Unfall bei Dieterskirchen
Drei Sekunden, die tödlich enden

Symbolbild: dpa
Vermischtes
Schwandorf
09.03.2016
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Schwandorf/Dieterskirchen. Es war ein Moment der Unachtsamkeit, den die junge Frau seit 22 Monaten bitter bereut. Beim Einbiegen auf die Straße zwischen Neunburg vorm Wald und Oberviechtach übersah sie im Mai 2014 ein Leichtkraftrad, das nur Momente später in die Seite ihres Wagens krachte. Bilanz: ein Toter, ein Schwerverletzter - beide erst 16 Jahre alt. Bei einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Schwandorf wurde nun die ganze Tragödie offenbar.

Im Katharinenthal mündet die beschauliche Kreisstraße 47 in die vorfahrtsberechtigte Staatsstraße 2398, die sich durch das Aschatal schlängelt und Neunburg vorm Wald mit dem 16 Kilometer entfernten Oberviechtach verbindet. Etwa auf halber Höhe zwischen den beiden Gemeinden wollte eine Auszubildende mit ihrem Golf von der SAD 47 nach links Richtung Neunburg vorm Wald abbiegen. Sie hielt an der Einmündung an, ließ einen Wagen passieren und fuhr los. Drei Sekunden später fiel auf das Leben von zwei Familien, die miteinander verwandt sind, ein tiefer Schatten. Die eine verlor ihren 16-jährigen Sohn, die andere hat seitdem mit der Verzweiflung ihrer damals 19-jährigen Tochter zu kämpfen, die sich ihre kurzfristige Unachtsamkeit nicht verzeihen kann.

Ein Schöffengericht unter Richter Johann-Peter Weiß hörte vom Unfall-Sachverständigen Christian Blos, dass die junge Fahrerin das herannahende Leichtkraftrad, eine Enduro-Maschine, eigentlich hätte bemerken müssen. Die Straßeneinmündung ist gut einsehbar, es war ein sonniger Nachmittag, ohne dass die Sonne blendete, die Sicht war in keiner Weise eingeschränkt. Umso tragischer dieses Momentversagen. Der Experte hatte alle Details rund um den verhängnisvollen Zusammenstoß ausgerechnet: Die Enduro mit den zwei Teenagern kam mit ungefähr 70 Km/h daher (100 wären erlaubt gewesen), 40 Meter vor der Kollision bemerkte der junge Fahrer, dass der Pkw vor ihm anrollte.

Nach einer Schrecksekunde legte die Maschine eine Vollbremsung hin - 15,5 Meter lang war die Bremsspur des Zweirads. Doch es half nichts. Mit etwa 40 Stundenkilometer krachte die Maschine in das Auto, das insgesamt nur fünf Meter weit gekommen war.

Die Wucht des Aufpralls tötete den Kradfahrer noch am Unfallort, sein Sozius wurde schwerverletzt in die Klinik gebracht. Er ist zwischenzeitlich wieder einigermaßen genesen. Die Unfallverursacherin erlitt nur leichte körperliche Blessuren, aber tiefe seelische Verwundungen. Wie Angeline Roth von der Jugendgerichtshilfe ausführte, handelt es sich bei der Unfallfahrerin um eine ernsthafte junge Frau aus gutem Elternhaus, die sich noch nie etwas hat zu schulden kommen lassen.

"Trotzdem, der Unfall wäre zu vermeiden gewesen", beharrte Staatsanwalt Jan Prokoph und forderte eine Geldstrafe. Dem schlossen sich die Schöffenrichter an, wobei sie die Höhe der Geldstrafe für die Auszubildende deutlich nach unten korrigierten, auf 1800 Euro "für eine Sorgfaltspflicht-Verletzung, die tragisch endete". Sie sei reuig, geständig, nicht vorbestraft und habe noch immer mit den Folgen zu kämpfen, hieß es. Juristisch aber wird der Fall als fahrlässige Tötung gehandelt.
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