Verhandlung gegen 48-Jährigen wegen Sexualstraftaten:
Trauma auch noch nach zwölf Jahren

Vermischtes
Schwandorf
23.03.2016
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Amberg/Schwandorf. Der Prozess vor dem Landgericht wirft die Frage auf: Wie kann etwas geklärt werden, wenn sich die Vorfälle vor zwölf Jahren zugetragen haben? Eine schwierige Situation für die Erste Strafkammer des Landgerichts Amberg und alle Prozessbeteiligten. Die Anklage lautet auf sexuellen Missbrauch.

Am zweiten Verhandlungstag gegen einen 48-Jährigen aus dem südöstlichen Landkreis sagte die Vorsitzende der Ersten Strafkammer, Roswitha Stöber, einen bemerkenswerten Satz. Er lautete: "Ich würde dem Gesetzgeber manchmal wünschen, dass er in solchen Verfahren hier sitzt." Vor zwölf Jahren soll es im Haus des Angeklagten wiederholt sexuelle Übergriffe gegeben haben. Der Geschädigte war damals gerade einmal neun Jahre alt. Heute ist er ein junger Mann. Der jetzt 21-Jährige offenbarte sich zunächst einem Truppenarzt der Bundeswehr, danach schilderte er die Begebenheiten zwei Psychologinnen und schließlich auch Kriminalbeamten aus Amberg.

Klare Linie


Sie wurden nun als Zeugen vernommen und erzählten, was ihnen in einer Vielzahl einzelner Gespräche berichtet wurde. Diesen Schilderungen ließ sich entnehmen: Es gab eine sehr klare und übereinstimmende Linie in den Angaben. Dabei konnte sich der 21-Jährige auch an einen bestimmten körperlichen Makel des Angeklagten erinnern. Als Neunjähriger will der heute nicht mehr in seiner damaligen Heimatstadt wohnende Mann wiederholt im Haus des heute 48-Jährigen gewesen und dort missbraucht worden sein.

Nach übereinstimmender Auffassung des Truppenarztes und der Psychologinnen leidet er an traumatischen Belastungen, kann offenbar die seinerzeit über ihn hereinbrechenden Sexualattacken seelisch noch immer nicht verarbeiten. Auf seine Vernehmung vor der Strafkammer wurde verzichtet. Stattdessen sah sich die Strafkammer ein Video an, das während seiner Aussage vor einem Untersuchungsrichter angefertigt worden war. Darin schilderte er sehr präzise die Übergriffe. "Erstaunlich exakt", wie Richterin Stöber feststellte.

Nur zu Besuch


Der Beschuldigte blieb auch nach allen Zeugenaussagen dabei: "Das hat nie stattgefunden." Er räumte ein, dass der damals Neunjährige immer wieder mal zu Besuch kam. Aber nur in Begleitung seines Vaters, der sich zu dieser Zeit von seiner Ehefrau getrennt hatte. Der Prozess wird fortgesetzt.
Ich würde dem Gesetzgeber manchmal wünschen, dass er in solchen Verfahren hier sitzt.Roswitha Stöber, Vorsitzende der Ersten Strafkammer
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