Sprichwörter zum "Braoud"
Wenn der Tod zum Brötchengeber wird

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Schwandorf
30.07.2016
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Früher war Brotbacken eine Aufgabe der Bäuerin. Konnte sie es gut und war genug da, sprach sich das herum: In einem "guadn Dejnst" gab's für die Dienstboten "guad Braoud ässn". Heute langen bei den Backofenfesten meist die Männer hin. Bild: NT-Archiv


Wenn der Tod zum Brötchengeber wirdViele Sprichwörter drehen sich ums Brot

Schwandorf. (hw) Das tägliche Brot als Grundnahrungsmittel, als eiserne Ration, die das Überleben in schlechten Zeiten sicherte, aber auch als Synonym für Nahrung allgemein, ist so bedeutend, dass das Reservoir an Redewendungen nahezu unerschöpflich ist. Mir erzählte einmal ein alter Bauer, der noch vor dem 2. Weltkrieg als junger Knecht gedient hatte, dass er heimlich die Brotrinde vom Tisch stahl, um für seine Pferde einen Leckerbissen zu ergattern. Wehe, wenn ihn der Bauer erwischte.

Analog galt das Sprichwort: "Braoud is a lejps Guad, mã soll's koin Hund hiwerfa". Vom Haberbrot, das für arme Leute als Ersatz für das teure Weizen- oder Roggenbrot diente, sagte man: "Wer Howerbraoud isst, den baissn Gàl". Für Dienstboten war es grundsätzlich wichtig, dass es am Dienstplatz genug zu essen gab. So heißt es bei Franz Xaver Schönwerth, eine "rechte Bäurin "schneidt ihran Leidnan s' Broud niad für und spirds aa niad ei". In einem "guadn Dejnst" war für die Dienstboten "guad Braoud ässn". Wer bei einer fremden Herrschaft diente, der wusste "wej 's fremde Braoud" schmeckt. Wer sich sein Brot nicht erarbeiten musste, weil er nämlich sein "Braoud gschenkt" kriegte, hatte gut Lachen ("ko lacha"). Besser als ein "Federl ãm Houd" war allerdings doch "s' Braoud im Säckl".

Brot backte man in der Regel selber, entweder im eigenen oder im gemeindlich-öffentlichen Backofen. Allerdings sollte der Mensch großzügig sein und die Braoudloiwln im Bachofa niad zöln". Aber ein anderes Sprichwort fordert zur Vorsicht, denn "wenn mã's iwersiad, na làfft 's Braoud im Bachofa davo" und auf sein Brot nicht achtgab, dem verzogen es "d' Mais".

Bescheidenheit und gutes Wirtschaften taten in der armen Oberpfalz immer Not, denn man wusste: "Wenn der Bauer sei Braoud baim Beckn kaffa mou, hod er scho okausd", also abgewirtschaftet. Brot gab es natürlich in verschiedenen Qualitäten, das wussten auch die Bettler, hieß es doch: "Schejns Braoud lockt Bedllaid o, Howerbraoud draipt 's wieder davo". Den "Beddlainan" wuchs das Brot allerdings auch "auf allen Äckern", doch auch ist bekannt, dass "Bedlbraoud gern schimmlt". Neugebackenes Brot war begehrt und schnell gegessen, es war wie "Schauer ins Haus" und verging doch schnell wie der "Raiff àfn Zau". Die beste Methode, dass Brot nicht schimmelig wurde, war eine große Kinderzahl: "Waou vül Kinder, daou wird 's Braoud niad schimmle".

Aus der Menschenkenntnis wussten die Leute, dass der Prahler oft "koi Braoud" hatte, der Jammerer ("Glocher") auf der anderen Seite tatsächlich aber keine "Naoud". Für den jungen Ehemann galt zudem die Regel, dass man "d' Waiwer" schon vom ersten Laib Brot an "ziehen" müsse.

Früher diente Brot übrigens auch noch als Entschädigung für Scharwerksdienste. Für Botengänge im Auftrag des Schlossbesitzers, die er von Zeit zu Zeit im Rahmen seiner Schwarwerksaufgaben zu tätigen hatte, musste sich der Besitzer eines Kutscher-Anwesens für die erste Meile (etwa sieben Kilometer) nur mit einem Stück Brot zufrieden geben. Erst bei einem Botengang über eine längere Entfernung gab es "Kilometergeld", während hingegen der Totengräber von seinem Beruf behaupten konnte: "Ander Laids Daoud is mei Braoud."

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www.onetz.de/themen/dialekt
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