Übergriffe nach Disco-Besuch: Im Gerichtssaal weiß keiner mehr was
Großes Schweigen vor der Richterin

Vermischtes
Schwandorf
05.03.2016
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Mit Fußtritten wurde dem wehrlos am Boden liegenden Opfer das Sprunggelenk gebrochen. Der Übergriff geschah ansatzlos auf dem Schwandorfer Wendelinplatz. Zwei Männer, die jetzt auf der Anklagebank sitzen, erheitern sich und geben zu Protokoll, sie seien es nicht gewesen.

Früher Morgen im September vorletzten Jahres. Der Tag ist bereits angebrochen, als eine Discothek am Marktplatz nach einer langen Nacht schließt. Draußen kommt es zu einer wüsten Schlägerei. Schon dabei wird ein heute 29-Jähriger erheblich verletzt. Als die Polizei, alarmiert gegen 6.20 Uhr, eintrifft, ist zunächst einiges unklar. Vorrangig dies: Wer schlug den Mann und trat auf ihn ein?

Noch viel schlimmer


Noch als die Uniformierten damals am Marktplatz ermitteln, kommt es zu einem weiteren und noch viel massiveren Übergriff. Das Opfer der Auseinandersetzung hatte sich zusammen mit Begleitern in Richtung Wendelinplatz begeben. Es wird verfolgt, um 6.38 Uhr von hinten angegriffen, zu Boden geworfen und sieht sich einem Hagel von Tritten ausgesetzt. Dabei wird eines seiner Sprunggelenke mehrfach gebrochen und so ausgekugelt, dass es - wie Staatsanwalt Stefan Schneider jetzt im Prozess vor dem Amtsgericht schilderte - "waagrecht vom Fuß wegstand."

Plötzlich eine Lücke


Vor der Strafrichterin Petra Froschauer saßen nun zwei Landsleute des übel zugerichteten Mannes. 26 und 25 Jahre alt, vom Staatsanwalt als die Täter bezeichnet. Das erheiterte die Männer. Ihr Argument: Sie seien wohl in dem Lokal gewesen, nach der Sperrstunde aber jeder für sich heimgegangen in ihre Schwandorfer Wohnungen. Sie arbeiten in der Stadt, leben hier auch. Irgendwie beteiligt an den Vorfällen? "Natürlich nicht."

Es gab zwei Zeugen. Einer von ihnen beobachtete die Gewaltattacke am Wendelinplatz als Augenzeuge. Vor der Polizei hatte der Mann noch einen der Täter zweifelsfrei identifiziert. Jetzt sagte er stereotyp vor der Richterin: "Ich kann mich an nichts erinnern." Dabei entstand für Beobachter der Eindruck, dass man ihn womöglich unter Druck setzte. Dann war da noch eine junge Frau aus Polen, mit einem der Angeklagten verlobt. Sie hätte nicht aussagen müssen, tat es trotzdem und wusste eigentlich nur noch eines genau: "Ich bin mit meinem Freund heimgegangen." Ohne Schlägerei, niemals über den Wendelinplatz und, wie sie sagte, eigentlich ganz friedlich. Ansonsten: "Ist alles schon lange her."

Drei weitere Zeugen, darunter auch der seinerzeit schwer Verletzte, erschienen erst gar nicht zur Verhandlung. Wegen ihrer Ignoranz müssen die Männer nun jeweils 300 Euro Bußgeld zahlen. Weil sie diese Leute aber unbedingt braucht, setzte Richterin Froschauer das Verfahren aus.

Wieder von vorne


Es wird im Mai von vorne beginnen. Ob dann aber der Geschädigte erscheint, ist fraglich. Er soll zwischenzeitlich in sein Heimatland zurückgekehrt sein. Doch falls er nicht kommen sollte, kann seine polizeiliche Vernehmungsakte verlesen werden.

Während der nun abgebrochenen Verhandlung führte Staatsanwalt Schneider den beiden Beschuldigten vor Augen: "Wenn sich die Vorwürfe als wahr herausstellen, rücken Sie ein. Und zwar für längere Zeit." Das - man möchtes es kaum glauben - sorgte für weitere Erheiterung bei ihnen.
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