Zwei Sportskameraden sehen sich vor Gericht - Entscheidende Frage: Verprügelt oder selber ...
Sportvereins-Party endet im Streit

Vermischtes
Schwandorf
09.04.2016
54
0

Amberg/Schwandorf. Die Party eines Sportvereins wurde an ungewöhnlichem Ort gefeiert. Sie fand in einem Bauwagen statt, endete morgens um halb vier und hatte nun ein Nachspiel vor dem Amberger Landgericht.

Sie waren die letzten beiden Gäste und zum Schluss ohne weitere Beobachter in dem Bauwagen, der an einem Stadtrand im Osten des Landkreises seinen Standplatz hatte. Draußen - das sollte später eine Rolle spielen - herrschten Temperaturen um den Nullpunkt, drinnen verströmte ein Ofen wohlige Wärme in dieser November-Nacht.

Was gegen 3.30 Uhr geschah, hatte bereits das Amtsgericht Schwandorf beschäftigt und dazu geführt, dass ein 31-Jähriger zehn Monate zur Bewährung bekam. Er soll im Rausch einen Streit mit dem neben ihm im Bauwagen sitzenden Sportskameraden begonnen, ihn brutal aus dem vierrädrigen Gefährt geworfen, draußen im Freien auf ihn eingeschlagen und auch getreten haben. Doch das verneinte er jetzt vor der Dritten Strafkammer, die unter Vorsitz von Richter Gerd Dreßler tagte.

Viel Alkohol im Spiel


Der Freund aus dem Sportverein, so hörte das Gericht vom Angeklagten, sei betrunken hinaus getorkelt, habe sich verletzt und am Boden in der Nähe des Bauwagens niedergelegt. Der mutmaßliche Täter - und das stand fest - holte daraufhin Verbandszeug, versorgte ihn, breitete eine Decke über dem 35-Jährigen aus und ging seiner Wege. Drei Kilometer weiter kam er daheim an und legte sich ins Bett. "Da muss man schon über unterlassene Hilfeleistung nachdenken", sinnierte Richter Dreßler und fuhr fort: "Sie hätten etwas tun müssen."

Vor dem Schwandorfer Amtsgericht hatte der unter einer Decke im Freien liegengebliebene 35-Jährige den Hergang völlig anders geschildert: Grundlos geschlagen, mit Füßen getreten und dann sich selber überlassen. Allerdings stand auch er seinerzeit erheblich unter Alkohol. Das machte die Aufklärung nicht einfach. Vor dem Landgericht musste der Mann jetzt nicht mehr aussagen. Denn es kam zu einer Entscheidung, die anders als das Ersturteil ausfiel.

Schmerzensgeld fällig


Nach einem sogenannten Rechtsgespräch, das Verteidiger Michael Haizmann (Regensburg), Staatsanwalt Stefan Schneider und die Richter führten, wurde das Verfahren eingestellt. Allerdings unter der Auflage, dass der 31-Jährige seinem Kontrahenten 7000 Euro Schmerzensgeld zahlt und die Kosten der Nebenklage übernimmt. Das will er nun kurzfristig machen. Im Verlauf der Berufungsverhandlung hatte sich herausgestellt, dass der Beschuldigte wegen einer Persönlichkeitsstörung offenbar nicht in der Lage war, sein Vorgehen kontrolliert zu steuern.
Weitere Beiträge zu den Themen: Landgericht Amberg (83)Körperverletzung (88)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.