Wer hatte die teuflische Idee?

Der 68-jährige Angeklagte (rechts) behauptet, dass die Idee, die Rohrbombe zu bauen, von seinem 53-jährigen Bekannten kam. Der Mann hat sich nach seiner Inhaftierung das Leben genommen. Vor der Kripo und einem Untersuchungsrichter hatte er immer beteuert, nie am Bau einer Bombe beteiligt gewesen zu sein. Bild: Hartl
Vermischtes
Schwandorf
24.10.2016
767
0

Im Schwurgerichtssaal wurden die Worte eines Mannes verlesen, der sich nach seiner Inhaftierung das Leben nahm. Der 53-Jährige aus Steinberg beteuerte vor der Kripo und einem Untersuchungsrichter: "Ich habe nichts gemacht, war am Bau einer Bombe nie beteiligt". Dies sind Angaben, die das Schwurgericht nun gewichten muss.

Amberg/Schwandorf. War es ein Mordversuch? Oder doch nur, wie Verteidiger Dr. Gunther Haberl meint, die Herbeiführung einer Explosion? Beides liegt in der Ahndung weit auseinander. Doch der, dem im Prozess vor dem Landgericht die Rolle des Angeklagten zukommt, ist sich dessen wohl noch immer nicht bewusst.

"Hätte er nie geschafft"


Er hat den Bau einer Rohrbombe, die im Schwedenofen eines wie er in Steinberg am See wohnenden Ehepaares detonierte, zwar eingeräumt. Doch noch immer behauptet der Mann, die teuflische Idee zu diesem Vorhaben sei seinem 53-jährigen Freund aus Steinberg gekommen. Die beiden Töchter des Beschuldigten, als Zeuginnen gehört, halten es nicht für möglich, dass ihr Vater einen Sprengsatz selbst konstruierte. "Das hätte er nie geschafft", sagte eine von ihnen.

"Das ist ein Narrischer"


Doch im krassen Gegensatz dazu steht, was der angebliche Helfer beim Bombenbau heuer im April vor der Kriminalpolizei und dann auch vor einem Ermittlungsrichter kategorisch feststellte. "Ich habe damit nichts zu tun", diktierte er und fügte fragend hinzu, weshalb er das gemacht haben sollte. Die Leute, auf deren Holzstoß das präpapierte Scheit gelegt wurde, seien ihm seit langem bekannt. Er habe nichts gegen sie. Noch eines wurde aus den Niederschriften verlesen: "Das ist ein Narrischer!" Gemeint war damit sein Bekannter, der nahezu jeden Tag bei ihm erschien.

Ein Verrückter? Unterdessen sind viele Steinberger Ortsbewohner vernommen. Darunter auch Vereinsvorsitzende. Am dritten Prozesstag formte sich aus deren Angaben ein Bild, dass es da einen unter ihnen gab, der übel reagierte, wenn er sich über Kleinigkeiten ärgerte: Mit Sekundenkleber unbrauchbar gemachte Schlösser, über den Zaun geworfenes und vergiftetes Fleisch für einen Nachbarshund, mit Unkrautvernichtungsmittel in ein Rasenstück eingebrannte Hakenkreuze.

Auf Katze geschossen


"War ich nicht", reagierte der 68-Jährige. Eines aber ist erwiesen: Er schoss mit seinem KK-Gewehr auf eine Katze, weil sie in seinem Garten unterwegs war. Das Tier musste später eingeschläfert werden, er zahlte 1500 Euro Geldstrafe.

In den vergangenen Tagen haben Polizeifahnder in den noch vorhandenen Holzbeständen des geschädigten Ehepaares und dessen Vaters und Schwiegervaters nach einer weiteren Bombe gesucht. Doch ein zweiter Sprengsatz war nicht vorhanden.

Voll verantwortlich


Noch ein weiteres Detail ist von Bedeutung: Der 68-Jährige leidet offenbar weder an einer psychischen Erkrankung noch an einer Persönlichkeitsstörung. Zu dieser Auffassung gelangte am Montagabend der Sachverständige Thomas Lippert (Nürnberg). Das bedeutet: Im Fall eine Schuldspruchs wäre der ehemalige BBI-Arbeiter voll verantwortlich. Ein Urteil wird am Mittwoch erwartet.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.