ZMS geht neue Wege
Bakterien schlürfen Metalle

Das Müllkraftwerk Schwandorf (im Vordergrund) hat eine Kapazität von 450 000 Tonnen pro Jahr. Das Gewerbemüllaufkommen steigt seit Jahren. Mit einer Sortieranlage sollen wertvolle Stoffe separiert werden. Außerdem geht der ZMS neue Wege: Aus der Schlacke sollen Bakterien Metalle rückgewinnen. Bild: Götz
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Schwandorf
23.01.2016
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Bakterien sollen dem Zweckverband Müllverwertung Schwandorf (ZMS) künftig dabei helfen, wertvolle Rohstoffe aus der Kraftwerks-Schlacke zu gewinnen. Außerdem investiert der ZMS rund zwölf Millionen Euro in eine Anlage zur besseren Trennung von Sperr- und Gewerbemüll.

Swandorf. (ch) "Bioleaching" heißt die Technik, bei der Bakterien Metalle wie Kupfer, Nickel oder Aluminium aus der Schlacke des Müllkraftwerks lösen. Die Methode wird bereits im Bergbau angewendet. Die Gewinnung aus Schlacke ist aber komplizierter. ZMS-Vorsitzender, Landrat Thomas Ebeling und Verbandsdirektor Thomas Knoll zeigten sich aber am Donnerstag in einem Pressegespräch optimistisch. Das Forschungsprojekt läuft in Zusammenarbeit mit dem Frauenhoferinstitut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (Straubing) und einem privaten Biotechnologie-Unternehmen, dessen Name noch unter Verschluss gehalten wird. Die Konkurrenz schläft nämlich nicht.

Bis Ende des Jahres sollen die Forschungen soweit abgeschlossen sein, dass über den großtechnischen Einsatz beschlossen werden kann. Entscheidend wird sein, ob die Anlage, die in Schwandorf entstehen könnte, kostendeckend zu betreiben ist.

Die gute Konjunktur und rechtliche Vorgaben lassen in den vergangenen Jahren das Gewerbemüll-Aufkommen explodieren. Das Müllaufkommen im Verbandsgebiet zwischen Hof im Norden und Landshut im Süden übersteigt die Verbrennungskapazität des Schwandorfer Kraftwerks. Der ZMS und seine 100-Prozent-Tochter OVEG investieren rund 12 Millionen Euro in eine "Vorschaltanlage", die in Bodenwöhr (Kreis Schwandorf) entstehen soll. Dort sollen aus dem Sperr- und Gewerbemüll nutzbare Stoffe aussortiert werden, also vornehmlich Holz, Metalle, Papier und Pappe und Glas. Die Menge könnte so um etwa 60 Prozent verringert werden. Das Holz kann für Spanplatten weiterverwendet werden, oder es landet in Biomasse-Kraftwerken. Auch Material mit sehr hohem Brennwert wie Autoreifen werden separiert. "Die sind in einem Zementwerk besser aufgehoben," sagte Knoll. Der hohe Heizwert des Gewerbemülls sorgt im Müllkraftwerk für höheren Verschleiß. Die neue Anlage soll eine Kapazität von zunächst 25 000 Tonnen haben. Zehn qualifizierte Arbeitsplätze werden entstehen. Start soll im Frühjahr 2017 sein.

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