Vom Foul zum Fall fürs Gericht

Symbolbild: dpa
Vermischtes
Schwandorf
10.08.2016
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Der jähe Angriff erfolgte nach Beobachtungen von Zeugen "in Kung-Fu-Manier". Bei den Fußball-Hallenstadtmeisterschaften in Schwandorf wurde ein Spieler von hinten mit einem Fußtritt an die Halswirbelsäule attackiert, und er bekam auch einen Fausthieb. Der Täter saß jetzt vor dem Amtsgericht.

Wenn sportliche Begegnungen ausufern, kommt mitunter die Justiz ins Spiel. Sie übernimmt dann die Schiedsrichterrolle und ahndet solche, die eigentlich nicht auf einen Platz gehören. Was nun unter Mitwirkung von 19 Zeugen vor dem Schwandorfer Amtsgericht ablief, war die Klärung eines Zwischenfalls, den man in solcher Form bisher nicht kannte. Eine gefährliche Körperverletzung der übelsten Art.

In der Oberpfalzhalle wurden am 13. Dezember letzten Jahres die Schwandorfer Stadtmeisterschaften im Hallenfußball ausgetragen. Acht Teams nahmen daran teil. Darunter auch die FT Eintracht Schwandorf und der TuS Dachelhofen. Mehrere Tore waren kurz vor 17 Uhr in der Begegnung beider Teams bereits gefallen, als einer der Dachelhofer Akteure unsauber attackiert wurde. "Sehr heftig", sagten manche. Andere waren der Auffassung: "Ein Allerweltsfoul".

Video als Beweismittel


Die Gemüter erhitzten sich. Ein Mitspieler des unsanft angegangenen jungen Mannes aus Dachelhofen tadelte den "Täter", er schubste ihn wohl auch mit beiden Händen weg. Der Schiedsrichter (69) eilte herbei. Er hatte zwar das Foul gesehen, nicht aber das - so ließ sich seinen Angaben entnehmen - was einige Augenblicke später geschah: schwer begreiflich für die Richterin.

Ein 22-Jähriger aus dem Eintracht-Team, nicht in unmittelbarer Nähe stehend, nahm (so ein Zeuge) "zehn Meter Anlauf" und stürmte von hinten auf denjenigen der TuS-Mannschaft zu, der mit seinen Händen den Spieler, der das Foul beging, weggeschoben hatte. Was dann passierte, war eine Art Kampfsporteinlage: Der 22-Jährige Eintracht-Mann rammte nach Kung-Fu-Manier dem 25-jährigen TuS-Akteur einen Fuß in den oberen Rückenbereich. Der Hieb traf die Wirbelsäule in Halsnähe. "Er hätte danach im Rollstuhl sitzen können", zeigte sich ein Augenzeuge entsetzt. Außerdem soll der Täter seinem Opfer mehrere Faustschläge an den Kopf versetzt haben.

Zumindest einen der Fausthiebe gab der Angeklagte zu. Ansonsten: "Ich bin nur dazwischen gesprungen". Keine Verletzungsabsicht sei es also gewesen und niemals ein Einschreiten in Kampfsportmanier. Ein dem Gericht vorliegendes Video zeigte es anders. Die Begegnung war nach dem Zwischenfall abgebrochen und das Eintracht-Team vom Turnier ausgeschlossen worden. Der verletzte TuS-Akteur musste ins Krankenhaus, er war nach dem rüden Angriff drei Wochen arbeitsunfähig. Vor Gericht sagte er nun: "Er kam von hinten, ich konnte den Mann nicht sehen."

Die Richterin hatte bereits im Vorfeld dazu ermahnt, "nicht mannschaftsmäßig auszusagen". Doch der Eindruck eines gewissen Zusammenhalts drängte sich Beobachtern auf. So musste sich die Vorsitzende auf den Videofilm und Angaben unbeteiligter Zuschauer stützen. Etliche aus dem Publikum waren seinerzeit auf das Spielfeld gestürmt. "Es herrschte Chaos", erfuhr Petra Froschauer.

Gefährliche Körperverletzung


Nach über fünfstündigem Prozess hielt die Vorsitzende den wuchtigen Tritt an den Halsbereich des 25-Jährigen für erwiesen. Ferner war sie überzeugt davon, dass der junge Mann zumindest einen Faustschlag gegen den Kopf erhielt. Das Opfer hatte von drei Schlägen gesprochen.

Wegen gefährlicher Körperverletzung verhängte die Vorsitzende eine Geldstrafe in Höhe von 5400 Euro. Sie blieb damit unter dem Strafantrag von Staatsanwältin Jennifer Jäger. Sie hatte 7200 Euro Strafe verlangt. Die Verurteilung zu lediglich 15 Tagessätzen forderte Verteidiger Norbert Rötzer. Nur der vom Beschuldigten zugegebene Faustschlag sei erwiesen, führte er in seinem Schlussvortrag ins Feld.
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