Urteil im Prozess um Rohrbombe in Steinberg
Vier Jahre Haft für "Herbeiführung einer Explosion"

Diese Rohrbombe explodierte im Schwedenofen. Bild: hou
Vermischtes
Schwandorf
26.10.2016
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Bild: Hartl

Es war kein Mordversuch. Wegen Herbeiführung einer Explosion und gefährlicher Körperverletzung ist ein 68-Jähriger, den sie in Steinberg am See "Sekunden-Sepp" nannten, zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte eine Rohrbombe gebaut, die im Schwedenofen eines Ehepaares detonierte.

Amberg/Schwandorf. Es gab keine massiven körperlichen Schäden, als der Sprengsatz am 14. Januar hochging. Aber die seelischen Wunden sitzen tief und werden wohl nie vernarben. Der "Sekunden-Sepp" aus Steinberg am See (Kreis Schwandorf), das weiß man seit Mittwoch, ist keiner, der mit Tötungsvorsatz an sein (Zitat) "hinterfotziges Werk" ging. Das Amberger Schwurgericht verneinte eine solche Absicht. "Davon haben wir uns nicht überzeugen können", sagte die Vorsitzende Richterin Roswitha Stöber. Sie fügte aber hinzu, dass der 68-Jährige durchaus Verletzungen bei seinen Opfern in Kauf nahm. Dafür gab es vier Jahre Gefängnis.

War das ein Nachbarschaftsstreit, der zwischen dem Angeklagten und einer wie er in Steinberg lebenden Familie schwelte? Nein, keinesfalls. Der "Sekunden-Sepp" hatte sich wohl wieder einmal über eine Kleinigkeit geärgert und den Plan entwickelt, den Leuten "einen Denkzettel zu verpassen." Was dann geschah, war verbrecherisch und ging weit über jenes Maß von vielen "Lausbubenstreichen" (so ein Zeuge) hinaus, für deren Ausführung er bei den Steinbergern im Verdacht stand.

"Er hat im Vorfeld und auch hier bei Gericht ein Geständnis abgelegt", schrieb die Kammervorsitzende dem Angeklagten positiv zu. "Das war glaubhaft", ergänzte sie und ließ nicht unerwähnt, dass beim Bau der acht Zentimeter langen und mit Sprengstoff gefüllten Rohrbombe ein Bekannter des Mannes aus Steinberg half. Der 53-Jährige sei maßgeblich beteiligt gewesen, hieß es in der Urteilsbegründung. An dieser Einschätzung vermochte auch ein Abschiedsbrief des Verdächtigen nichts zu ändern. "Ich habe nichts getan", hatte der Frührentner beteuert, bevor er sich letztes Jahr in der U-Haft das Leben nahm.

Vor einem fast bis zum letzten Platz gefüllten Zuhörerraum hatten am Mittwochmorgen der Leitende Oberstaatsanwalt Joachim Diesch, der Nebenklägervertreter Max Strohmayer (Regensburg) und Verteidiger Gunter Haberl (Schwandorf) ihre Plädoyers gehalten. Ihre Ansichten klafften teilweise weit auseinander. Diesch sagte: "Es gibt keine Milderungsgründe. Er hat die Bombe gebaut, es war Mordversuch." Denn als der in einem Holzscheit versteckte Sprengsatz im Ofen der 58 und 59 Jahre alten Eheleute explodierte, hätte es bei ungünstigstem Ausgang Todesopfer geben können. "Hier tun sich Abgründe auf", beschrieb der Leitende Oberstaatsanwalt seine Eindrücke und forderte fünfeinhalb Jahre Haft.

Für das von der Explosion betroffene Paar und den 79-jährigen Senior des Hauses, der im Erdgeschoss wohnt, signalisierte Anwalt Strohmayer "Enttäuschung über die Aussagen von hier vernommenen Steinbergern". Da sei manches nicht so geschildert worden, wie es den Fakten entsprochen hätte. Wohl aus Angst vor dem "Sekunden-Sepp", der ja irgendwann in das Dorf zurückkehren werde. Eine Entschuldigung des Angeklagten hatte die Familie nicht akzeptiert.

Die über seinen Mandanten kursierende Gerüchte seien "ohne Bedeutung", sagte Verteidiger Haberl im Schlussvortrag. Man müsse sich auf die eigentliche Tat konzentrieren. Dabei ging Haberl von einer massiven Mittäterschaft des nicht mehr lebenden 53-Jährigen aus, sah keinerlei Mordabsicht beim Bombenbau, hielt zweieinhalb Jahre Haft für ausreichend.

Wenn Verteidigung und Staatsanwaltschaft auf Revision zum Bundesgerichtshof verzichten, könnte der "Sekunden-Sepp" in zwei Jahren wieder nach Steinberg zurückkehren. Als man das Urteil über ihn sprach, hielt er einen Rosenkranz in den Händen. Er wird ihn auch künftig brauchen. "Denn dort", so Chef-Staatsanwalt Diesch, "muss er dann weiter leben."
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