Überzogene Reaktion einer mehrfach vorbestraften 28-Jährigen - Nach gefährlicher ...
Schuss mit Reizgaspistole führt hinter Gitter

Vermischtes
Schwandorf
16.07.2016
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Amberg/Schwandorf. (hou) Sie drückte ab und schoss ihrem Opfer eine Reizgasladung mitten ins Gesicht. "Das hätte übel enden können", hieß es jetzt vor dem Amberger Schöffengericht. Die 28-Jährige muss 22 Monate hinter Gitter, außerdem wurde eine Drogentherapie angeordnet.

Zwei saßen auf der Anklagebank. Ein 30-Jähriger und seine zwei Jahre jüngere Bekannte. Gegen sie hatte die Kripo nach einem Vorfall in Schwandorf am 22. Juli letzten Jahres wegen versuchter Tötung ermittelt. Das relativierte sich später zwar auf ein Vergehen der gefährlichen Körperverletzung. Doch vor den Haftrichter kamen seinerzeit beide.

Die jungen Leute und ein weiterer Mann hatten sich an jenem Sommerabend in der nahe des Schwandorfer Bahnhofs liegenden Wohnung des 30-Jährigen aufgehalten und offenbar sogenannte Kräutermischungen geraucht. Dann klingelte es. Drunten standen in der Dunkelheit fünf Gestalten, bei denen offenbar sehr rasch deutlich wurde, um wen es sich handelte. "Die Tschechen sind da, sie wollen die Wohnung stürmen", sagte die 28-Jährige, nachdem sie aus dem Fenster geblickt hatte.

Was zu "klären"


Was die Leute beabsichtigten, blieb während des Prozesses weitgehend unklar. "Wir wollten etwas klären", sagte das spätere Opfer (18). Rückten die fünf Männer als Rollkommando an? Trafen sie eher zufällig nach und nach dort ein? Im Sitzungssaal machte sich der Verdacht breit, dass es um Drogen ging. Zumal bei dem 30-Jährigen kurz davor eine Hausdurchsuchung mit Blick auf Rauschgift stattgefunden hatte und er danach an der Wohnung des 18-Jährigen vorsprach, weil der ihn angeblich bei den Behörden anschwärzte.

Der 30-Jährige schnappte sich einen Baseballschläger, er gab seiner Bekannten eine geladene Gaspistole. Dann gingen beide hinunter auf den Hof. Dort vergingen nur wenige Augenblicke. Dann brachte die junge Frau ihre Gaswaffe in Anschlag und feuerte dem 18-Jährigen, der zwischen seinen Begleitern stand, aus kürzester Distanz mitten ins Gesicht. "Ohne in einer Notlage zu sein", wie sie jetzt über ihre Anwältin einräumen ließ.

"Das Opfer hätte tot sein oder erblinden können", wurde dem mehrfach wegen gefährlicher Körperverletzung vorbestraften Angeklagten jetzt vorgehalten. Die Folgen der abfeuerten Reizgasladung waren allerdings glimpflich. Der 18-Jährige trug lediglich Schmauchspuren im Gesicht davon. "Eine glückliche Fügung", wie der Gerichtsvorsitzende Markus Sand befand.

Getrennte Wege


Eine wichtige Frage lautete: Hatte sich der 30-Jährige samt seinem Baseballschläger aktiv am Geschehen beteiligt? Er selbst verneinte das vehement und ließ erkennen, dass er mit dem Abfeuern eines Schusses niemals einverstanden gewesen wäre. Das Gegenteil konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Von daher wurde das Verfahren gegen ihn eingestellt. Primär auch deswegen, weil der Mann aus anderen Verurteilungen noch zweieinhalb Jahre hinter Gittern zubringen muss.

Während ihn Polizisten in seine Zelle zurück führten, wurde gegen die 28-Jährige weiter verhandelt. Sie ist, wie sich aus einem Gutachten des Psychiaters Thomas Lippert (Nürnberg) ergab, seit vielen Jahren schwer drogenabhängig, hat Therapien mehrfach abgebrochen. Zum Prozess brachte sie 14 Vorstrafen mit, darunter einige wegen körperlicher Gewalttaten. Deswegen saß sie auch schon in Haft. Staatsanwalt Jan Prokoph forderte zweieinhalb Jahre Gefängnis und betonte in seinem Plädoyer: "Es bestand keinerlei Notwendigkeit, so massiv vorzugehen." Das Schöffengericht verhängte ein Jahr und zehn Monate ohne Bewährung. Allerdings entschloss es sich, eine erneute Unterbringung im Drogenentzug zu verhängen. "Was Sie getan haben, war durch nichts zu rechtfertigen", unterstrich Richter Sand und fügte hinzu: "Der Vorfall hätte leicht auch vor dem Schwurgericht enden können."
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