Syrischer IT-Fachmann sehnt sich nach einer Aufenthaltsgenehmigung
Wunsch nach Arbeit in Bayern

Auf einem Flüchtlingsboot kam Kaled nach Europa. Die Fluchthilfe kostete ihn 3000 Dollar. Archiv-Bild: dpa
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Schwandorf
11.09.2015
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Kaled (Name geändert) sitzt im Gemeinschaftsraum seiner Asylunterkunft und wünscht sich nur eines - eine Aufenthaltsgenehmigung, damit er endlich in Bayern arbeiten kann. Der Bayern-München-Fan aus Damaskus will im Freistaat bleiben.

Es ist schon erstaunlich. Noch nicht ganz ein Jahr ist der 30-Jährige in Deutschland und das Gespräch kann überwiegend auf Deutsch geführt werden. Ab und an hilft Englisch weiter und wenn, ganz selten, die Worte fehlen, greift Sprachpatin Lisa-Marie Müller ein. Mit ihr vereinbart der IT-Fachmann auch gleich wieder einen Termin für die nächste Deutschstunde. Der sympathische junge Mann will möglichst schnell, möglichst viel Deutsch lernen, "sonst finde ich keine Arbeit", sagt er. Zwar sei in der IT-Branche die Fachsprache Englisch, "aber mit den Kollegen und dem Chef muss ich deutsch reden". Das will er.

Als Terrorist eingestuft

Der Syrer erzählt, dass er in einer Gruppe von 15 Leuten für syrische Flüchtlinge, aus Homs zum Beispiel, in Damaskus Hilfe organisiert hat, Wohnungen, Lebensmittel etc. Das Assad-Regime sah darin keine humanitäre Aktion, sondern stufte die jungen Leute als Terroristen ein, die Waffen für die Rebellen beschaffen würden. Es wurde eng. Kaled ergriff die Flucht, nur mit dem, was er am Leib trug, ließ alles zurück. "Elf aus der Gruppe sind tot", sagt er, Vieren gelang die Flucht. Einer ist in Schweden, einer in Amberg, einer in Griechenland und "ich bin hier" - im Raum Schwandorf.

3000 Dollar zahlte er für die Fluchthilfe von Damaskus über Tunesien nach Libyen. "Dort ist es sehr, sehr gefährlich." Rund 350 Leute saßen in dem Boot, das von Libyen aus übers Mittelmeer Kurs auf Italien nahm. Gott sei Dank ist nicht mehr passiert, außer dass viele Flüchtlinge seekrank wurden. In Italien wurde Kaled registriert, wurden ihm Fingerabdrücke genommen. Nach Italien möchte er nicht "zurückgeschickt werden."

Sein Ziel war von Anfang an Deutschland, als Bayern-München-Fan vorzugsweise Bayern, weil es "in Deutschland besser mit der Arbeit ist". Sicherlich hätte er auch auf den weniger gefährlichen Weg über die Türkei nach Europa fliehen können, aber "das kostet 9000 Euro und mehr". Kaled möchte hier auch bleiben, eine Arbeit und eine Wohnung finden, Fuß fassen. Er hat noch keine Familie, "obwohl er eigentlich mit 30 eine haben sollte". Zurück in die Heimat will er nach dem Krieg nicht mehr, weil er nicht noch einmal neu anfangen möchte.

"Viele sagen nichts"

Angefeindet wurde er bisher nicht, sagt der studierte Ingenieur, der zurückhaltend auftritt. "Manche Leute sind gekommen und haben sich vorgestellt. Viele sagen gar nichts." Was ihn etwas "schmerzt" ist, dass viele Deutsche völlig falsche Vorstellungen von Syrien haben. "Die Leute denken wir Syrer sind dumm", drückt er sich in seinem noch begrenzten deutschen Wortschatz missverständlich aus und erklärt aber sofort, was und wie er es meint.

"Wir hatten ein schönes Leben bis der Krieg kam. Ich hatte Arbeit, Freunde zum Weggehen. Es gab Cafés in Damaskus." Fernsehen und Telefon gehörten dazu, gute Schulen ebenso. Viele sprechen Englisch, nicht wenige auch Französisch. "Wir haben auch nicht drei oder vier Frauen."

"Wir hatten alles, konnten alles tun, und wenn du Geld hattest, konntest du dir Paris anschauen." Wäre kein Krieg, wäre Kaled vielleicht als Tourist nach Deutschland gekommen. Jetzt ist er als Flüchtling hier und sehnt sich die Aufenthaltsgenehmigung herbei. Deutsch lernen füllt ihn nicht aus, Herumhängen ist nicht sein Ding, das Mehrbettzimmer okay, aber keine Bleibe auf Dauer. Er will wieder ein normales Leben führen.
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