Veterinäramt schreitet ein
Unzählige Tiere fristen elendes Dasein

Diese beiden Vierbeiner haben’s geschafft: Sie sind in sauberen Käfigen und werden gefüttert. Bilder: Dotzler
Vermischtes
Schwandorf
15.04.2016
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Die Vorsitzende des Tierschutzvereins, Gabi Hahn, leistet mit Mitarbeitern und dem Veterinäramt seit Donnerstag Schwerstarbeit.

Das Bild, das sich Veterinären auf einem Anwesen bot, übersteigt die Vorstellungskraft. Unzählige Tiere - Kaninchen, Meerschweinchen, Hühner, Enten, Gänse, Wellensittiche, aber auch Ziegen und Schafe, Hunde und Katzen - fristen ein elendes Dasein. Sie sind verwahrlost, ausgehungert, durstig. Seit Donnerstag sind die Retter da.

Schwandorf/Neunburg vorm Wald. Es war gegen 14 Uhr als Veterinäre des Landratsamtes nach einem Hinweis zu einem Anwesen im Neunburger Raum ausrückten, um nach dem Rechten zu sehen. Was sie dort dann sahen, ist unbeschreiblich und führte zu einem großen Einsatz. Verwahrloste, abgemagerte, fast verhungerte Tiere überall, ohne Futter, ohne Wasser, dafür reichlich Kot und Dreck. Es blieb ihnen nur, unverzüglich und schnell zu handeln.

Der am Freitag amtierende Sprecher des Landratsamtes Franz Pfeffer nennt auf NT-Anfrage Zahlen. Sie lassen aufhorchen und lösen ungläubiges Kopfschütteln aus: 60 Kaninchen, 30 Meerschweinchen, 120 Hühner, Enten und Gänse, 90 Tauben 30 Ziervögel, 20 Ziegen und Schafe, darüberhinaus noch ungezählte Hunde und Katzen. Eigentlich ein kleiner "Zoo", aber weder räumlich, noch finanziell, noch vom Arbeitsaufwand her zu stemmen. Die Tiere vegetierten im Haus, auf einem größeren Grundstück mit Hinterhof und Nebengebäuden dahin. "Die Eigentümerin war überfordert", sagt Pfeffer und spricht auf Nachfrage von einer fehlgeleiteten Tierliebe. So viele unterschiedliche Rassen artgerecht zu halten und zu versorgen übersteige die Kapazitäten eines Tierfreundes. Volieren, Käfige bräuchten viel Platz, erklärt er.

Allein schon die Versorgung sei kaum zu schaffen. Über die Tierhalterin hält sich Pfeffer bedeckt, außer dass sie bisher nicht aufgefallen sei. Unseren Informationen nach ist die auch Frau berufstätig. Die Kaninchen, Enten, Gänse und anderen Tiere wurden vor Ort versorgt. Das Veterinäramt wandte sich sofort an das Schwandorfer Tierheim. Alle Hunde und Katzen sowie etwa 20 Kleintiere, ein paar Hühner und vier Sittiche wurden abgeholt und noch am Donnerstagabend sauber untergebracht.

Doch im Tierheim ist jetzt Schicht im Schacht. "Wir sind voll", sagt Gabi Hahn, Vorsitzende des Tierschutzvereins, am Freitag kurz am Telefon. Ihr pressiert's. Hahn ist nämlich mit Helfern schon wieder auf dem Sprung Richtung Neunburg. "Um halb vier sollen wir dort sein." Seit Donnerstag ist auch sie bis an ihre Grenzen gefordert. Weitere 60 Tiere können abgeholt und in gepflegte Obhut übergeben werden, bemerkt sie und beruft sich auf das Veterinäramt, das auch den ganzen Freitag vor Ort sind.

Seit dieser Fall bekannt wurde, wird das Tierheim förmlich überrannt. Tierliebhaber melden sich pausenlos. Am Freitagabend wurden die 60 Tiere sofort weitergegeben. "Wir können uns auch vor Anfragen nicht mehr retten", sagt die Vorsitzende bevor sie auflegt, weil sie jetzt wirklich weiter muss. Die Eigentümerin ist allem Anschein nach damit einverstanden, dass die Sittiche, Enten, Ziegen, Wachteln und Finken wieder in geordnete Verhältnisse kommen.

Wer Tiere aufnehmen will, meldet sich beim Tierheim Schwandorf (Telefon 09431 / 61606, E-Mail: info@tierschutzverein-schwandorf.de).

Zum Artikel: Verwahrloste Tiere: Rettungsaktion geht weiter
5 Kommentare
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Silvia Bittner aus Schwandorf | 15.04.2016 | 23:43  
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Carola Mark aus Neunburg vorm Wald | 16.04.2016 | 09:00  
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Gabi Hahn aus Schwandorf | 16.04.2016 | 09:59  
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Carola Mark aus Neunburg vorm Wald | 18.04.2016 | 22:51  
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Gabi Hahn aus Schwandorf | 19.04.2016 | 06:02  
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