Täter- und Opferrolle im Prozess nicht klärbar - Aber: Strafe wegen Einbruch
Konflikte um verschmähte Liebe

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Schwandorf
07.07.2016
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Amberg/Schwandorf. Die Frage lautete: Wer wurde Opfer von gewalttätigen Übergriffen? Ein auf der Anklagebank sitzender Asylbewerber behauptete, er sei zur Zielscheibe von Attacken geworden. Genau das Gegenteil wollte seine Ex-Freundin im letzten Jahr um die Weihnachtszeit erlebt haben.

Fest steht, dass sich die 27-jährige Frau von dem Mann getrennt hatte. Gewiss ist auch, dass er um ihre Zuneigung kämpfte. Doch all die Dinge, die sich dazwischen ereigneten, sind strittig und beschäftigen nun das Amberger Schöffengericht bei einem mehrtägigen Prozess. Dazu wurde der 22 Jahre alte Beschuldigte aus der U-Haft vorgeführt. "Wer lügt von Ihnen?", fragte Richter Markus Sand laut in die Runde. Zuvor hatte er von einer Kriminalbeamtin erfahren: "Jeder hat bei den Vernehmungen etwas anderes geschildert. Auch die befragten Zeugen." Bei diesen Leuten handelte es sich weitgehend um Familienangehörige der mutmaßlich übel bedrohten und angegriffenen Frau.

Die von Staatsanwältin Dr. Isabel Rupprecht als sehr massiv bezeichneten Vorfälle begannen am 29. Dezember 2015 und zogen sich bis Silvester hin. Die 27-Jährige soll auf der Straße mit einem abgebrochenen Bierflaschenhals angegangen worden sein, sie wurde laut Anklageschrift auch am Hals gewürgt. Außerdem, so hieß es, sei ihr ein Küchenmesser an die Kehle gehalten worden.

Schleierhafte Vorgänge


Das Geschehen eskalierte am Neujahrstag gegen 2 Uhr morgens in einer Asylbewerberunterkunft im nördlichen Landkreis. Dort lebte der Angeklagte seinerzeit. Die Frau soll unter Vorhalt eines Messers gezwungen worden sein, mit in dieses Haus zu kommen. Vorher hatte sie offenbar noch Familienangehörige verständigt. Die erschienen dann, hatten sich mit Schlagwaffen ausgestattet und gingen gegen den 22-Jährigen vor. Dabei trug er Kopfverletzungen davon und musste ins Krankenhaus. "Ich wollte ihr nur sagen, dass sie mich lieben soll," wies er die Vorwürfe zurück und berichtete, lediglich in der Neujahrsnacht habe er ein Messer in der Hand gehalten, um sich gegen die ins Wohnheim eindringenden Männer zu wehren. Die Ex-Freundin widersprach: "Ich wollte die Verbindung lösen."

Ab dann habe der Terror begonnen, sei sie jähen Attacken des 22-Jährigen ausgesetzt gewesen. Allerdings tauchten bei ihrer Vernehmung Ungereimtheiten auf. In der Anklageschrift stand auch, dass der Mann mit dabei war, als am 21. Dezember 2015 in ein Wohnhaus im nördlichen Landkreis eingebrochen wurde. Die Täter nahmen einen Fotoapparat, zwei ältere Uhren und einen Tank-Chip mit. Vor Gericht räumte der 22-Jährige seine Beteiligung ein. Zum Tatzeitpunkt will er sturzbetrunken gewesen sein.

Das Gericht konnte sich auch nach stundenlangen Befragungen kein klares Bild von den zur Debatte stehenden Auseinandersetzungen machen. Deshalb stellte es das Verfahren ein. Für seine Beteiligung an dem Hauseinbruch bekam der Mann 15 Monate Haft mit Bewährung.
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