"Woche der Wiederbelebung"
Herzdruckmassage mit Disco-Beats

Viele Ursachen können zu einem Herzstillstand führen: Schwere allergische Reaktionen, das Verschlucken eines Stücks Fleisch, ein akuter schwerer Herzinfarkt, eine Lungenembolie, Unfallverletzungen oder Unterzucker. Praxisanleiter Thomas Diegel (links), Alex Münzl und Roland Lebrecht demonstrieren Wiederbelebungsmaßnahmen. Bild: Völkl
Vermischtes
Schwandorf
23.09.2016
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Was haben die Bee Gees mit Wiederbelebung zu tun? Der Rhythmus von "Stayin' Alive" passt ideal zur Herzdruckmassage. Beherzte Helfer können Leben retten. Hilfsorganisationen im Landkreis registrieren zunehmendes Interesse an Kursangeboten, aber auch die Angst, etwas falsch zu machen.

Falsch ist nur, nichts zu machen", betont Thomas Diegel, Praxisanleiter der Rettungswache im Kreisverband Schwandorf. Deshalb findet er die laufende "Woche der Wiederbelebung" auch "wirklich gut". Es gehe darum, immer wieder ins Bewusstsein zu rufen, wie überlebenswichtig Erste Hilfe von Laien bei einem Herzstillstand ist. Der 70-köpfige Rettungsdienst ist stets präsent. Wenn die Rettungswagen sofort verfügbar sind, können die BRK-Helfer in durchschnittlich sechs Minuten vor Ort sein. Doch ein Fahrzeug kann auch gerade einen anderen Einsatz haben. Dann wird der Rettungswagen einer weiter entfernten Wache losgeschickt.

"Aber beim plötzlichen Herzstillstand eines Menschen sinkt die Überlebenschance pro Minute um zehn Prozent, wenn keine lebensrettenden Maßnahmen ergriffen werden", betont Diegel. Über die Nummer 112 kann jeder den Rettungsdienst alarmieren. Diegel weiß aus 14-jähriger Berufserfahrung, "dass sich die Überlebenschancen für Patienten in extremen Situationen wesentlich verbessern, wenn sie schon reanimiert werden, bis der Rettungsdienst eintrifft".

Der BRK-Mann beobachtet zwei Entwicklungen: "Die Leute werden vorsichtiger, wir werden viel öfter alarmiert. Im Kreisverband sind die Einsatzzahlen in den letzten zehn Jahren um ein Drittel angestiegen". Doch es nehme auch die Bereitschaft zu, "selbst zu helfen". Sowohl Diegel als auch Andreas Denk, Pressesprecher der Johanniter Ostbayern, beobachten mehr Zulauf bei den Erste-Hilfe-Kursen. Verstärkt lassen Betriebe Ersthelfer ausbilden, werden Kenntnisse aufgefrischt. Die "Erste Hilfe am Kind" ist schnell ausgebucht. Das unterstreicht auch Marko Frischholz von "Rescue Train" in Nabburg. "Das Sicherheitsdenken nimmt zu." In den letzten eineinhalb Jahren schätzt er die Zunahme bei Kursen auf 20 bis 30 Prozent. Und wer unsicher ist: Bei der Integrierten Leitstelle in Amberg gibt es die Telefon-Reanimation. Unter der Nummer 112 fragen geschulte Fachkräfte die Situation ab und leiten Anrufer durch die Wiederbelebung bis der Rettungsdienst eintrifft.

Thomas Diegel möchte Helfern die Angst nehmen, dass sie einem Patienten bei der Wiederbelebung Verletzungen zufügen könnten. Wenn bei der Herzdruckmassage Rippen gebrochen werden, sei dies das kleinere Übel. "Kein Helfer kann rechtlich belangt werden". Doch jeder sei gesetzlich verpflichtet zu helfen - außer, er würde sich in Gefahr bringen. Diegel erinnert sich spontan an drei markante Fälle, "Menschen, die nach einem Herzstillstand mittelfristig das Krankenhaus wieder gehend und ohne Folgeschäden verlassen konnten. "Sie würden nicht mehr leben, wären sie nicht von medizinischen Laien reanimiert worden." (Hintergrund)
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