Agentur für Arbeit registriert deutlich mehr Ausbildungsstellen als Bewerber
Lehrstellenmarkt: Demografie ist nicht alles

Wirtschaft
Schwandorf
01.07.2016
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Die aktuelle Lage auf dem Ausbildungsmarkt ist im Vergleich zum Vorjahr von einem Anstieg der gemeldeten Ausbildungsstellen sowie einem Rückgang der gemeldeten Bewerber geprägt. Das teilte die Agentur für Arbeit mit. Im Landkreis Schwandorf sind bis Juni 1436 Lehrstellen zur Besetzung gemeldet worden, das sind 75 Stellen oder 5,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Demgegenüber stehen 864 gemeldete Bewerber: 32 oder 3,6 Prozent weniger als im Vorjahr.

Die Ausbildungsstatistik weist ferner - wie auch bereits in den Vormonaten - im Gesamtbezirk der Agentur für Arbeit Schwandorf (Landkreise Schwandorf, Cham, Amberg-Sulzbach und Stadt Amberg) sowie auch den einzelnen Teilregionen einen deutlichen Stellen-Überhang aus. Jahrelang war das andersherum. Erst 2011 schnappte die Schere zu, seither sind die Bewerber auf der für sie günstigeren Seite.

Seit Oktober vergangenen Jahres - dann beginnt das statistische Jahr für den Ausbildungsstellenmarkt bei der Agentur - bis Ende Juni meldeten Betriebe für den gesamten Bezirk der Agentur für Arbeit Schwandorf 4147 Ausbildungsplätze. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahreszeitraum einen Anstieg von 272 Ausbildungsplätzen oder sieben Prozent. Aktuell sind noch 1532 Stellen unbesetzt.

Weiter in die Schule


Den Betrieben im Bezirk der Agentur seien die zurückgehenden Schülerzahlen, der drohende Fachkräftemangel sowie die große Bedeutung der eigenen Ausbildung bewusst. Deshalb hätten die ausbildungsberechtigten Unternehmen ihren Bedarf an Nachwuchskräften in größerem Umfang als im Vorjahr gemeldet.

Dem Ausbildungsplatzangebot stehen im Juni 2743 Jugendliche mit Wohnort im Bezirk der Agentur für Arbeit Schwandorf gegenüber, die als Bewerber gemeldet sind und einen Ausbildungsplatz anstreben. Das sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 136 Bewerber oder 4,7 Prozent weniger. Unversorgt sind derzeit noch 564 Jugendliche.

Die rückläufige Entwicklung der Bewerber ist teilweise auf die demografische Entwicklung zurückzuführen. Aber es sind weitere Gründe im Berufswahlverhalten erkennbar: Leistungsfähige Jugendliche besuchen nach dem mittleren Bildungsabschluss weiterführende Schulen. Teilweise wiederholen Schüler zum Zwecke der Noten-Verbesserung auch die letzte Jahrgangsstufe der jeweiligen, allgemeinbildenden Schule und stehen damit für eine Ausbildung noch nicht zur Verfügung. Ein erfolgreich verlaufenes Betriebspraktikum führt häufig auch schon direkt zum Ausbildungsvertrag, so dass diese Personen aus dem Statistik-Raster fallen. Jugendliche sind nur dann in der Bewerberstatistik dargestellt, wenn sie eine betriebliche Ausbildung anstreben, ausbildungsreif sind und Angebote der Agentur wünschen.

Noch drei Monate


Drei Monate verbleiben noch bis zum Ende des Berichtsjahres. "Es ist aktuell noch keine endgültige Aussage möglich, jedoch ist absehbar, dass die aufgezeigten Entwicklungen bis zum Ende des Berufsberatungsjahres am 30. September 2016 anhalten werden", schreibt die Agentur.

Im Agenturbezirk gibt es nur im Landkreis Amberg-Sulzbach mehr Bewerber (710) als Stellen (673). Der "Überhang" könnte in der Stadt Amberg leicht unterkommen, dort stehen 606 Lehrstellen nur 227 Bewerber gegenüber. Im Landkreis Cham sind hat die Agentur 1432 Ausbildungsstellen und 942 Bewerber registriert.
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