Waren im Wert von 16 000 Euro ergaunert
Betrugsmasche mit leeren Konten

Vermischtes
Schwandorf
08.11.2016
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Amberg/Schwandorf. Er ist erst 23 Jahre alt. Gemeinsam mit seiner Frau ging der aus Osteuropa stammende Asylbewerber zwei Monate lang auf eine Betrugstour der außergewöhnlichen Art: 46 Geschäfte in Amberg, Schwandorf und Regensburg wurden von dem Ehepaar um Waren im Wert von 16 000 Euro gebracht.

Gegen die Frau - mit ihren beiden kleinen Kindern vermutlich in Frankreich abgetaucht - besteht Haftbefehl. Den hatte die Staatsanwaltschaft auch gegen ihren Ehemann erwirkt. Doch auch der war nicht mehr da, als erste Betrugsanzeigen bei der Polizei einliefen und man ihn heuer im Frühjahr in einem Amberger Asylbewerberheim befragen und festnehmen wollte. Die Fahnder mussten sich gedulden, bis der 23-Jährige im Mai beim Ausländeramt Amberg auftauchte. Zunächst ging er wieder. Doch dann kam er abermals, und mit ihm eine Funkstreifenbesatzung. Der Mann versuchte zu flüchten - die Uniformierten waren schneller.

Seither sitzt der junge Familienvater in U-Haft. Er wurde nun der Richterin Julia Taubmann vorgeführt und hörte, was ihm Staatsanwältin Dr. Isabel Rupprecht vorhielt. Die Anklageschrift wies eine von krimineller Energie geprägte Tour aus, die innerhalb weniger Wochen in 46 Geschäfte führte. Dabei sackten der Angeklagte und seine Frau in Bekleidungs-, Schuh- und Lederwarenläden hochwertige Ware im Wert von 16 000 Euro ein. Von der Beute tauchte nichts mehr auf. Angeblich wurde sie an Bekannte und Freunde verschenkt.

Geständig vor Gericht


Der 23-Jährige folgte dem Rat seines Verteidigers Jürgen Mühl und gestand umfangreich. Dabei stellte sich detailliert heraus, wie das "Einkaufen zum Nulltarif" vonstatten ging. Der Mann und seine ihn begleitende Ehefrau eröffneten Konten bei acht Banken, zahlten eher minimale Beträge ein und bekamen EC-Karten. Mit ihnen bezahlten sie in den Läden. Dass die Konten quasi blank waren, stellte sich erst später heraus. Da hatten die Betrüger längst die Geschäfte verlassen. Bisweilen führten die Zugfahrten auch nach Schwandorf, wo Ladenbesitzer ebenfalls bis heute auf Schadensbegleichung warten. "Doch zahlen können und wollen Sie nicht", beschrieb Richterin Taubmann ihre während der Verhandlung gewonnenen Eindrücke.

Nicht selten werden ausländische Diebe, Einbrecher und Betrüger nach einigen Monaten U-Haft am Ende ihres Verfahrens von Gerichten in der Region auf freien Fuß gesetzt und dürfen mit zur Bewährung ausgesetzten Reststrafen gehen. Diesmal nicht. Amtsrichterin Julia Taubmann schickte den 23-Jährigen wegen gewerbsmäßigen Betrugs für 20 Monate ins Gefängnis. Staatsanwältin Rupprecht hatte eine Ahndung in dieser Höhe beantragt. "Selbstverständlich ohne Bewährung", wie sie sagte. Auch damit befand sich die Anklagevertreterin im Einklang mit der Richterin. Die Forderung von Verteidiger Mühl, dem bis dahin nicht vorbestraften Betrüger eine Chance zu geben, verhallte ungehört.

"Das dulden wir nicht"


Die Richterin sagte in der Urteilsbegründung: "Eine andere Ahndung könnte man der Allgemeinheit nicht erklären." Dann fuhr die Juristin schweres Geschütz auf. Sie schrieb dem 23-Jährigen ins Stammbuch: "Ihnen ist unsere deutsche Rechtsordnung gleichgültig - und genau das dulden wir nicht." Die Serie von 46 Betrügereien zeige "keinerlei Anhaltspunkte für eine Bewährungsstrafe", unterstrich Taubmann und ließ nicht unerwähnt, dass der in Deutschland um Asyl nachsuchende 23-Jährige samt seiner Familie monatlich 800 Euro vom Staat erhalten habe. Außerdem seien auch die Mietkosten vom Gastgeberland übernommen worden.

Der 23-Jährige hatte während der Verhandlung darauf verwiesen, dass ihm der Tipp mittels ungedeckter EC-Karten bargeldlos einzukaufen, von Bekannten gegeben worden sei.
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