Vierjähriger stirbt bei Unfall
Verfahren gegen Mutter eingestellt

Ein vierjähriger Bub starb bei diesem Unfall vor knapp eineinhalb Jahren. Das Verfahren gegen die Mutter wurde am Donnerstag eingestellt. Archiv-Bild: Götz
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Schwandorf
13.10.2016
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Schwandorf/Bruck. Wenn Tragödie eines Beispiels bedarf, ist der Unfall prädestiniert dafür: Ein vierjähriger Bub fällt am 22. April 2015 bei einem Abbiege-Unfall, wie er tagtäglich vorkommt, vom Traktor und stirbt. Auf der Anklagebank sitzt am 13. Oktober 2016 die heute 37-jährige Mutter, erneut schwanger. Ein Zeuge wendet sich im Gerichtssaal - außerhalb des Protokolls - an sie: "Mir tut's leid, dass wir Ihrem Kind nicht helfen konnten. Alles Gute für Sie."

Der Wirtschaftsprüfer und Jugendwart einer Feuerwehr im südlichen Landkreis kam als Zeuge an die Unfallstelle auf der Kreisstraße SAD 1 an der Abzweigung nach Kölbldorf bei Bruck. Dort wollte an jenem Apriltag vor knapp eineinhalb Jahren die damals 35-jährige Angeklagte mit ihrem Traktorgespann nach links abbiegen. In diesem Moment überholte eine 18-Jährige mit ihrem BMW. Er stieß gegen die linke Vorderachse des Schleppers, der umkippte. Der Bub prallte mit dem Kopf auf die Fahrbahn und starb wenig später. Das Verfahren gegen die Autofahrerin wurde eingestellt. Die Mutter des getöteten Buben erhielt allerdings einen Strafbefehl wegen fahrlässiger Tötung. Dagegen legte sie Einspruch ein. "Ich halte das nicht für richtig. Ich habe geblinkt. Ich habe mein Kind verloren", sagte sie nun bei der Verhandlung am Amtsgericht zur stellvertretenden Amtsgerichtsdirektorin Petra Froschauer. Dem stand die Aussage der Autofahrerin entgegen: "Wenn sie geblinkt hätte, hätte ich nicht überholt. Außerdem hat das Traktorgespann die Kurve geschnitten."

Die Zeugen am Unfallort, darunter ein Rettungssanitäter, achteten nicht auf den Blinker. Sie leisteten Erste Hilfe oder sicherten die Unfallstelle ab. Der Feuerwehrmann weiß nur: "Beim Traktor lief der Motor noch. Ich habe den Zündnagel rausgezogen. Nach kurzer Zeit ist er ausgegangen." Nach den Worten des Gutachters stand der Blinkerhebel auf links. Sämtliche Leitungen und Kabel seien intakt gewesen. "Wir können nicht ausschließen, dass die Angeklagte zu irgendeinem Zeitpunkt geblinkt hat", hakte Amtsrichterin Froschauer nach.

Kein Kindersitz da


Dies bejahte der Sachverständige. Wie lange könne er nicht sagen. Auch aus der Tatsache, dass der Bub auf dem linken Kotflügel mit Haltebügel statt in einem Kindersitz saß, kann der Frau kein strafrechtlicher Strick gedreht werden. Die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft rät zwar zum Kindersitz, gesetzlich vorgeschrieben ist er aber nicht. Was bleibt: Die Frau hätte kurz vor dem Abbiegen noch einmal umschauen und nicht so schnittig in die Kurve fahren müssen. Das war Richterin Froschauer für eine Verurteilung zu wenig, weshalb sie eine Einstellung ohne Auflage anregte. Einen Freispruch sehe sie auch nicht, denn: "Es sind Versäumnisse da." Staatsanwaltschaft und Angeklagte stimmten der Einstellung zu.

Ich halte das nicht für richtig. Ich habe geblinkt.Angeklagte Mutter
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Ludwig Dierl aus Waidhaus | 13.10.2016 | 18:58  
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