Telefonaktion zu Darmkrebs
Auch ohne Beschwerden zur Darmspiegelung

Dr. Detlef Schoenen gab bei einer Telefonaktion Auskunft zum Thema Darmkrebs-Operationen. Bild: hfz
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Schwandorf
09.04.2016
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Das Risiko an Darmkrebs zu erkranken steigt mit den Lebensjahren. In einer Telefonaktion beantwortete einer Mitteilung zufolge Dr. Detlef Schoenen, Chefarzt Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie am Krankenhaus St. Barbara Fragen zum Thema.

Kann am Dickdarm auch mit der Bauchspiegelmethode (minimal-invasiv) operiert werden?

Schoenen: "Ja! Die Ergebnisse der laparoskopischen Operation ("Schlüssellochchirugie") sind mit der offenen Chirurgie absolut vergleichbar: Gerade in der Frühphase nach der Operation sind die Patienten schneller fit und erholen sich rascher. Im Krankenhaus St. Barbara haben wir die Verfahren zwischenzeitlich soweit verfeinert, dass bestimmte Darmoperationen sogar nur durch einen einzigen Schnitt in der Tiefe des Nabels durchgeführt werden können (Single-Port-Technik) und nahezu keine Narben zurückbleiben. Eine Operation "durchs Schlüsselloch" hängt davon ab, wie weit eine Erkrankung fortgeschritten ist und ob schon eine oder mehrere Bauchoperationen gemacht wurden."

Brauche ich einen künstlichen Darmausgang?

"In den allermeisten Fällen kommt man bei einer Darmkrebsoperation ohne künstlichen Ausgang aus. Es gibt jedoch Fälle, vor allem bei sehr tief sitzendem Mastdarmkrebs, bei denen man aus Sicherheitsgründen einen künstlichen Darmausgang für zwei bis drei Monate anlegen muss. Danach wird der Ausgang wieder zurückverlagert. Wenige Darmerkrankungen führen zur dauerhaften Anlage."

Wieviel Darm wird entfernt?

"Der Darmanteil, an dem sich die Geschwulst befindet, mit den dazugehörigen Lymphdrüsen wird entfernt. Die Lymphdrüsen verlaufen neben den Blutgefäßen, so dass damit letztlich das Ausmaß der Darmentfernung bestimmt wird. Je nach Lokalisation des Tumors unterscheidet man standardisierte OP-Verfahren; die Länge des Darms, die entfernt werden muss, ist demnach festgelegt."

Welche Nachuntersuchungen sind notwendig?

"Nach der Operation ist eine sogenannte Nachsorge notwendig. Dies sind standardisierte Untersuchungen. Hierbei kommen unter anderem Blutuntersuchungen, Ultraschall und Endoskopie zur Anwendung. Zur Dokumentation wird den Patienten bei der Entlassung ein "Tumorpass" ausgehändigt. Darin ist aufgeführt, was operiert und welche Nachuntersuchungen durchgeführt wurden. In bestimmten Stadien der Erkrankung ist eine zusätzliche Chemo- oder Bestrahlungstherapie notwendig. Ein individueller Therapieplan wird bei unserer interdisziplinären Tumorkonferenz festgelegt."

Welche Folgen hat der Verlust eines Dickdarmanteils?

"Im Dickdarm wird im Wesentlichen Flüssigkeit aus dem hier noch sehr flüssigen Darminhalt in den Körper zurückgeholt. Wenn man etwa die Hälfte des Dickdarms bei der Operation entfernen muss, kompensiert der Körper dies in aller Regel sehr gut. Allerdings kann dies zur Folge haben, dass man häufiger Stuhlgang hat (zwei- bis dreimal täglich sind noch als normal anzusehen) und der Stuhl weicher ist als früher. Auf die eigentliche Verwertung der Nährstoffe hat dies allerdings keinen Einfluss."

Kann ich nach der Darmoperation alles essen oder benötige ich eine Diät?

"Man kann sich ganz normal ernähren. Eine Diät ist nicht notwendig, allerdings sollte man in den ersten drei Wochen nach der OP stark blähende Speisen meiden. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Ballaststoffen und Flüssigkeitszufuhr ist besonders wichtig."

Sind Blutungen aus dem Darm gefährlich?

"Grundsätzlich muss jeder Blutabgang über den Darm abgeklärt werden, um gravierende Erkrankungen wie Darmkrebs auszuschließen. Andererseits führt ein Hämorrhoidalleiden oder eine andere Erkrankung des Afters häufig zu Blutungen, die Ursache ist also meist harmlos. Wichtig ist es, die Ursachen abzuklären."

Warum soll ich zur Vorsorge-Darmspiegelung gehen?

"Die meisten Krebserkrankungen des Dickdarms entstehen aus kleinen Polypen. Wenn diese rechtzeitig entdeckt und mit einer Spiegelung entfernt werden, können sie keinen Schaden anrichten. Geht man ohne Beschwerden zu einer Darmspiegelung, heißt das "Vorsorge-Koloskopie". Ab 55 Jahren sollte die Untersuchung wahrgenommen werden, bei familiärer Belastung oder speziellen Darmerkrankungen auch früher."
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