Erste Bilanz der Integrationsbemühungen am Arbeitsmarkt –
Stellen für die "Sahneschnitten"

Vertreter von Schulen, Wirtschaft und sozialen Einrichtungen arbeiten mit der Agentur für Arbeit bei der Integration von Flüchtlingen zusammen. Der Chef der Agentur, Joachim Ossmann (Dritter von rechts), zog mit ihnen am Freitag eine erste Bilanz. Bild: Hösamer
Wirtschaft
Schwandorf
16.07.2016
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Für Michael Horsch ist es keine Frage des "ob", sondern eine des "wie". Als die Flüchtlinge nach Deutschland kamen, reagierte die Geschäftsführung des Landmaschinenherstellers und beschloss, junge Flüchtlinge auszubilden. Über die Erfahrungen berichtete er am Freitag bei einer Pressekonferenz bei der Agentur für Arbeit.

Deren Chef, Joachim Ossmann, hatte Vertreter aus Schulen, Wirtschaft und sozialer Einrichtungen zusammengeholt, um nach einem guten halben Jahr intensiver Arbeit dazustellen, wie die Integration im Arbeitsmarkt funktioniert - und den Beteiligten für ihren Einsatz auch öffentlich Danke zu sagen. Junge Geflüchtete sollen in Ausbildung gebracht werden - auch wenn viele am liebsten sofort Geld verdienen und jobben würden. Aber für sie wie für Einheimische gilt: Eine Ausbildung ist die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit, "wenn's mal kriselt", wie Ossmann sagte. Bereichsleiter Wolfgang Zwicknagl legte die aktuellen Zahlen vor. Rund 1240 Flüchtlinge sind im Gesamtbezirk der Agentur (Kreise Amberg, Cham, Schwandorf, Stadt Amberg) registriert, davon im Landkreis Schwandorf etwa 450. Die Firma Horsch setzte sich zum Ziel, für 25 Flüchtlinge zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen. Dazu wurde sogar die Lehrwerkstatt ausgebaut. "Die Motivation ist überhaupt kein Problem", sagte Horsch, aber: "Sie können erst mal gar nichts". Das, so Horsch, "haben wir bewusst auf uns genommen".

Sprache, Sprache, nochmal Sprache, das ist das zu lösende Hauptproblem. Da kommen die Schulen und sozialen Einrichtungen ins Spiel. Die Berufsschule etwa mit ihren sehr erfolgreichen Angeboten - aus dem "Beruflichen Übergangsjahr" haben alle 13 Schüler einen Ausbildungsplatz in der Tasche. "Die Quote soll uns erst mal einer nachmachen," sagte Berufsschullehrerin Dr. Patricia Broser, aus den "Berufsintegratrationsjahren" hat immerhin die Hälfte der Schüler (26) eine Lehrstelle, andere gehen weiter zur Schule.

Die Bauindustrie bemüht sich ebenfalls um die Integration, wie Thomas Donhauser vom gleichnamigen Bauunternehmen berichtete. Am Bildungszentrum Wetzendorf werden Praktika geboten. Stefan Segerer (Wernberg-Köblitz) unterstützt in seinem Logistikunternehmen Geflüchtete, Sabrina Scharf (MeillerGHP) berichtete von ersten Einstellungen. EMZ Hanauer in Nabburg hat sich mit Horsch "verbündet", stellt zwei Lehrlinge zusätzlich ein, berichtete Personalleiter Werner Schwarz. Gemeinsam werden die Firmen die Azubis in eine Klasse schicken, die am Haus des Guten Hirten (HGdH) unterrichtet wird.

"Das sind unsere Sahneschnitten", nennt Sophie Huber vom HdGH die jungen Männer, die jetzt eine Stelle haben. Sie hatten die besten Voraussetzungen. Es gibt aber auch Probleme. Geflüchtete Mädchen etwa. Sie sind oft traumatisiert, hatten zu Hause wenig Chancen auf Bildung. Hier sind noch Anstrengungen nötig, sagte sie. (Innenteil)
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