Verfahren gegen 50-Jährigen eingestellt
Eingestellt und Aktendeckel zu

Vermischtes
Schwandorf
23.12.2015
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Ein Mammutprozess schien sich abzuzeichnen. 40 Beweisanträge hatte der Anwalt in der Tasche, zahlreiche Zeugen hätten wohl noch den Weg zum Amtsgericht antreten müssen. Doch dann strebte die Verhandlung sehr rasch ihrem Ende zu. Das Verfahren wegen Misshandlung Schutzbefohlener wurde eingestellt.

Wenn ein Vater seinen Sohn schlägt, dann kann das Misshandlung von Schutzbefohlenen sein. Die Staatsanwältin Michaela Frauendorfer ermittelte lange, dann ließ sie einen 50-Jährigen vor das Amtsgericht holen. Ihr Vorwurf: Der Schwandorfer habe seinen damals 18-jährigen Sohn übel mit Fäusten malträtiert, ihm den Kopf unter einen Wasserhahn gehalten, auf den Wehrlosen eingetreten (wir berichteten). Der junge Mann war später bei der Polizei erschienen, hatte die Übergriffe angezeigt und wissen lassen, die Brutalität des Vaters gehe schon seit längerem so.

Wirklich aggressiv?


Seine Angaben wiederholte er später vor einer Ermittungsrichterin in Amberg. So kam es dann zu einem Prozess, an dessen Beginn der Beschuldigte über Verteidiger Peter Grau (Burglengenfeld) der Richterin Petra Froschauer mitteilen ließ, die Peinigungen hätten nie stattgefunden. Grau kündigte an, er werde die Vorgänge lückenlos rekonstruieren lassen. Ab dann erhob sich bei der Beweisaufnahme die Frage: Wurde der Mann, der gemeinsam mit seinen drei Kindern in einer Schwandorfer Wohnung lebt, wirklich aggressiv und rabiat?

Erst kam der angeblich Geschlagene als Zeuge. Der heute 19-Jährige hatte schon zuvor bei Anwalt Grau angerufen und wissen lassen, er wolle alles zurücknehmen. Im Prozess verweigerte er die Aussage. Also sollte die Ermittlungsrichterin erscheinen, um das zu schildern, was er bei ihr zu Protokoll gab. Die Juristin brauchte dann allerdings nicht mehr zu kommen.

Bevor man auf sie als Zeugin verzichtete, wurden die Geschwister des 19-Jährigen vernommen. Sein Bruder sagte, es habe in der Wohnung nie tätliche Auseinandersetzungen gegeben und stellte dem Vater das beste Zeugnis aus: Liebevoll, besorgt, nicht ein einziges Mal ausfällig geworden. Die Schwester machte von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Damit war die Sache an einem Punkt angelangt, der eine Verurteilung eher fraglich erscheinen ließ.

Gegen Geldauflage


Am zweiten Prozesstag kam das Ende sehr rasch. Im Einvernehmen zwischen Staatsanwältin, Verteidiger und dem Angeklagten wurde das Verfahren eingestellt. Dafür muss der 50-Jährige eine Geldauflage bezahlen. Sein Einspruch hatte damit Erfolg. Denn in einem ihm zugeschickten Strafbefehl war eine Haftstrafe mit Bewährung ausgesprochen worden. Der 19-Jährige ist unterdessen daheim ausgezogen. In die häusliche Gemeinschaft wird er wohl nicht mehr zurückkehren.
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