Wer keinen Unterhalt zahlt, kann im Gefängnis landen - 43-Jähriger will das nicht wahrhaben
Bei Unterhaltspflichtverletzung kann Haft drohen

Vermischtes
Schwandorf
04.01.2016
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Der Mann reiste eigens aus Hamburg an, um der Richterin sein Leid zu klagen. 1300 Euro Monatsverdienst und dann auch noch Alimente zahlen. Das, barmte der 43-Jährige, gehe ganz sicher nicht. "Doch, das geht", befand die Vorsitzende.

Das Delikt der Unterhaltspflichtverletzung braucht an sich lange, bis es einem Strafrichter auf dem Tisch liegt. Zuerst werden meist gütliche Einigungsversuche gestartet, kommt es zu Vergleichen. So auch in diesem Fall: Für einen seiner in Schwandorf lebenden Söhne muss der 43-Jährige unterdessen nichts mehr überweisen. "Aber für den zweiten haben sie 276 Euro im Monat zu zahlen", tadelte Amtsrichterin Petra Froschauer.

Der Vorwurf von Staatsanwalt Stefan Schneider konzentrierte sich auf das Jahr 2014. Doch rasch wurde nach einer Vernehmung der geschiedenen Ehefrau des Angeklagten klar: Der nach seiner Trennung von der Naab an die Elbe gezogene Mann zahlt bis heute keinen Unterhalt. "Wie denn auch?", ließ er einer der russischen Sprache mächtigen Dolmetscherin übersetzen und seine Situation schildern.

Die Lage ist nach Ansicht des als Lastwagenfahrer arbeitenden Mannes prekär, sie schnürt ihn nach eigenen Angaben regelrecht ein und lässt keine finanziellen Spielräume: 1300 Euro Monatseinkommen, von dem die Miete und der eigene Lebensunterhalt zu bestreiten sind. "Tanken muss ich auch", wurde der Richterin vor Augen gefügt und ergänzt, da seien auch noch 20 000 Euro Schulden abzustottern. Zum Beispiel für einen Prozess, der ihn wegen organisierter Schleusung für viereinhalb Jahre hinter Gitter gebracht hatte.

Die Vorsitzende hörte sich das an und schrieb dem gebürtigen Kasachen ins Stammbuch: "Unterhaltszahlungen sind vorrangig." Danach wurde Petra Froschauer noch deutlicher: "Es kann doch nicht sein, dass Kinder in die Welt gesetzt werden und der Vater später nur an sein eigenes Fortkommen denkt." Damit war ein Zeichen für den Ausgang des Verfahrens gesetzt. Es ließ sich ferner auch abschätzen, dass der 43-Jährige umsonst Einspruch gegen einen Strafbefehl eingelegt und die lange Reise von Hamburg nach Schwandorf vergebens angetreten hatte.

Wenn es nach dem Staatsanwalt gegangen wäre, hätte der säumige Alimentenzahler ein halbes Jahr hinter schwedischen Gardinen zubringen müssen. Nur auf die eigene Lage zu verweisen, hielt Schneider für empörend. "Da bleibt einem die Sprache weg", schilderte er seine Eindrücke und ergänzte: "Ich habe selten einen Vater gesehen, der so von Eigensucht getrieben war."

Die Richterin verhängte drei Monate mit Bewährung. Allerdings schrieb sie diverse Auflagen in ihr Urteil. Sie will ab sofort regelmäßig Überweisungsquittungen sehen und beauftragte einen Hamburger Bewährungshelfer, sich mit um die Einhaltung der Unterhaltspflichten zu kümmern. Dem 43-Jährigen mochte das nicht einleuchten. Er will vor das Landgericht Amberg in Berufung gehen. "Das ist Ihr gutes Recht", befand Petra Froschauer. "Dort sollten Sie aber auch sagen, dass der Staatsanwalt hier Haft ohne Bewährung beantragt hat."
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