Volksmusikpfleger Alois Gillitzer zeigt sich enttäuscht von BR 1-Entscheidung
Volksmusikpfleger Alois Gillitzer zeigt sich enttäuscht von BR 1-Entscheidung

Vermischtes
Schwandorf
08.02.2016
39
0

Der Bayerische Rundfunk verabschiedet sich auf seinem Sender BR 1 von der Volksmusik. "Das ist zwar traurig, aber es überrascht mich nicht", sagt Alois Gillitzer. Er ist heuer 25 Jahre im Amt als Volksmusikpfleger für den Landkreis Schwandorf.

Der Metzgermeister, Musikant, Moderator und Buchautor aus Niedermurach musste einige Tage das Bett hüten. Dort vernahm er dann, was zwischenzeitlich zum Zünd- und Diskussionsstoff geriet: Der Sender Bayern 1 streicht die allabendliche Volksmusik-Stunde, es wird an Sonntagvormittagen auch keine Blasmusik mehr geben. "Wundert mich nicht", hat Alois Gillitzer jetzt geäußert und ergänzt, dass Tradition offenbar nicht mehr erwünscht sei.

Gillitzer, über lange Jahre hinweg Mitglied der "Niedermuracher Sänger" und hoch gelobt dafür, dass er seinerzeit nach der Grenzöffnung oberpfälzische und böhmische Volksmusikanten zueinander brachte, war bis vor knapp einem Jahrzehnt Moderator von Volksmusiksendungen beim Sender Bayern 1. Er selbst spricht heute ungern darüber, doch viele Oberpfälzer wissen noch aus damals erschienenen Medienberichten: Irgendwann wurden die sich allabendlich abwechselnden Sprecher, die aus den Regierungsbezirken Bayern stammten und ihre Wurzeln in der Volksmusik hatten, durch professionelle Ansager ersetzt. Diesem fast schon ansatzlosen Schnitt fiel auch Alois Gillitzer zum Opfer.

Das Honorar war für den Schwandorfer Volksmusikpfleger Nebensache. Ihm ging es um den Erhalt und die Verbreitung von Klängen, die sich im Laufe von Jahrzehnten und Jahrhunderten entwickelten. Dennoch saß Gillitzer auch danach noch Tag für Tag vor seinem Radio und hörte von 19 bis 20 Uhr die ihm ans Herz gewachsene Sendung. "Das mache ich allerdings schon einige Zeit nicht mehr", ließ er jetzt anklingen. "Weil dort Musik aus Südtirol und Österreich kommt, aber nahezu nichts mehr aus der Oberpfalz oder aus dem Bayerwald." Der "Musikantenstadl" und die darin auftretenden Akteure der sogenannten volkstümlichen Musik waren nie Gillitzers Sache. Er fühlte sich immer als Interessenswahrer von legendären Leuten wie Wastl Fanderl und dem Roider Jackl. "Das waren Idole der bayerischen Volksmusik", ließ er im Gespräch anklingen und fügte hinzu: "Der BR hätte dazu beitragen können, dass es irgendwann neue solche Vorbilder für die Jugend gibt. Doch er hat es nicht getan."

Nun werden traditionelle Klänge aus dem Programm von Bayern 1 verbannt. "Da muss man irgendwie resignieren", beschreibt Alois Gillitzer seine Stimmung. Tröstet es ihn, wenn der Bayerische Rundfunk darauf verweist, dass es ja durchaus noch Volksmusik über das Digitalradio gebe. Seine Antwort: "Keiner kann die Hörer dazu verpflichten, sich mit diesem Digitalradio auseinanderzusetzen und niemand darf erwarten, dass sich jemand einen solchen Empfänger anschafft."
Weitere Beiträge zu den Themen: Volksmusik (75)Alois Gillitzer (2)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.