschied man dagegen: "Wer alles wissen mou, wird frej old." Die Folgen des Alterns, gedacht vor allem für die männlichen Zeitgenossen, beschreiben diese zwei bildhaften Sprüche: "An alter Kobf und an alts Schlos hamm söltn a Fanerl am Dooch", und aus Tiefenbach stammt die folgende Beobachtung: "Wenn 's amal in Boad schneimd, is in der Hosn Winter."

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