Urteil: 6 Jahre Haft
Lange Haft nach Einbruchstouren

Symbolbild: dpa
Vermischtes
Schwandorf
21.04.2016
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Für den Oberstaatsanwalt bestand kein Zweifel: "Wir haben hier den Täter vor uns". Deshalb forderte er neun Jahre Haft. "Nichts ist geklärt", hielt der Verteidiger entgegen und beantragte Freispruch. Die Richter schickten den tschechischen Einbrecher für sechs Jahre hinter Gitter.

Amberg/Schwandorf. Sechs Tage lang wurde vor dem Landgericht Amberg intensiv verhandelt. Mehrere Dutzend Zeugen mussten anreisen, zum Schluss auch die Mutter des 40-jährigen Tschechen, der sich schweigsam gab. 17 teilweise mit brachialer Gewalt begangene Einbrüche auf oberpfälzischem und niederbayerischem Gebiet wurden ihm angelastet.

Dabei kamen Fahrzeuge und Geräte im Wert von über 200 000 Euro abhanden. Die Mutter (65) brachte zwei Kaufverträge aus Tschechien mit. Nach der Verhaftung ihres Sohnes hatte sie diese Unterlagen in einer ihm gehörenden Dokumentenkiste gefunden. Daraus ging hervor, dass der 40-Jährige zumindest zwei der als gestohlen geltenden Fahrzeuge von Männern aus der Tschechischen Republik als "gebraucht" erworben haben sollte. Doch die Kontrakte wiesen im Vergleich zu vorliegenden Fakten Unterschiede auf. Womit auch nach der Einsichtnahme durch die Erste Strafkammer nicht eindeutig erwiesen war, dass die Verträge einem tatsächlichen Geschehen entsprachen.

Gegensätzliche Bewertung


Danach wurde die umfangreiche Beweisaufnahme geschlossen, hatte Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier das Wort. Er beleuchtete nahezu eine Stunde lang alle 17 einzelnen Tatorte, die sich über die Kreise Neustadt/WN, Schwandorf, Cham bis in den niederbayerischen Raum Regen erstreckten. Strohmeier ließ keinen Zweifel daran, dass "er der Einbrecher ist", zeigte sich überzeugt von der Täterschaft des 40-Jährigen und führte den Richtern vor Augen: "Viele der Beutestücke standen auf dem Gelände eines Sägewerks, das von ihm und seinem Vater in dem tschechischen Dorf Lisov betrieben wird" - quasi als Angebot an Kunden.

"Er sagt hier kein Wort, ist nicht geständig", ließ Strohmeier anklingen und bezeichnete es als "reinen Zufall, dass man im letzten Jahr das Gelände in Lisov fand." Nur der 40-Jährige könne die Einbrüche ausgeführt haben, fuhr Strohmeier fort, erwähnte dessen "erhebliche Vorstrafen in Tschechien" und forderte neun Jahre Haft.

Im krassen Gegensatz dazu stand das Plädoyer von Verteidiger Tim Fischer (Regensburg). Vieles sei im Prozess unschlüssig geblieben, argumentierte er und fragte die Richter: "Wann und wie sind all diese Sachen auf das Gelände des Sägewerks in Lisov gekommen? Und weshalb wurden die Fahrzeuge zum Weiterverkauf gestohlen, wenn sie dann großteils von der Polizei in erheblich lädiertem Zustand sichergestellt wurden?" Dass er zum Einbruch jenseits der Grenze ging, könne dem 40-Jährigen nicht nachgewiesen werden, unterstrich der Anwalt und verlangte Freispruch.

Schockierte Mutter


Er habe keine Ahnung, wem die gefundenen Fahrzeuge und Geräte auf dem Sägewerksgelände gehörten, sagte der 40-Jährige in seinem Schlusswort. "Mir nicht" fügte er hinzu. Seine im Zuhörerraum sitzende Mutter war schockiert vom Strafantrag des Oberstaatsanwalts. Er selbst zeigte keine Regung.

Die Erste Strafkammer verurteilte den Tschechen zu sechs Jahren Haft. Sie hielt den 40-Jährigen als Einbrecher überführt. In ihrer Begründung ließ die Vorsitzende Richterin Roswitha Stöber anklingen, dass der Mann von seinem Gelände in Lisov aus aufbrach, um in der Oberpfalz und in Niederbayern Beute zu machen. Mit ihrer Entscheidung ignorierten die Richter den Freispruchantrag des Verteidigers, dem jetzt zusammen mit seinem Mandanten nur noch der Weg einer Revision zum Bundesgerichtshof bliebe.
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