Strafkammer stellt Verfahren gegen 22-Jährigen ein
Zwei ersparte Jahre hinter Gittern

(Foto: dpa)
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Schwandorf
14.12.2015
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Amberg/Schwandorf. Der Mann erschien und wollte Geld. Zumindest in schriftlich zugesicherter Form. So viel stand fest. Doch wurde ein 22-Jähriger dabei zum aggressiv zuschlagenden Erpresser? Das hätte jetzt eine Strafkammer des Amberger Landgerichts klären sollen. Doch es kam zu keinem Schuldspruch.

In Fußfesseln


Der Mann aus Schwandorf wurde in Fußfesseln vor die 3. Strafkammer geführt. Er verbüßt gegenwärtig in Bayreuth eine längere Haftstrafe, wird erst im Sommer nächsten Jahres entlassen. Nun drohten ihm zwei weitere Jahre hinter Gittern. Doch seinen Zwangsaufenthalt hinter Gefängnismauern muss er nicht verlängern.

Was zur Debatte stand, war heftig: Erpressung und gefährliche Körperverletzung, begangen in einer Wohnung in der Schwandorfer Innenstadt. Dort soll der 22-Jährige heuer im Januar bei einem Bekannten erschienen und dem 30-jährigen Mann gegenüber sofort aggressiv geworden sein. Er forderte angeblich eine schriftlich abgefasste Erklärung, dass ihm das Opfer 1700 Euro schulde. Als das nicht umgehend geschah, soll er dem Kontrahenten mit der Faust aufs Auge geschlagen und übel zugerichtet haben. Danach kam die Polizei und nahm den 22-Jährigen in U-Haft.

Einspruch überdenken


Beim Prozess vor dem Schwandorfer Amtsgericht ergaben sich dann Ungereimtheiten, stellte sich der Ablauf des mutmaßlichen Verbrechens in Frage. Letztlich auch wegen der Glaubwürdigkeit des Zeugen. Von daher kam es zum Freispruch, den die Staatsanwaltschaft nicht gelten lassen wollte und von daher in die Berufung ging. Der deshalb vor dem Landgericht anberaumte neue Prozess war nur von kurzer Dauer. "Er sitzt wegen einer anderen Straftat noch länger", gab Richter Gerd Dreßler zu bedenken. Deswegen empfahl er der Staatsanwaltschaft, ihren Einspruch zu überdenken.

Das geschah dann auch. "Wir würden unsere Berufung zurücknehmen, wenn der Angeklagte auf eine Entschädigung für die dreimonatige U-Haft verzichtet", ließ Anklagevertreter Vogel anklingen. "Machen wir", stimmte Verteidiger Wilhelm Wartha zu. Als dieser Konsens schriftlich fixiert war, stellte die 3. Strafkammer das Verfahren wegen Erpressung ein. Es blieb beim Freispruch.
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